Buchvorstellung

Veröffentlicht am 23.03.2016 | von Lisa Wilde

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THEES UHLMANN – Interview

Mit seinem Debütroman „Sophia, der Tod und Ich“ ist Thees Uhlmann nun schon seit einiger Zeit auf Lesetour – Grund genug ihn mal zu fragen, wie das so läuft. Wir treffen den Norddeutsch-Sympath in der Darmstädter Centralstation, über die er gleich zu Anfang eine Anekdote zum Besten gibt – mit Tomte hat er dort eines seiner früheren Konzerte gespielt und war ganz stolz, den Saal genau wie Motorpsycho füllen zu können. Er wurde an dieser Stelle allerdings drauf aufmerksam gemacht, dass dort der komplette Tresen rausgeschoben war, es folgte der klassische Nelson-Simpsons-Moment „HAHA!“.

Deine erste Lesetour ist im vollen Gange: kannst Du jetzt schon ein Resumé ziehen – was gefällt Dir besser? Wie unterscheidet sich das von einer Musiktour?
Im Endeffekt ist es genau das Gleiche. Kunst – und damit trete ich auf und dann ist das natürlich alles komplett unterschiedlich. Ich bin zum Beispiel allein auf der Bühne was ne große Veränderung ist, ich hab kein Krach um mich herum, was ja auch sehr autoritär oder sicherheitsgebend wirken kann. Oder zum Beispiel der Schlagzeug Soundcheck dauert ja von allein schon ne Stunde oder anderthalb, mein Soundcheck mit der Stimme dauert jetzt anderthalb Seiten. Das sind schon irgendwie ganz große Unterschiede aber im Gehirn, also die Belohnungsendorphine, die dann rausgeschmissen werden, das sind dann wiederum haargenau die selben.
Resumé kann ich da eigentlich gar nicht ziehen, außer dass es wirklich einen wahnsinnigen Spaß macht vorzulesen, weil das auch einfach genauso Spaß bringt nem kleinen Kind vorzulesen. Man setzt sich hin und die anderen hören zu, ab und zu pennt mal einer ein, was natürlich auch nen großes Kompliment ist. Ich finde das ganz toll, vorlesen zu dürfen.

Plötzlich hast Du ja nicht die Gitarre vor dir und eine Band hinter dir, ist man da irgendwie nervöser?
Am Anfang war ich halt nervös wegen dem Neuen, weil ich das halt noch nie gemacht habe. Das war halt ganz schön aufregend, ist es auch immer noch aber es ist auch einfach cool.

Wie ist das mit dem Buch eigentlich gekommen? Den Vertrag hattest Du ja schon seit einigen Jahren. Warum hats dann doch länger gebraucht?
Ach, ich habe einfach die ganze Zeit Musik gemacht. Ich hatte am Anfang kein Geld und ziemlich große Sorge, ob dass ne gute Idee ist, Musik zu machen und sowas. Mein ganzes Gehirn war einfach in dieser Musik drin. Mit Tomte war dann irgendwann Schluss und dann habe ich mit der Thees-Band angefangen, das war dann natürlich auch total aufregend und da wäre überhaupt kein Platz gewesen sich so ne autonome Geschichte auszudenken. Das war halt alles sehr musikgetrieben und deswegen hat das seine Zeit gedauert.

Was war zu erst da – die Story oder das Vorhaben ein Buch zu veröffentlichen?

Ne ich hab wirklich einfach nachgedacht was man schreiben könnte, es gab so ein paar Paramater. Ich wollte halt nicht, dass Telefon, Internet und Handy vorkommt, ich wollte keine Popliteratur schreiben. Ich wollte etwas Universelles und Unterhaltsames schreiben und dann hab ich da wirklich mal so zwei Monate nachgedacht was man so machen könnte und dann bin ich halt auf diese kleine Geschichte gekommen.

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Dein Roman ist durchweg gut angekommen, hattest Du jemals die Befürchtungen, dass das schief geht? Häufig gehen solche Wechsel ja auch mal schön schief… Schauspieler gründen plötzlich Bands etc….
Ich muss wirklich sagen, Zweifel und Sorge sind integraler Bestandteil meiner Arbeit. Das ist bei jeder Platte so und beim Buch wars natürlich immens so aber das ist natürlich auch das Geile und die Hölle durch die man durch muss. Durch die nen Parkwächter sozusagen nicht durch muss. Ich glaube auch nur dass man durch den Zweifel weiter kommt. Mit 17 kann man genial sein, Arctic Monkeys oder irgendwie so was, die sind dann genial, die brauchen nicht zweifeln. Mir kommt das dann manchmal so vor, wenn Leute dann auch einfach so selbstgerecht und von sich überzeugt sind und nicht mehr an sich zweifeln, da kommt dann einfach Kacke bei raus. Man sollte sich schon überlegen ob man das noch kann sowas alles. Aber mich schockt das ja auch an, mir ist das egal Hauptsache doll. Ob das jetzt dolle Angst oder dolle Freude ist, das ist mir nicht so wichtig.

Und dann plötzlich war das Buch ein Bestseller. Damit hast Du wahrscheinlich nicht gerechnet?
Na, aber ich wusste aber, dass das nen Bestseller wird. Weil meine Lektorin gesagt hat, dass das nen gutes Buch ist und wenn die das gut findet… also null Prozent arrogant gemeint. Mir ist das auch viel wichtiger, dass ich meiner Lektorin gefalle, also das lässt sich gar nicht normal beschreiben. Aber als die dann so gesagt hat „hier Thees, das Buch ist gut geworden“ da dachte ich mir so krass. Das war dann schon ganz dolle Freude.

Wer kommt da zu Deinen Lesungen? Sind das ähnliche Gesichter, die auch zu den Konzerten gehen oder plötzlich ganz andere Leute?
50 Prozent der Leute waren schon mal auf nem Thees Uhlmann Konzert, 30 Prozent der Leute haben sich gesagt „oah, Thess Uhlmann fand ich richtig scheiße aber der hat jetzt dieses Buch geschrieben das soll ganz gut sein, ich geh da mal mit meiner Freundin hin, die findet das garantiert geil“ und 20 Prozent sind so Leute, die ausm Literaturbetrieb kommen, wirklich so, also was du gerade meintest. Ich werde es niemals vergessen in meinem ganzen Leben: Wir haben in Karlsruhe gelesen, da saß hinten an der Wand einfach nen Mann, der war echt älter als 75. Der saß dann da in seinem scharfen Anzug, hat sich das angehört und hat herzlich gelacht. Das war ganz heilig für mich. Ist dann auch einfach witzig, weil viele Leute sind ja dann auch einfach jünger als ich wenn ich ein Konzert spiele, jetzt steht da einfach ne ältere Frau und kommt ganz aufgeregt an „Och, Herr Uhlmann.“

Wie ist so der Alltag als Schriftsteller? Groß anders als sonst?
Ne, groß anders ist der nicht. Das Einzige was ich dazu erzählen kann ist, dass ich genau vier Stunden am Tag schreiben kann und danach kipp ich um und penne wie ein Sack. Das ist wie als hätte jemand mit einem Betäubungsgewehr auf mich geschossen. Und ich hab natürlich davor viel über so Cracks gelesen, die dann gesagt haben „Ja, jeden Tag ne Seite“. Bei mir war das dann so, ich habe meine Tochter zu Schule gebracht, geschrieben und dann geschlafen. Aber das war dann auch einfach nen Schlaf den ich so noch nicht kannte – sehr platt.

Bist Du trotzdem ständig im Musikdenken drin, also schreibst an Songs? Oder gönnst du dir davon gerade eine Pause?
Ne also Pause geht nicht, das kann ich nicht. Ich denk da gar nicht so drüber nach, wenn ich so Sachen mache, bin ich nämlich total drin. Ich hab Ukulele gespielt, immer 10 Minuten geschrieben und 10 Minuten gespielt. Habe ich mir quasi beigebracht durch das Buch, das war meine kreative Andersleistung

Wieviel steckt von dir in dem „Ich“ würde mich interessieren…
Würde dich interessieren, werde ich dir aber nicht erzählen (grinst). Was mir viel wichtiger ist, bist du bei der Lesung nachher noch da eigentlich?

p_MG_0135_sw_03Ja.

Ehm, viel wichtiger was da von mir drin ist, sind Sachen von Freunden von mir. Ich hab so gewisse Sachen aufgeschnappt und dann als Künstler auch immer diesen Radar gehabt „Man, das ist echt ne geile Geschichte“.
Im Sinne von mein Kumpel liest das durch, ist dann auf Seite 67 und er dann so „Alter, das ist von mir – das Schwein!“. Er weiß dann ja aber auch, dass er nie nen Buch geschrieben hätte und dann hat er da seinen kleinen Freundschaftsstempel da drin. Das hab ich auch richtig mit Genuss gemacht, da sind so bestimmt 20 Leute in dem Buch drin, die sich da wiederfinden werden.

Hast Du vor noch ein Buch zu schreiben?
Ach, ich glaube schon. Jetzt will ich natürlich erstmal wieder mit Musik abliefern. Aber gerade weil das so doll war dieses Buch zu schreiben, sind das natürlich Sachen, auf die flippen wir Künstler. Wenn du dann wirklich bei Seite 120 die nackte Panik hast bei diesem Scheiß-Buch und du dir niemals vorstellen kannst, dass das Buch irgendwann mal zu einem würdevollen Abschied kommen wird und sowas. Aber wenn man sich dann so raus kämpft… ich kann mir das sehr gut vorstellen weil mir das Lesen auch einfach großen Spaß bringt, mir bringts Spaß mit nem kleinen Besteck unterwegs zu sein, mir bringts Spaß anderen Leuten das nahe zu bringen. Es bringt mir Spaß mit dem Buch Leute erreicht zu haben, die ich mit der Musik noch nicht erreicht habe, viele neue interessante Leute kennengelernt zu haben, bei der Buchmesse gewesen zu sein, das ist schon alles richtig geil.

Wenn ich das Buch von Dir lesen, dann liest Du mir das im inneren Ohr vor…
…ja, die Leute kennen schon den Klang meiner Stimme. Kann natürlich auch blöd sein, wenn man das nicht trifft aber ich hab dann ja schon auch über die letzten zehn Jahre immer mal Texte geschrieben. Ich hab ne Fußball-Kolumne fürn St.Pauli geschrieben und Sinn dieser Kolumne ist, dass die nichts mit Fußball zu tun hat und dann natürlich doch die ganze Zeit mit Fußball zu tun hat. Dann muss man auch manchmal einfach auch überlegen wenn man alles erzählt hat, wie man weiter schreiben kann…

Die Erzählweise ist wirklich super lebendig und ich könnte mir eine Verfilmung super gut vorstellen. Meinst Du die Chance besteht?
Ach ich weiß es nicht. Lustigerweise haben das auch viele Fans gesagt, von wegen so „jaja, ich hab das voll als Film im Kopf und das hast du auch mit Absicht so geschrieben“ – Alter, ich hatte Angst nen Buch zu schreiben und du denkst, ich denk an Film?! So nen mega arroganter Journalist, ganz süß war der, der hat gesagt: „Herr Uhlmann, wenn sie das jemals als Buch verfilmen, dann entsage ich Ihnen mit meinem Fantum“. Er meinte er hätte sich das ganze Buch in seinem Kopf  so gebaut, wie er sich das vorstellt. Wenn das dann verfilmt wird, wird dir ja deiner eigenen Imagination geraubt und er meinte dann, dass er seine Fanfreundschaft aufgeben würde.

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Willst Du da dann auch den Lesern Freiheit zur Interpretation geben?
Ach, nö… das ist auch immer die Sache „was wollte der Künstler mit seinem Werk aussagen“. Erst einmal wollte ich, dass meine Tochter was zu Essen im Kühlschrank hat und dann wollte ich, dass die Leute aufm Klo ein bisschen was zum lachen haben (lacht). Also es war zum Beispiel von Anfang an klar, ich kann keine große, schwere Literatur schreiben, interessiert mich aber auch überhaupt nicht. So Bücher bei denen man sagt „ich liebte das, wie anstrengend das war, das Buch zu lesen“ oh Gott… ey, wieviel Zeit haben die Leute denn eigentlich? Ich wollte halt einfach so einen kleinen Roman schreiben und ich hab noch nie einen geschrieben und das heißt ich musste mich beim schreiben auch selber unterhalten. Ich musste beim Roman schreiben selber mit mir Sport treiben. Zum Beispiel hatte ich meiner Lektorin angekündigt „es kommt übrigens noch ne richtige Sexszene“ – und sie „Thees! Sex-Szenen? Das geht immer schief“ und ich so „verkauf ich dir, Baby!“ sie so „ich bin gespannt.“ Und am Ende „ok, Thess, das ist wirklich ne lustige Sexszene“ – „Joa, bidde, hab ich gemacht!“ Ich bin dann ehrgeizig, was das verkaufen angeht. Und wenn schon Verfilmung, dann sollte Keanu Reeves den Tod spielen. Ich glaube der ist nicht mehr so angesagt in Hollywood und das wäre dann seine große Comeback-Rolle, dass er so nen deppigen norddeutschen Tod spielen muss.

Du und Deine band habt ein paar Live-Termine im August angekündigt…
Genau, fünf Konzerte spielen wir.

Dürfen wir uns auf ein neues Album freuen?
Ja, ich hoffe. Echt lustig nach dem ganzen Rumgetüppsel jetzt einfach wieder mit ner E-Gitarre in ner Bude zu stehen und so.

Die Frage, die Du wahrscheinlich am häufigsten hörst…
Die Anwort ist nein! Was würdest du in den letzten 48 Stunden deines Lebens machen? Die Antwort ist Nein!

Wie siehts mit Tomte aus?
Achso! Unverändert – der Sänger von Tomte singt gerade in einer anderen Band. Es gibt keinen Grund über meinen Presserat da ne neue Meldung rauszugeben. Aber schon lustig, je länger das dauert umso häufiger kriegt man zu hören „ich bin totaler Tomte-Fan“ und ich so „ja, wo wart ihr früher aufm Konzert??“ (lacht)

Deine drei Lieblingsalben überhaupt?
Beethoven – 9. Symphonie
Slime – Yankees Raus
The Killers – Sam’s Town

Danke Dir!

© Jo Henker Fotografie!

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