Kritik

Veröffentlicht am 9.06.2017 | von Tobias

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PATERSON – Filmkritik

Paterson (Adam Driver) ist Busfahrer in dem beschaulichen Städtchen „Paterson“. Nicht nur namentlich ist er tief verbunden mit dieser Stadt. Die Bewohner dienen ihm als Inspiration für verschiedenen Gedichte, welche er in seiner Mittagspause schreibt. Neben der Poesie ist seine Frau Laura (Golshifteh Farahani) Paterson Mittelpunkt. Diese ist das komplette Gegenteil ihres Ehemanns – fast täglich hat sie neue Träume und führt ein Leben voller verschiedener Projekte. Gemeinsam unterstützen sie sich und bewundern die Gabe des jeweils Anderen.

Für Jim Jarmusch war schon immer weniger mehr. Schaut man sich sein komplettes filmisches Schaffen an, so stehen explosionsartige Erzählungen eher nicht im Mittelpunkt. Immer war der Mensch im Fokus und was dieses antreibt. Intime, genau betrachtetet Geschichten. So kennen und so lieben Fans Jim Jarmusch. Paterson wirkt hier schon fast als ein Ausrufezeichen seinen Schaffens.

Zog sich der Regisseur in seinem letzten Film Only Lovers Left Alive noch in ein mysteriöses Gefilde zurück, ist er nun voll und ganz in der Wirklichkeit. Über die Handlung von Paterson, muss man dann auch ehrlicherweise sagen, dass eigentlich nicht viel passiert. Ein Mann, ein Job, ein Leben. Die tristes des täglichen Lebens. Aber muss das so schlimm sein? Wahrlich nicht. Denn was Jarmusch hier geschaffen hat, ist eine philosophische Aufarbeitung der Normalität. Was treibt uns an im Leben und wie finden wir trotz einer Routine Schönheit. Existenzielle Fragen, die sich der Zuschauer stellen kann oder auch nicht. Nichts wird einem aufgedrängt und es bleibt einen selbstüberlassen, wie viele Szenen zu verstehen sind.

Aber kann so ein Film wirklich fesseln? Es ist nicht zu erklären, aber trotz der unglaublichen Ruhe, das fehlen eines wirklichen Plots fesselt der Film. Fast als würde man meditieren, findet der Zuschauer immer tiefer in die Geschichte und bleib dort gerne. Adam Driver als melancholischer Busfahrer, nimmt nicht nur sein Fahrgäste mit auf die Straßen Patersons, sondern auch die Zuschauer. Mit wenig Einsatz haucht er seiner Figur sehr viel Leben ein.

Paterson mag nicht für jeden etwas sein. Doch gerade Fans von Jim Jarmusch werden diesen Film mehr als lieben. Ohne Effekthascherei erschließt sich ein komplett eigener Kosmos. Diesen Kosmos gilt es zu entdecken. Wer sich darauf einlässt, wird viel aus diesem Film ziehen können.

Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Kara Hayward, Jared Gilman, William Jackson Harper
DVD-VÖ: 9. Juni 2017, Weltkino Filmverleih GmbH

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