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Veröffentlicht am 3.08.2017 | von Robert Heitmann

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GIRL RAY – Earl Grey


Foto-© Neil Thomson

Been walking without my heart, oh
Cause I see that it’s tight
Been talking to my guy, oh
Who says that I’ll be fine

(Girl Ray – Where Am I Now)

Man hat viel um die Ohren als Teenager in der heutigen Zeit – von vollgepackten Stundenplänen, Freizeitaktivitäten, hin zu Selbstverwirklichung und dem stets gerichteten Blick auf die unvorhersehbare und doch so wichtige Zukunft. Nahezu von allen Seiten prasseln Ratschläge auf den Jugendlichen ein, damit dieser ja zu einem funktionsfähigen Individuum heranwächst. Oftmals geraten die eigenen Träume und Wünsche zu kurz, so dass ein kleines Drama des Heranwachsens vorprogrammiert zu sein scheint.

Poppy Hankin, Iris McConnell und Sophie Moss aus London haben ihren ganz eigenen genialen Ausweg aus diesem Drama gefunden. Ihren letzten Schultag nutzten die mittlerweile 19-Jährigen, um unter dem Namen Girl Ray ihre erste Single Trouble aufzunehmen, die kurze Zeit später auf dem Londoner Kultlabel Moshi Moshi veröffentlicht wurde. Mit Earl Grey folgt nun das 12 Songs umfassende Debütalbum, das sich auf eine wunderbar angenehme Art und Weise im Einklang mit dem Bandnamen liest. Aufgenommen wurde es innerhalb von zwei Wochen in den Big Jelly Studios – Produzent Mike O’Malley ist mittlerweile auch als Tour-Gitarrist eingespannt.

Just Like That eröffnet mit einem warmen und wohligen Lo-Fi-Sound, der für die gesamten Platte charakteristisch sein soll. Die Harmonien sind verspielt und werden schlicht und effizient von Bass, Schlagzeug und Gitarre getragen. Girly Rays Songwriting ist prägnant und außergewöhnlich ehrlich – man fühlt sich als Hörer in Gedanken mitten in den Probe- bzw. Aufnahmeraum versetzt. So auch auf dem Stück Monday Tuesday, das in seiner Komposition mit zusätzlichen Keyboardklängen zu einem samtweichen Hörerlebnis wird. “Waiting in my room / waiting for myself to come through” – man fühlt sich Poppy Hankins unglaublich nahe, wenn ihre sanft zerbrechliche Stimme erklingt, deren Ähnlichkeit zu Velvet Undergrounds Nico stellenweise verblüffend ist. Das Herzstück des Albums findet sich mit Early Grey (Stuck In A Groove) – ein 13-minütiger Song, der behutsam mit Akustikgitarre und Hankins sanften Gesang beginnt, ehe Wurlitzersounds einen verträumten Mittelpart erschaffen und das Stück letztendlich in einen bedachtsamen Gitarren-Jam ausbricht.

Girl Ray haben mit Earl Grey einen möglichen Coming of Age-Soundtrack geschrieben, dessen Songs durch intime Gefühlswelten und wohlig analoge Lo-Fi-Klänge überzeugen. Das Songwriting dieser jungen Frauen ist charmant fesselnd und sanft zugleich – großartig und eindrucksvoll, was diese Teenager uns mit ihrem Debüt präsentieren.

Girl Ray – Earl Grey
VÖ: 4. August 2017, Moshi Moshi
https://soundcloud.com/girlray
www.facebook.com/pg/girlraylondon

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