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Veröffentlicht am 6.12.2017 | von Eva-Marie

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JULIEN BAKER – Turn Out The Lights


Foto-© Nolan Knight

There’s a hole in the drywall still not fixed
I just haven’t gotten around to it
And besides I’m starting to get used to the gaps

Say you wish you could find some way to help
Not to be so hard on myself
So why is it easy for everyone else?
I’m not always like this
There’s always tomorrow I guess

(Julien Baker  – Turn Out The Lights)

Sprained Ankle, das Debütalbum von Julien Baker, war damals eines unserer Lieblingsalben in 2015. Die Nähe, die die Platte ausstrahlte, war eindringlich und dem reduzierten Recording geschuldet. Auf ihrem zweiten Album Turn Out The Lights ist die Nähe ein klein wenig geschwunden, dafür haben andere Harmonien Einzug gehalten, die den Schweremut Bakers umspielen.

Appointments war der erste Song, der veröffentlicht wurde und er beschreibt den mentalen Crash in einer Beziehung. Er trägt sich durch das zarte Piano und den mehrstimmigen Gesang. Man merkt sofort, dass sich Julien Baker einen größeren klanglichen Raum erschlossen hat, aber an der Melancholie der Geschichten festhält, in denen man sie fast immer als Protagonistin identifizieren kann. Der titelgebende Turn Out The Lights besingt – von einer tiefen E-Gitarre getragen – den Scheiß, den man mit sich selbst ausmachen muss. Geschrieben hat sie ihn während sie auf Tour war und destilliert so den Konflikt zwischen Einsamkeit und Interaktion.

Oft hat das Zutun einer kräftigeren Instrumentierung zur Folge, dass eine Platte zu verwässern droht, gerade wenn das Debütalbum eine Lo-Fi-Produktion war. Julien Baker gelingt es aber bei den meisten Songs ihre Kanten daruch nicht abzurunden, sondern sie im Gegenteil noch zu umspielen. Ein Beispiel dafür ist Sour Breath, der sich ruhig gebettet ausbreitet und sich dann mit isolierter Stimme verzweifelt ergibt: „The harder I swim, the faster I sink“. Sie hat durch die Produktion zwar kreative Freiräume gewonnen, aber die Leidenschaft tropft immer noch vor allem aus den Lyrics.

Bei den Songs, wo ihr das nicht gelingt (Televangelist, Hurt Less) steht der Vorwurf im Raum, dass der Sound dann doch zu arrangiert und pathetisch klingt. Was auf dem ersten Album die Nähe war, ist hier schon manchmal die ein bisschen zu lange Umarmung. Das sind aber die Ausnahmen, denn Songs wie Even und seinem beiläufigen Saitenanschlag stechen dann wieder in ihrer roughen Schönheit hervor.

Julien Baker – Turn Out The Lights
VÖ: 27. Oktober 2017, Matador Records
www.julienbaker.bandcamp.com
www.facebook.com/julienrbaker

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