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Veröffentlicht am 11.04.2018 | von Susan

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EELS – The Deconstruction


Foto-© Gus Black

The reconstruction will begin
Only when there’s nothing left
But little pieces on the floor
They’re made of what I was
Before I had to break it down

(Eels – The Deconstruction)

Die Menschheit ist besonders für eine Sache bekannt: Selbstzerstörung. Nichts scheint der Spezies Mensch leichter zu fallen, als sich am Leid anderer zu erfreuen und stets auf das eigene Wohl bedacht, durch’s Leben zu schreiten. Das dies allerdings nicht auf alle gleichermaßen zutrifft beweist Mark Oliver Everett alias E. mit seiner Band Eels. Vier Jahre nach Veröffentlichung von The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett versucht er es auf The Deconstruction, dem mittlerweile 12. Album, diesmal mit Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Die Glaubwürdigkeit seiner tiefsinnigen Texte werden dabei, wie schon auf den vorherigen Platten, durch sein eigenes Leben untermauert. Denn die Leiden des Musikers sind so legendär wie tragisch. Mit gerade mal 19 Jahren starb sein Vater und einige Jahre danach beging seine Schwester Selbstmord. Seine Mutter erkrankte kurz darauf an Lungenkrebs und schied aus dem Leben. 2001 kamen schließlich seine Cousine und ihr Mann in dem Flugzeug ums Leben, das Terroristen auf das Pentagon stürzen ließen. Doch statt sich in der Tragödie seines Lebens zu baden, nutzte er stets die Musik als Ventil und nun sogar als Sprachrohr. Denn darüber ließ sich nicht nur das Geschehene verarbeiten, sondern anderen Menschen Mut machen, sich selbst zu hinterfragen und anderen beizustehen.

Schon im gleichnamigen Titelsong führt er seine neue Lebensphilosophie aus: Die Dekonstruktion. Mitreißend wird spätestens mit dem Refrain klar, dass das Leiden selbst manchmal die größte Hoffnung in sich birgt. Mit Premonition schmückt er das Ganze schließlich mit einer frohen Botschaften aus, das man sowohl als Täter oder Opfer stets von der Sonne berücksichtigt wird und stellt damit die Frage in den Raum, wieso man nicht einfach freundlich zueinander sein kann. Rusty Ripes erinnert hingegen an den Sound der frühen Eels, als HipHop-Ideen so wichtig waren wie gutes Songwriting. Today Is The Day geht durch seine poppige Note wieder lebendiger zu, was sich mit Be Hurt wieder zum Gegenteiligen, aber nicht weniger Selbstironischen wendet. In Our Cathedral, Song 15 und damit der letzte Song der Platte, sorgt dann nochmal in etwas ge­wöh­nungs­be­dürf­tig religiöser Manier für die nötige Grundstimmung und appelliert abermals dazu die Hoffnung nicht zu verlieren.

Everett bietet damit eine Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse und Herangehensweisen an das Leben und die Welt. Wie ein selbsternannter Messias übermittelt er das Gefühl des Verstandenwerdens und hält seine Hände schützend über die Köpfe einer unvollständigen Gesellschaft. Er bringt den Zuhörer dazu, statt nur die eigenen Wunden zu lecken, sich auch mal nach rechts und links umzuschauen. Dabei bietet zwar nicht jeder Song die Möglichkeit der Identifizierung und verleitet zu dem Gedanken, das der Musiker selbst manchmal das Wesentliche aus den Augen verliert, dennoch schafft er es dabei zwei wichtige Dinge zu vermitteln: Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Eels – The Deconstruction
VÖ: 6. April 2018, E Works Records
www.eelstheband.com
www.facebook.com/THEEELS

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