RESTLESS – Filmkritik & Verlosung


— Veröffentlich am 11. Februar 2012 von Dominik


Es gibt so einen Singvogel, der immer wenn die Sonne untergeht glaubt, dass er stirbt…und wenn er morgens aufwacht ist er total geschockt, weil er noch lebt und fängt an ein wundervolles Lied zu singen. Seid ich dich kenne singe ich jeden Morgen.

(Annabel – Restless)

Junge Menschen versuchen zumeist den Tod kategorische aus ihrem Leben zu halten, um der eigene Vergänglichkeit und den damit verbundenen negativen Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Nicht so Enoch (Henry Hopper) und Annabel (Mia Wasikowska, bekannt aus ‘Alice im Wunderland‘), die jedoch auch beide schon nähere Bekanntschaft mit der Vergänglichkeit gemacht haben. Enoch streift nach dem Unfalltod seiner Eltern, bei dem er fast auch umgekommen wäre, durch Bestattungsunternehmen, besucht Beerdigungen aus morbidem Interesse und hat einen toten ehemaligen japanischen Kamikaze-Piloten als imaginären Freund, während Annabel Krebs im Endstadium hat. Trotzdem werden die beiden Sonderlinge Freunde und gehen sogar eine Beziehung ein – eine Beziehung der nicht viel Zeit bleibt.

Tabuthema Tod, Stimmungstöter Nummer 1 – nicht so in Gus Van Sants neustem Werk ‘Restless‘, aus dem der bekannte amerikanische Indie-Regisseur (‘Milk‘, ‘Good Will Hunting‘, ‘My Own Private Idaho‘) eine fast leichtfüßige, aber dennoch sehr feinfühlige Liebesgeschichte spinnt. So suchen seine beiden Hauptcharaktere Leben (Annabel) und Tod (Enoch), treffen sich bei einer Beerdigung und finden im jeweilig anderen etwas, dass sie zusammenbringt. Annabel liebt die Natur und das Leben, während Enoch, wie die Motte vom Licht, vom Tod angezogen wird. Zusammen sind sie zwei Außenseiter, die sich gefunden haben, ergänzen und sich gegenseitig Halt bieten.

Aufgelockert wird der Film unter anderen durch einige witzig-skurrile Szenen, wie zum Beispiel, als Annabel zusammen mit Enoch ihr Ableben als schnulziges Schauspiel anhand eines Drehbuch-Skripts plant und übt. Dabei orientieren sich die beiden an dem üblichen Hollywood-Schmachtfetzen-Abriss, einen Weg den Van Sant zum Glück nicht eingeschlagen hat. Sein Film ist vielmehr eine Beobachtung zweier Personen, die sich trotz dem nahenden Ende aufeinander einlassen und sich ineinander verlieben. Somit zeigt ‘Restless’ daher auch gerade die Lichtblicke und das Leben der beiden, anstatt der Depression und der Trauer. Ein berührendes Filmwerk mit zwei außergewöhnlichen Darstellern, das völlig zu Unrecht an den Kinokassen schlecht abgeschnitten hat.

Restless (USA 2011)
Regie: Gus Van Sant
Darsteller: Henry Hopper, Mia Wasikowska, Ryō Kase, Schuyler Fisk, Jane Adams, Chin Han, Lusia Strus
DVD-VÖ: 13. Februar 2012, Sony Pictures Home Entertainment

In Zusammenarbeit mit Sony Pictures Home Entertainment verlosen wir zum DVD-/Blu-ray-Start von ‘Restless’ jeweils eine DVD und eine Blu-ray des Films! Ihr wollt gewinnen, dann schreibt uns bis zum 25. Februar eine Mail mit dem Betreff ‘Restless’ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr den Film bald daheim im Briefkasten…



I’M STILL HERE – Filmkritik


— Veröffentlich am 10. Februar 2012 von Fred


 

“Well great, I’d like a fucking joint. And to be anywhere other than Washington fucking D.C. But life is not a Christmas day.” 

(Joaquin Phoenix – I’m Still Here)

I’m Still Here‘ dokumentiert den vermeintlichen Absturz des Schauspielers Joaquin Phoenix. Die Mockumentary um seine fiktive Rap Karriere ist ein amüsantes Stück Performance-Kunst: Ein wenig kritisch, ein wenig albern, vor allem aber konsequent gespielt.

Der amerikanische Schauspieler Joaquin Phoenix verkündete im Jahr 2008 nach großen Erfolgen unter anderem in der Rolle des Johnny Cash, er beende mit sofortiger Wirkung seine Schauspielkarriere und wolle sich künftig als Rapper versuchen. Diese Phase seines Lebens ist Gegenstand der von Casey Affleck gefilmten Dokumentation ’I'm Still Here’, die neben dem Branchenwechsel vor allem den körperlichen und geistigen Verfall des Schauspielers dokumentiert. Oder besser gesagt: den vermeintlichen Verfall vermeintlich dokumentiert. Denn ‘I‘m Still Here’ ist eine sogenannte Mockumentary, eine gestellte Dokumentation. Dieses keinesfalls neue Genre findet die Höhepunkte seiner Bekanntheit in dem 1984er Klassiker ‘This is Spinal Tap’ und in den beiden erfolgreichen Sacha Baron Cohen Filmen ‘Borat’ und ‘Brüno’ und erfreut sich in letzter Zeit wieder wachsender Beliebtheit. Besonders interessant sind hierbei die verschwimmenden Grenzen zwischen Fiktion und Realität, sowie die Reaktionen auf seinen plötzlichen Sinneswandel. Und im Falle von ‘I‘m Still Her’e gelingt dies auf Grund von Joaquin Phoenixs konsequent schockierender Verwandlung besonders gut. Er konsumiert ständig Drogen, holt sich Nutten oder Groupies ins Haus und wird immer aggressiver, bis er schließlich sogar auf seinen Assistenten losgeht. Phoenix kennt offenbar keine Schmerzgrenze: Er prügelt sich mit einem Konzertbesucher, kotzt in die Ecke und schließlich scheißt ihm im Schlaf sogar sein Assistent mitten ins Gesicht. Der Welt zunehmend entrückt, murmelt er immer neue Rap-Zeilen vor sich hin. Joaquín Phoenixs schauspielerische Leistung ist eindrucksvoll. Während ihm zu Beginn kaum einer seinen Absturz glaubt, spielt er seine Rolle so konsequent, ausdauernd und unter Inkaufnahme seiner persönlichen Verwahrlosung, dass ihm Weggefährten und Journalisten zunehmend auf den Leim gehen.

Da verwundert es nicht weiter, dass selbst die Abgebrühtesten in Hollywood zweifelten, ob Phoenix nicht vielleicht doch nicht spielt und genau in diesen Momenten gelingt ihm sein Groß-Experiment. Wenn seiner Agentin im Hinterzimmer der Letterman-Show wegen des Auftritts ihres Mandanten nach und nach die Gesichtszüge entgleiten. Wenn Sean Combs, ehemals bekannt als Puff Daddy, gerade noch die Contenance bewahren kann, während ihm Phoenix seine erbärmlich schlechten Versuche in Hip-Hop vorspielt. Oder wenn Ben Stiller sich erfolglos aber redlich müht, den verwahrlosten Schauspieler zu einem weiteren Filmprojekt zu überreden. Die Frage, was da nun echt oder nur gespielt ist, macht ohnehin wenig Sinn. Alleine der Umstand, dass Phoenix zwei Jahre seiner Karriere diesem Projekt opferte, zeigt schon, dass ihm auch daran lag, für sich herauszufinden, wie weit seine Star-Persona den Menschen dahinter infiziert hat und wie weit die Fiktion sich seiner Wirklichkeit bemächtigt hat.

Hinter dem Schein kommt nur das Nichts und jeder Kinogänger weiß: Oberflächen sind das eigentlich Interessante im Kino. Sie verraten mehr und sind viel schwieriger auszuloten als alle Tiefen dahinter. Ob sie wahr sind, spielt in diesem Fall keine Rolle. Die Wahrheit des Kinos ist eine andere, der Casey Afflecks Film so gefährlich nahe kommt, dass einem schwindelig werden kann. Bleibt nur noch eine Frage: Interessiert uns das?

I‘m Still Here (USA 2010)
Regie: Casey Affleck
Darsteller: Joaquin Phoenix, Antony Langdon, Carey Perloff
DVD-VÖ: 13.01.2012, Koch Media



Bedroomdisco Cinema – Kino-Neustarts vom 09.02.12


— Veröffentlich am 9. Februar 2012 von Dominik


Nachdem wir letzte Woche die Kino-Flaute für beendet erklärt haben, geht es diese Woche wieder etwas ruhiger zu an der Neustarts-Front. Dennoch haben wir ein paar empfehlenswerte Tipps zusammengesucht, mit dabei: Schwarzes Gold, unsichtbare Schauspielschüler, Koma-Liebe, Film-Pioniere und mehr!

- Black Gold: Einer der bekanntesten französischen Filmemacher kehrt nach Filmen wie ‘Der Name der Rose‘ oder ‘Sieben Jahre in Tibet‘ zurück: Jean-Jacques Annaud. In ‘Black Gold’ lässt er in Arabien während dem Öl-Boom der 30er Jahre zwei Familien um den schwarzen Goldsegen kämpfen und dabei jegliche Grenzen überschreiten.

- Die Unsichtbare: Erst als sie für alle überraschend vom bekannten Regisseur Friedmann die Hauptrolle in dessen Inszenierung bekommt, blüht die zuvor unsicher agierende Schauspielschülerin Fine auf, wird davon allerdings auch an ihre Grenzen getrieben und droht sich selbst zu verlieren.

- Für immer Liebe: Passend zum anstehenden Valentinstag-Großereignis, versucht Channing Tatum in ‘Für immer Liebe’ seine nach einem Autounfall aus dem Koma erwachende Frau (Rachel McAdams), die sich nicht mehr an ihn erinnern kann, zurück zu gewinnen.

- Hugo Cabret: Martin Scorsese widmet dem französischen Film-Pionier Georges Méliès seine erste 3D-Arbeit, in deren Mittelpunkt ein zwölfjähriger Waisenjunge versucht das magische Geheimnis eines Automatenmenschen zu lüften und dabei mysteriöse Gestalten trifft.

- In Darkness: In der von Nazis besetzten und von der Armut beherrschten polnischen Stadt Lvov versteckt der Dieb und Einbrecher Leopold Socha gegen Bezahlung eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge in der Kanalisation. Auf engstem Raum gefangen, erfährt die Gruppe, stellvertretend für die Gesellschaft der Juden, Hass, Liebe, Freundschaft und gegenseitige Ablehnung.

Ansonsten startet noch:
- Der Junge mit dem Fahrrad

Unser Tipp der Woche: Hugo Cabret



THE AMAZING SPIDER-MAN – neuer Trailer


— Veröffentlich am 7. Februar 2012 von Dominik



© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Nach drei mehr als erfolgreichen Spider-Man-Teilen heißt es im Sommer Reboot, also Neustart der Reihe. Andrew Garfield und Emma Stone ersetzen dabei Tobey Maguire und Kirsten Dunst, während Marc Webb auf dem Regiestuhl Platz nimmt, auf dem bisher Sam Raimi das Zepter schwang. Am 3. Juli kommt ‘The Amazing Spider-Man‘ dann auch hierzulande in die Kinos – natürlich in 3D!



Bedroomdisco-DVD-Wochenvorschau #KW 6


— Veröffentlich am 6. Februar 2012 von Dominik


Jede Woche das selbe: DVD-Wochenstarts auf bedroomdisco.de studieren, zur Bank und dann das Heimkino mit neuen Perlen bestücken! Diese Woche füllen sich die Einkaufstüten mit diversen Neuerscheinungen, darunter: Killer, Romantiker, Musketiere, Vampire, Agenten, Liebende, Kranke, Hunde und vieles mehr!

- Dexter – Season 4 (4 DVDs, VÖ: 09.02.2012)
- Die Anonymen Romantiker (VÖ: 09.02.2012)
- Die Drei Musketiere (VÖ: 09.02.2012)
- Fright Night (VÖ: 09.02.2012)
- Johnny English – Jetzt erst recht (VÖ: 09.02.2012)
- Love Life – Liebe trifft Leben (VÖ: 09.02.2012)
- Restless (VÖ: 09.02.2012)
- Rules of Engagement – Die zweite Season (2 DVDs, VÖ: 09.02.2012)
- Susi und Strolch – Diamond Edition (VÖ: 09.02.2012)
- The Good Wife – Season 2 – Box 1 (3 DVDs, VÖ: 09.02.2012)
- The Good Wife – Season 2 – Box 2 (3 DVDs, VÖ: 09.02.2012)
- Broadwalk Empire – Season 1 (5 DVDs, VÖ: 10.02.2012)
- Cairo Time (VÖ: 10.02.2012)
- Crazy, Stupid, Love. (VÖ: 10.02.2012)
- Two and a Half Men – Season 8 (2 DVDs, VÖ: 10.02.2012)
- V – Die Besucher – Season 2 (2 DVDs, VÖ: 10.02.2012)

Unser Tipp der Woche: Restless



COLOMBIANA – Filmkritik


— Veröffentlich am 5. Februar 2012 von Dominik


Heute gibt’s das gute Zeug!

(Polizist – Colombiana)

Als Mafiaboss hat man es schon schwer: Da baut man sich über Jahre ein Netzwerk aus loyalen Mitarbeitern auf, muss sich dann jedoch schweren Herzens per Auftragskiller-Kommando von ihnen trennen, um sich letztlich der Rache der Nachkommen ausgesetzt zu sehen. So geht es zumindest dem kolumbianischen Mafiaboss Don Luis, der sich, aufgrund des Plans eines vertrauten Mitarbeiters die schiefe Bahn zu verlassen, genötigt fühlt dessen komplette Familie auszuradieren. Nur die neunjährige Tochter Cataleya (Zoë Saldana) überlebt den Anschlag, flieht nach Amerika und schwört, traumatisiert von der Ermordung ihrer Eltern, Rache.

Jahre später mordet sich die hübsche Cataleya, trainiert und geführt von ihrem Onkel Emilio (Cliff Curtis), durch den Dunstkreis von Don Luis, ohne ihrem eigentlichen Ziel jedoch näher zu kommen. Um das zu ändern, fängt sie an Zeichen und Botschaften auf jeder Leiche zu hinterlassen. Die ermittelnde Polizei versteht nur Bahnhof und übergibt die Nachrichten der Öffentlichkeit und somit auch Don Luis, woraufhin Cataleya selbst in deren Schussbahn gerät – doch genau da schnappt die Falle zu!

Ohne Gnade und ohne BH mordet sich Zoë Saldana (‘Star Trek‘) als sexy Racheengel durch ‘Colombiana‘. Dabei besticht die neuste Zusammenarbeit von Regisseur Olivier Megaton und Produzent Luc Besson (nach ‘Transporter 3‘) durch top choreographierte Fights, Action am laufenden Band und eine grazile Hauptdarstellerin, die erstmals bei einer großen Produktion die Hauptrolle übernimmt und diese Aufgabe sehr gut meistert. Dass dem Film dann in der zweiten Hälfte etwas die Puste ausgeht und der Showdown dann sehr abrupt bzw. etwas unbefriedigend über die Bühne geht, verwundert bei dem Tempo mit dem ‘Colombiana’ in den ersten 30 Minuten loslegt nicht unbedingt. An tiefergehenden Dialogen der Figuren wurde der Action zuliebe gesparrt, sodass sich der Film letztlich als gut funktionierendes Hochglanz-Action-Spektakel, ohne Tiefgang, aber mit vielen Schauwerten herausstellt.

Colombiana (USA 2011)
Regie: Olivier Megaton
Darsteller: Zoë Saldana, Jordi Mollà, Cliff Curtis, Lennie James, Michael Vartan
DVD-VÖ: 27. Januar 2012, Universum Film GmbH



NADER UND SIMIN – EINE TRENNUNG – Filmkritik & Verlosung


— Veröffentlich am 4. Februar 2012 von Fred


Nader und Simin - Eine Trennung - Filmkritik & Gewinnspiel

„Das Gesetz schert sich nicht um unseren Einzelfall – am Ende bekomme ich bloß Recht oder Unrecht.”

(Nader – Nader und Simin)

In seinem neuen Film ‘Nader und Simin – Eine Trennung‘ kreist Asghar Farhadis mit seiner Kamera ganz eng um eine Familie, die innerhalb der politischen und religiösen Grenzen der iranischen Gesellschaft zu ersticken droht. Dabei stehen Probleme im Mittelpunkt, die jede andere Familie auf der Welt auch haben könnte. Präzise und facettenreich wird ein Familiendrama erzählt, das unter vielen Kleinproblemen fast nebenbei abläuft.

Fünf Minuten lang hört man die Stimme eines Scheidungsrichters, nicht laut, aber doch von beiläufig scharfer Autorität. Leicht von oben herab sieht man den Verhandlungssaal aus seiner Perspektive. Diese Einstellung ist als eine Einladung an den Zuschauer zu selbst eine Art Richter zu sein und damit auch eine Fingerzeig in Richtung aktiver Meinungsbildung. Doch dazu muss man zuerst die Handlung kennen: Simin (Leila Hatami) und Nader (Peyman Moaadi) möchten mit ihrer Tochter Termeh (Sarina Farhadi) den Iran verlassen. Alles ist vorbereitet, doch dann bekommt Nader Skrupel: Sein Vater (Ali-Asghar Shahbazi) leidet an Alzheimer. Er spricht kaum noch, es steht jeden Tag schlechter um ihn und langsam aber sicher zerstört die Krankheit sein Gehirn. Nader möchte ihn nicht allein zurücklassen, Simin die bisher die Pflege übernommen hat, rebelliert, möchte ein besseres Leben für sich und ihre Tochter. Daher reicht die enttäuschte Simin die Scheidung ein und zieht zurück zu ihrer Familie. Der nunmehr allein erziehende Nader stellt die schwangere Razieh (Sareh Bayat) zur Betreuung des kranken Alten ein. Doch auch Razieh ist mit der Situation schnell überfordert: Sie ist sehr religiös und gerät in Gewissenskonflikte, als sie den alten Mann, der sich eingenässt hat, waschen soll. Als Nader seinen Vater eines Tages allein und ans Bett gefesselt in der Wohnung vorfindet, kommt es zu einem heftigen Streit zwischen ihm, der Pflegerin und deren Gatten Hodjat (Shahab Hosseini) – mit dramatischen Konsequenzen. Nader schubst Razieh, sie stürzt – und verliert ihr Kind. Daraufhin wird die Wahrheit vor Gericht gesucht. Eine zähe Suche nach Gerechtigkeit beginnt und die Frage kommt auf, ob Nader gewusst hat, dass Razieh schwanger war? Wenn ja, würde das für ihn eine Gefängnisstrafe rechtfertigen? Oder war der Sturz vielleicht gar nicht die Ursache für die Fehlgeburt?

‘Nader und Simin’ stellt einen Drahtseilakt dar, den Regisseur Asghar Farhadi mühelos meistert. Der Film ist einerseits ein kraftvolles Familiendrama, das jegliche aufdringliche Inszenierung vermeidet und auch ohne emotionale Aufladung auskommt – auf Musikuntermalung wurde taktvoll verzichtet. Trotzdem fühlt man sich als Zuschauer zu jedem Zeitpunkt involviert und berührt. Andererseits skizziert Farhadi ohne distanziert-analytischen Gestus ein Problem, das früher oder später in jeder Zivilisation Thema wird: Wann greifen Recht und Moral ineinander, wo blockieren sie sich? Doch neben den Leitmotiven zeichnen sich auch die Protagonisten durch ihre enorme Vielschichtigkeit aus. Man versteht, warum alle Beteiligten so handeln, wie sie eben handeln und jeder einzelne von ihnen trägt so viel Verantwortung gegenüber seiner Familie, dass er darunter zusammenzubrechen droht.

‘Nader und Simin’ ist ein mühsamer, ein anstrengender Film. Ein Kriminalfilm, ein Familiendrama und natürlich auch ein politisches Statement. Bisweilen ist es frustrierend, ihm zu folgen, gerade weil man schon ahnt, dass es keine einfache Lösung geben wird. Doch exakt durch diese greifbare Ausweglosigkeit, die schauspielerisch durch die überragende Leistung von Leila Hatami und Peyman Moadi untermauert wird, bildet ‘Nader und Simin’ einen Ausschnitt des wahren Lebens ab, der mit einer schier unglaublichen Erzähldichte glänzt.

Nader und Simin – Eine Trennung (Iran 2011)
Regie: Asghar Farhadi
Darsteller: Leila Hatami, Peyman Moadi, Shahab Hosseini, Ali-Asghar Shahbazi, Sareh Bayat, Sarina Farhadi
DVD-VÖ: 27. Januar 2012, Alamode Film

In Zusammenarbeit mit Alamode Film verlosen wir zum DVD-/Blu-Ray-Start von ‘Nader und Simin – Eine Trennung’ eine Blu-Ray des Films! Ihr wollt gewinnen, dann schreibt uns eine Mail mit dem Betreff ‘Nader und Simin’ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr den Film bald daheim im Briefkasten…



SET UP – Filmkritik


— Veröffentlich am 3. Februar 2012 von Benjamin


Gott ist nicht hier, Gott hat Detroit zurzeit verlassen.

(Biggs – Set Up)

Manchmal stellen sich Filme, die es nicht bis ins Kino schaffen, als echte Anwerter für das Prädikat “Kultfilm” heraus. Etwa so wie es mit ‘Lucky Number Slevin‘ zu seiner Zeit geschehen ist. Dafür braucht es allerdings schon ein wenig mehr als nur ein Starensemble. Zwar ist das Aufgebot an Hollywoodgrößen im zuvor genannten Bespiel etwas größer, aber mit Bruce Willis, der in beiden Filmen mitspielt, 50 Cent Curtis und Ryan Phillippe (‘Eiskalte Engel‘) sind einige bekannte Gesichter in ‘Set Up‘ vertreten. Die personelle Überschneidung bleibt zwar nicht die einzige Gemeinsamkeit, aber letztlich doch die passenste.

Auch ‘Set Up’ ist ein Gangsterfilm, dessen Handlung sich an einem Überfall dreier Freunde auf einen Diamantenkurrier entspinnt. Vincent (Ryan Phillippe), Sonny (50 Cent) und Dave (Brett Granstaff) sind seit der High School eng befreundet und wollen sich 5 Million mit einem scheinbar leichten Coup verdienen. Als sie die Sache bereits geschaukelt haben, entpuppt sich Vincent als Verräter und versucht die anderen um die Ecke zu bringen und das Geld für sich einzustreichen. Allerdings überlebt Sonny und beginnt einen von Rache getriebenen Feldzug gegen seinen ehemaligen Freund. Dabei erregt er dummerweise die Aufmerksamkeit der hiesigen Mafia, in Person von Biggs (Bruce Willis), in dessen Territorium Sonny wildert. Durch mehrere irrwitzige Zufälle und durch Sonnys spielerisches Geschick, verbünden sich der bemüht eloquente Mafiaboss und der Kleinkriminelle gegen Vincent.

‘Set Up’ bleibt leider auf ganzer Linie hinter seinen möglichen Vorbildern zurück. Weder kann der Film durch besondere Tiefe seiner Charaktere überzeugen, noch durch gelungene Dialoge, wie sie beispielsweise ‘Pulp Fiction‘ liefert. Das peinliche dabei ist nur, dass der Film das offensichtlich versucht – jeder Gag, jeder markige Spruch ist entweder zu viel, zu wenig oder zu schlecht platziert. Ebensowenig wird Sonnys moralischer Zwiespalt herausgearbeitet, der ihn am Ende als einzigen fast unbeschadet überleben lässt, denn sein Prinzip ist niemanden zu töten (wohlbekannt aus ‘Batman‘). Von ‘Lucky Number Slevin‘ hingegen unterscheidet ihn vor allem, dass er es nicht schafft, den Zuschauer an irgendeiner Stelle über den Fortgang der Geschehnisse zu täuschen oder im Dunkel zu lassen – die Handlung bleibt immer vorhersehbar. Außer also mal wieder einen Rapper in seiner angeblich authentischen Umgebung zu beobachten bzw. Ryan Phillippe überhaupt mal wieder zu sehen, gibt es daher nicht viele Gründe sich ‘Set Up’ anzusehen. Es hat wohl nicht nur Gott Detroit, sondern auch die Muse den Regisseur verlassen.

Set Up (USA 2011)
Regie: Mike Gunther
Darsteller: Bruce Willis, Ryan Phillippe, 50 Cent, Jenna Dewan, Brett Granstaff, Randy Couture, Will Yun Lee
DVD-VÖ: 27. Januar 2012, Ascot Elite Home Entertainment



Bedroomdisco Cinema – Kino-Neustarts vom 02.02.12


— Veröffentlich am 2. Februar 2012 von Dominik


Die Kino-Flaute ist zu Ende, der Februar 2012 hält einige empfehlenswerte Neustarts bereit – so auch diese Woche! Mit dabei: Pensionierte Top-Spione, das Unterhaching des Baseballs, verwirrte Mathematiker, notgeile Jugendliche, Vampir-Kriegerinnen und vieles mehr…

- Dame, König, As, Spion: Um einen Maulwurf des sowjetischen KGB im britischen Secret Service zu entlarven, wird der pensionierte Top-Spion George Smiley (Gary Oldman) wieder aktiviert. Doch sein Auftrag ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch noch mit diversen Tücken verbunden, bekommt Smiley doch keinerlei Zugang zu Geheimakten bzw. muss verdeckt ermitteln, um den Verräter zu identifizieren, der das ganze Land in Gefahr bringen könnte. Britischer Thriller basierend auf dem gleichnamigen Spionageroman von John Le Carre.

- Die Kunst zu gewinnen – Moneyball: Die Oakland A’s sind nicht gerade das Bayern München der amerikanischen Baseball Liga, eher sowas wie Unterhaching damals in der 1. Fußball-Bundesliga – der krasse Außenseiter und Underdog. Somit kämpft man nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, nein, man gibt auch jährlich die Star-Spieler ab und muss ein komplett neues Team aufbauen – mit ein Drittel des Budgets der meisten anderen Mannschaften. Doch der Manager der Oakland A’s stellt das Spiel auf den Kopf, wodurch sich ganz neue Möglichkeiten auftun. Oscar nominiertes Sport-Drama basierend auf wahren Begebenheiten mit Brad Pitt, Philip Seymour Hoffman und Jonah Hill.

- Die Summe meiner einzelnen Teile: Nach dem Zusammenbruch und der Entlassung aus der Psychiatrie, hadert ein ehemals geniale Mathematiker mit der Gegenwart und findet erst wieder in der Natur die Ruhe, die er braucht, um sich zu erholen. Zusammen mit einem russischen Jungen baut er eine Hütte und streift mit ihm durch den Wald – doch seine Vergangenheit wird ihn auch dort finden.

- Sex on the Beach: Die vier Freunde Will, Neil, Simon und Jay dürfen jetzt nach diversen TV-Staffeln als ‘The Inbetweeners‘ auch im Kino flirten, abblitzen und für Chaos sorgen. Denn der Schulabschluss ist in der Tasche und der Kreta-Urlaub gebucht. Doch anstatt Sonne, Sex und Party herrscht schon bald Ebbe – sowohl in der Buxe als auch in der Urlaubskasse!

Underworld Awakening: Nach Jahren der Gefangenschaft, schafft es die Vampir-Kriegerin Seelen (Kate Beckinsale) endlich zu entkommen, nur um zwischen die Fronten eines Krieges Lykaner/Vampire gegen die Menschheit zu geraten. Denn die Menschen haben von der Existenz der beiden unsterblichen Spezien erfahren und wollen sie vollständig ausrotten.

Zettl: Max Zettl will um jeden Preis in Berlin Karriere machen und sieht sich schon an seinem Ziel als er vom Chauffeur zum Chefredakteur einer neuen Online-Puklikation aufsteigt. Schon vor dem Launch deckt er ohne jeglichen Skrupel einen Skandal in der Politprominenz auf. Komödie mit Michael Bully Herbig, von Helmut Dietl.

Ansonsten starten noch:
- Ein Sommer in Haifa
- Fernes Land
- My Reincarnation

Unser Tipp der Woche: Die Kunst zu gewinnen – Moneyball



FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN – Filmkritik & Verlosung


— Veröffentlich am 31. Januar 2012 von Dominik


Mir fehlt der Sex!

(Jamie – Freunde mit gewissen Vorzügen)

Über den Sinn und Zweck von romantischen Hollywood-Komödien lässt sich ja bekanntlich streiten, trotzdem nutzen sie verschiedene Gruppierungen von Menschen aus unterschiedlichen Anlass: Pärchen versetzen sich gerne in die geschilderten Situationen, lassen gemeinsame Erlebnisse wieder aufleben oder genießen einfach aneinander gekuschelt ‘die romantische Stimmung‘. Datende Singles nutzen ‘die romantische Stimmung‘ hingegen vielleicht eher für den ersten Schritt zur Annäherung, nicht datende Singles wiederum schwelgen im Gedanken daran, wie schön es sein könnte.

Eins ist jedoch so sicher wie das Amen in der Kirche: die beiden zuckersüßen Charaktere, die so verdammt gut zusammen passen würden, wenn nur xy passieren würde, bekommen sich doch irgendwie zum Schluss. Also zumindest am Reiz der Spannung liegt es dann ja schon mal nicht. Versucht ohne Stereotypen gibt sich dann auch das Justin Timberlake/Mila Kunis-ProjektFreunde mit gewissen Vorzügen‘.

Dylan und Jamie sind beide gerade verlassen worden und haben mit dem Glauben an Hollywood-Klischees bzw. die wahre Liebe abgeschlossen. Nicht jedoch mit der körperlichen Komponente einer Partnerschaft. Und somit beschließen die beiden einfach auch Sex ohne Beziehung haben zu können und ansonsten einfach gute Freunde zu bleiben. Doch ob das wirklich gut ausgeht, seht ihr wenn das Licht angeht.

‘Freunde mit gewissen Vorzügen’ greift das schon in ‘Freundschaft Plus‘ von Ashton Kutcher verwurstete Thema ‘Freunde haben Sex und nun?‘ auf, um sich dann letztlich doch (ganz unerwartet) als typische Hollywood-Romanze zu entpuppen. Doch bis dahin gefällt der Streifen von Regisseur Will Gluck durch eine lockere Story, den relativ unbekümmerten Umgang mit dem Thema Sex und die teils putzige, teils prickelnde Spannung zwischen den beiden Hauptdarstellern.

Friends with Benefits (USA 2011)
Regie: Will Gluck
Darsteller: Justin Timberlake, Mila Kunis, Patricia Clarkson, Jenna Elfman, Woody Harrelson, Emma Stone
DVD-VÖ: 26. Januar 2012, Sony Pictures Home Entertainment

In Zusammenarbeit mit Sony Pictures Home Entertainment verlosen wir zum DVD-/Blu-ray-Start von ‘Freunde mit gewissen Vorzügen’ jeweils eine DVD und eine Blu-ray des Films! Ihr wollt gewinnen, dann schreibt uns bis zum 14. Februar eine Mail mit dem Betreff ‘Freunde’ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr den Film bald daheim im Briefkasten…