KRISTOFER ÅSTRÖM – From Eagle To Sparrow


— Veröffentlich am 22. Februar 2012 von Dominik


River runs to something new
Looking for that deeper loom
Well, isn’t that what people do?

Even when the party’s through
I could go all night, it’s true
Keeps my thoughts away from you

(Kristofer Åström – Full Moon)

Kristofer Åström kann man sicherlich als einen der umtriebigsten und produktivsten der schwedischen Singer-Songwriter-Gilde bezeichnen, ist er doch nicht nur Frontmann der Rockband Fireside, nein mit ‘From Eagle To Sparrow‘ erscheint diese Woche auch seine mittlerweile 14. Solo-Veröffentlichung (EPs und Alben zusammengerechnet). Von Abnutzung oder Fließband-Ware kann man aber beileibe nicht sprechen.

For You‘ eröffnet den neuen Reigen von Åström-Liedern: ein Lagerfeuer-Song im Folk-Gewand mit ausladendem Mundharmonika-Gebrauch, reduziertem Percussions und obligatorischen Gitarren-Einsatz – nur das Knistern des Feuers fehlt noch. Schon beim zweiten Song ist von dieser Western-Romantik keine Spur mehr, rückt der Schwede doch noch etwas näher, lässt einen in seine Gefühlswelt ein und baut in ‘Queen Of Sorrow‘ eine sehr intime Atmosphäre auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Kaum hat man sich darauf eingelassen und die melancholische Stimmung in sich eingesogen, wird man auch schon wieder von ‘Loupita #5‘ per verträumt/verspieltem Gitarrenspiel rein instrumental auf schönere Pfade geführt – es kann ja auch nicht immer um die Königin der Reue, des Bedauerns und des Kummers gehen.

Überhaupt windet sich Åström auf ‘From Eagle To Sparrow’ immer wieder durch Gefühlsschichten, mal etwas beschwingter, mal melancholisch betrübt, um an der nächsten Ecke wieder in eine andere Laune zu verfallen. Klingt inkonsequent, aber verhält es sich nicht auch in etwa so mit dem wahren Leben? Zur Vorgängerplatte ‘Sinkadus‘ werden die Rockeinflüsse zurückgeschraubt und mit Rücksicht auf Themen wie Liebe, Trauer, Einsamkeit und Neubeginn vielseitig, alleine oder mit Band, vertont, was den Herren innerhalb der letzten Jahre bewegt hat.

Herzstück der Platte ist dann ‘Full Moon‘, ein an sich einfaches, sich jedoch in seiner Schönheit über fast neun Minuten entfaltendes Stück, das den Schweden mit aller Nachhaltigkeit nicht nur als einen der produktivsten, sondern auch als einen der gefühlvollsten und damit besten seiner Zunft zeigt. Allein die Atmosphäre, die sich hier über die dreifache Norm-Länge eines Pop-Songs nur durch den Einsatz einer Akustik-Gitarre, von Mann-Frau-Gesang und einem den Song ab und an unterliegendem Sound-Sample aufbaut, verlangt einem allen Respekt ab und wäre schon den Kauf der Platte wert!

The Long Run‘ nimmt diese Stimmung auf, zeigt sich dagegen aber etwas beschwingter und leitet damit perfekt über zu ‘Strong & Tall‘, das dann ganz unbeschwert poppig daher kommen darf: “…I can’t fight it no more and I can’t fight you and all the stupid things you makin’ me do. I can’t fight it, I try to give it up and start a new…

Come Summer‘ bremst alle Unbeschwertheit kurz darauf wieder aus, schwelgt in Sommer-Erinnerungen, musikalisch vertont mit ausnahmsweise mal einer E-Gitarre und für den Schweden ungewohnt viel Hall auf dem Gesang. Letztlich wird man von ‘Forget About It‘ entlassen, nachdem man sich noch ein mal fesseln und fast von der Sogkraft des sich immer weiter steigernden Songs verschlucken lassen hat. ‘From Eagle To Sparrow’ ist wie eine Achterbahnfahrt durch die Gefühlswelt, die gerade an den ruhigen Stellen seine Klasse entfaltet und noch lange nachhallt, sodass es einem schwer fallen wird, den letzten Zeilen, die Kristofer Åström an die Hörer der Platte richtet, nachzukommen: “Forget About It

Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow
VÖ: 24. Februar 2012, Startracks
http://kristoferastrom.com



CLOUD NOTHINGS – Attack On Memory


— Veröffentlich am 20. Februar 2012 von Fred


Cloud Nothings - Attack On Memory CD-Kritik

“I know my life’s not gonna change
And i’ll live through all these wasted days
Never thought that I’d end up this way
And I know it’s gonna stay the same.”

(Cloud Nothings – Wasted Days)

Der junge Dylan Baldi aus Cleveland hat mit seiner Band Cloud Nothings im Zeitraum von anderthalb Jahren schon drei Alben veröffentlicht. ‘Attack On Memory‘ ist sein neuestes Werk und auch sein bisher spannendstes.

Während die beiden Vorgänger ‘Turning On‘ und ‘Cloud Nothings‘ noch durch eingängigen und schnellen Schrammel-Surf-Pop-Punk glänzten und fast gänzlich auf Produktionshilfen verzichteten, hat sich Baldi diesmal von Starproduzent Steve Albini (Nirvana, Pixies) einen komplett neuen Sound zimmern lassen. Der Sound ist deutlich fetter geworden ist und Cloud Nothings ist jetzt nicht mehr nur LoFi-Garagen-Rock, man hört deutlich den Einfluss eines Studios. Die Gitarren drücken jetzt so richtig und Dylan rotzt seinen Gesang so herrlich, wie nie zuvor. Mit seiner herrlichen Scheißegal-Mentalität singt sich Dylan durch die Stücke und bietet in knapp 34 Minuten und nur 8 Songs seine eigene Idee der Weiterentwicklung seines rohen Stils an. Bereits der Opener ‘No Future/No Past‘ gibt die neue Richtung vor: Spröde Gitarrenriffs, ein schleppender Bass und ein schepperndes Schlagzeug kommen da zusammen. Langsam baut sich eine verstörend-gefährliche Stimmung auf, die eine fast hypnotische Wirkung entfaltet und gelungen auf den Rest von ‘Attack On Memory’ einstimmt. Darauf folgt das ungestüme ‘Wasted Days‘, das zunächst wie gewöhnliche Cloud Nothings Nummer klingt, bis die Band dann nach drei Minuten einen Gang runterschaltet. Es folgen prächtige sechs Minuten voller feinstem Herumgejamme, bei dem jede Freestyle-Jazz Kapelle neidisch zu Baldi und seinen Jungs hinüber schielt. Man merkt den Cloud Nothings den Spaß am Spielen deutlich an, während sich der Frontmann in Ekstase spielt und singt. ‘Fall In‘ kommt dann zum Ausgleich deutlich einfach gestrickter daher, ein sonniger Pop-Punk Song wie er im Buche steht. Ein eingängig fröhlicher Refrain animiert zum mitgröllen und biedert sich geradezu an unter die Skate Videos dieser Saison gelegt zu werden. Alle  Akkorde in ‘Fall In’ sind einfach gehalten, es gilt sich bloss nicht in Komplexität zu verlieren.

‘Attack On Memory’ macht seinem Namen alle Ehre: Das Album erinnert zu nicht unerheblichen Teilen an ein Best-Of des Punks vom Ende der 80er und Anfang der 90er. Es ist schnell, das Schlagzeug ist laut, die Gitarre ist deutlich und der Gesang ist auf genau die richtige Weise rumpelig-emotional und wütend-verzweifelt. Hinzu kommen die schon angesprochenen eingängigen Melodien und die, wie sollte es anders sein, aufrührerisch-rebellischen Texte. Aber vor allem klingt ‘Attack On Memory’ herrlich roh und ungeschminkt und ist ein krachiges Album geworden, das hörbare Spielfreude birgt. Hut ab Mr. Baldi.

Cloud Nothings – Attack On Memory
VÖ: 04. Februar 2012 (Wichita/ Rough Trade)
http://cloudnothings.tumblr.com
http://www.facebook.com/cloudnothings



CHARLOTTE GAINSBOURG – Stage Whisper


— Veröffentlich am 18. Februar 2012 von Dorota


When your night feels longer than the day
Love’s a wrecking ball and you’re in its way
Feels like everyone you know has close the door
Just don’t feel like keeping on, anymore
Got to make up your mind
Our wounds heal in time

(Charlotte Gainsbourg Featuring Charlie Fink of Noah & The Whale – Got To Let Go)

Hochgelobte Schauspielerin oder doch Popstar? Charlotte Gainsbourg hat einen Weg gefunden in beiden Kunstformen erfolgreich zu sein, ohne belächelt oder mit der goldenen Himbeere ausgezeichnet zu werden, wie so viele andere singende Schauspieler/schauspielernde Sänger.
Charlotte Gainsbourg hat eine Nische für sich gefunden, wo sie niemanden mit einem Überangebot von sich auf die Nerven geht. Kein Wunder, denn die Rollen die sie bekommt/will sind nicht alltagstauglich für den Unterhaltungskino Gänger. Das ist schwere Kost – man denke an ‘Melancholia‘ oder ‘Antichrist‘ – beides von Lars von Trier. Irgendwie hat man das Gefühl sie hat ihren cineastischen Mentor gefunden. So wie bei ihrem zweiten Studioalbum ‘I.R.M‘ an dem sie mit Beck arbeitete. Und das tat ihr gut – und ihrer Musik.
Jetzt mit der dritten Platte ‘Stage Whisper‘, die eine Mischung aus neuem Material und Liveaufnahmen alter Songs ist, zeigt sich die Vielfältigkeit ihrer Person mit der Unterstützung von Beck und Jarvis Cocker von Pulp. Soll es lieber ein bisschen Pop sein mit Tanzchoreographie wie in ‘Terrible Angels‘, oder doch lieber der melancholisch, schwermütige Song ‘Got To Let Go‘ mit Charlie Fink von Noah & The Whale, oder vielleicht das chansonartige ‘Out Of Touch‘? Alles möglich, nie geplant.

Schade, dass Charlotte Gainsbourg gefühlt auf der ganzen Welt Aufmerksamkeit bekommt, nur in Deutschland nicht. Besonders nicht mit ihrer Musik. Was für eine Blamage, denn ihre Songs sind super, auch wenn sie nicht in Eigenproduktion entstanden. Aber warum sollte man sich nicht Hilfe besorgen, um seiner Stimme und seinem Wesen das richtige musikalische Gewand verpassen zu lassen?
‘Stage Whisper’ lässt eine neue Seite von Charlotte Gainsbourg erblicken, mit einer noch vollkommen unbekannten Welt von Möglichkeiten. Deutschland, sei also gespannt und aufmerksam, da wird noch was passieren!

Charlotte Gainsbourg – Stage Whisper
VÖ: 13. Januar 2012, Warner Music International
www.charlottegainsbourg.com 

Charlotte Gainsbourg – Terrible angels from Martial Schmeltz on Vimeo.



WE HAVE BAND – Ternion


— Veröffentlich am 17. Februar 2012 von Dorota


Here in the cold with a breeze
We’re asking for you
Out in the heat of the desert
They’re calling for you
Down where it’s crowded and wet
They’re searching for you 

(We Have Band – Where Are Your People?)

Die Londoner sind wieder da – We Have Band mit ihrem zweiten Album ‘Ternion‘! Die drei Köpfe sind wieder kreativ am machen und tun, aber ob das so überzeugt bei dem “schweren” zweiten Album?

Puh, sagen wirs mal so: ‘Ternion’ hat was zu bieten. Man weiß aber nie so recht was. Hat es noch den Einfallsreichtum des Debüts? Die ‘Oh‘s, das ‘You Came Out‘, das ‘Divisive‘? Der Charm, die Kreativität, das Spielerische? Ist das noch alles so da?
Unter uns: nein. Das systematische Verfahren, der eingespielten Beats und Drums klingt fast wie das gleichbetitelte Debüt, wirkt aber relativ belanglos gegen eben diese Klassiker. Nur einige Lichtblicke in Sachen Songwriting lassen darauf zurückführen, dass da noch mehr ist als Routine und den immer gleichen Sounds. Zu hören sind diese Lichtblicke in Liedern wie ‘Tired Of Running‘, ‘Where Are Your People‘, ‘Steel In The Groove‘.

Ich sag das jetzt mal so: Der Sound ist fast immer gleich. Wie nur ein Riesen-Track, der das Album beherrscht; eine Schnecke, die sich langsam fortbewegt, aber sich über Sekunden und Minuten immer noch gefühlt an der gleichen Stelle befindet.
In einigen Momenten ist es gut, ungewohnt gut, aber nur beim mehrfachen hinhören. An manchen Stellen ist es eine nette Hintergrunduntermalung. Ich bedauere zutiefst was ich dazu sagen muss, denn live sind die drei We Have Band Mitglieder wirklich unterhaltsam und sehenswert. Nunja, aber wie sooft, ist es eine Frage des Geschmacks…Zumindest sprüht das Video wieder einmal vor Farben und lässt Interpretationsspielraum. Dafür ein trullala!

We Have Band – Ternion
VÖ: 27. Januar 2012, Naive
www.wehaveband.com 

We Have Band – Where Are Your People? (Official Music Video) from We Have Band on Vimeo.



MAX PROSA – Die Phantasie wird siegen


— Veröffentlich am 16. Februar 2012 von Fred


Tief im Gefängnis der Welt sind wir gefangen und ahnen es nicht.
Die Mauern, man kann sie nicht sehn, nur immer fühlen, sie stehn so dicht.
Du merkst doch, dass irgendwas quält, weil immer irgendwas fehlt, aber was?
Tief in versunkener Nacht weckt es Leute und hält sie dann wach.

(Max Prosa – Flügel)

Max Prosa ist ein Songwriter, wie man ihn sich am Lagerfeuer wünscht: Jugendlich, Strubbelhaare, Anfang 20 und voller Gedanken. Dass er die dann auch noch ausdrücken und in schöne Melodien kleiden kann, beweist er gekonnt mit seinem Debütalbum ‘Die Phantasie wird siegen‘.

Das alte Junge mit Gitarre Spiel. Abgebrochenes Studium der Physik und Philosophie. Aufgewachsen in Berlin. Entdeckung der Liebe zum Folkrock. Gitarrenspiel seit dem 6. Lebensjahr. Soweit so gut, damit wäre theoretisch die Grundlage für eine erfolgreiche Karriere als Songwriter gelegt. Wenn man dann von Clueso mit auf Tour genommen wird und die TV Noir Rakete des Jahres 2011 gewinnt, ist eine Karriere als Musiker wohl unausweichlich. Jetzt erscheint Max Prosas erstes Album ‘Die Phantasie wird siegen’ auf dem vierzehn Songs gelandet sind, vierzehn Gedichte und vierzehn Geschichten. Sehnsucht und Zerrissenheit sind die großen Themen der Textgefüge, die mit Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Cello und Mundharmonika in Musik verwandelt wurden. Prosas Lieder handeln von unbestimmtem Verlangen und dem Erfüllen von fälschlichen Erwartungen. “Nimm mich raus aus den Abgründen der Stadt“, proklamiert Prosa, “nimm mich mit irgendwohin“. Der Auftakt der Platte ist mit diesem schönen Gedicht, einem wunderbar runden Lied fantastisch gelungen. Auch die restlichen Songs glänzen von ihrer musikalischer Seite her in einem breiten Spektrum: Erhabene Hymnen wie ’Totgesagte Welt‘ oder ‘Ikonen‘ wechseln sich mit auf Stimme und Gitarre reduzierte Tracks ab (‘Straße Nach Peru‘ und ’So Wieder Leben‘). Doch Max kann mehr: Die beiden schnelleren, rockig beflügelnden Nummern ‘Tasunoro‘ und der ersten Single ‘Mein Kind‘ lassen den Fuß dann schneller auf den Boden tappen. Diesen temporeicheren Songs wird dann als Konterpunkt ein romantisch balladesker Song, wie ‘Als Der Sturm Vorbei War‘ oder ein klassischer Folk-Pop Song a la ‘Visionen Von Marie‘ entgegengestellt.

Doch interessanter und vor allem einzigartiger als die musikalische Ausgestaltung ist Prosas Art zu texten. Die Rhythmik und die Abstimmung der Worte beherrscht er perfekt. Die Betonung sitzt in jedem Moment und er spielt geradezu mit seinen Texten, die oftmals ins Lyrische abdriften. Was Max Prosa bislang noch fehlt ist die Reife der durchsoffenen, durchrauchten Jahre in seiner Stimme und der Mut öfter der Eingängigkeit der eigenen Melodie zu folgen. Doch diese Mischung aus Beiläufigkeit und Nachlässigkeit kann erst mit der Zeit entstehen. Wenn sie es denn überhaupt muss, denn ‘Die Phantasie wird siegen’ ist alles andere als zu glattpoliert. Max Prosa gelingt das Kunststück, trotz des hervorragenden Ohrwurmcharakters der Stücke zu polarisieren. Denn gerade der etwas eigenwillige Gesangsstil und die zuweilen arg verschlüsselten Lyrics werden nicht bei jedem Hörer auf Gegenliebe stoßen. Und genau deshalb überzeugt Max Prosas Debüt musikalisch, wie auch lyrisch. Das Prinzip vom Jungen mit der Gitarre geht ein weiteres Mal auf.

Max Prosa – Die Phantasie Wird Siegen
VÖ: 27. Januar 2012, Columbia
http://maxprosa.de
www.myspace.com/maxprosa



HUNDREDS – Variations


— Veröffentlich am 9. Februar 2012 von Dorota


I wake up
I wake up
it’s dark again 
the light house burned
there’s no way out
no way out
little heart 

(Hundreds – Little Heart)

2010 traten die großartigen Hamburger Hundreds in Erscheinung mit ihrem selbstbetitelten Debüt. Ende 2011 covern Bands und Künstler experimentierfreudig an den zehn Titeln herum und schaffen Neues, Ungewohntes und interpretieren Songs auf eine ganz andere Weise.

Mit dabei bei dieser Cover Platte namens ‘Variations‘ sind Small Panthers, Rue Royale, Monta, Bodi Bill, Sheahan Drive, Phon.o, Styrofoam, Einar Stray, Get Well Soon und Touchy Mob. Die Liste lässt sich also ganz gut lesen, auch wenn einige Namen noch unbekannt erscheinen mögen, spätestens jetzt haben sie sich ins melodramatische Herz gespielt.
Da fragt man sich natürlich wer die Auswahl getroffen hat – waren es Hundreds selbst die das Telefon in die Hand genommen haben oder boten sich die Bands an? Zumindest wurden die richtigen genommen, um endgültig zu beweisen – egal von wem die Lieder gesungen werden – wie hervorragend das Songwriting von Eva und Philipp Milner ist.
Besondere Schmankerl sind vertreten bei den Interpretationen von Rue Royale (Fighter), Bodi Bill (Machine), Phon.o (Happy Virus), Touchy Mob (Solace) und Get Well Soon (Let’s Write The Streets). Naja, vielleicht ist auch einfach alles toll – man hat auf jeden Fall nie wirklich das Gefühl ein Lied wurde vom neuen Interpreten zerstört. Es bleibt immer noch Hundreds – gefühlvoll, vorsichtig, vertraut – nur eben mit Ideen von Freunden gepaart.

‘Variations’ ist ein spannendes Album, mit dem sich vielleicht manche erst anfreunden müssen, manche dagegen werden es sofort für sich entdecken, genauso wie neue Künstler – wenn man nicht längst etwas von ihnen gehört hat. Eine willkommene und gelungene Abwechslung im “Cover-Land” der Musikbranche. Da wird das Warten auf die neue Platte von Hundreds dann auch gar nicht mehr so schlimm.

Hundreds – Variations
VÖ: 2. Dezember 2011, Sinnbus
www.hundredsmusic.com 



PHANTOGRAM – Nightlife


— Veröffentlich am 8. Februar 2012 von Lisa


Take this world away
Strangle it with wires for a lifetime
Make a pretty face and say I’m fine
I’m okay
Only in the nighttime

(Phantogram – Nightlife)

Phantogram, das New Yorker Electropo-Duo, das hierzulande leider trotz guter Kritiken für das 2009 veröffentlichte Debütalbum ‘Eyelid Movies‘ noch viel zu unbekannt ist, lässt endlich ein neues Lebenszeichen von sich hören: Am 17. Februar erscheint nun auch endlich in Deutschland die EP ‘Nightlife‘. Und die hat es in sich!

‘Nightlife’ beginnt schon stark: ‘Don’t Move‘, ein hypnotischen Bastard aus zuckenden Drums, kugeligen Loops und Bläser-Samples, vermischt mit der verführerischen und gleichzeitig geheimnisvollen Stimme von Sängerin Sarah Barthel, zeigt als zweiter Track der 6 Songs starken EP, wo der Hase hinwill. “Keep your body still” schmeichelt Sarah Barthels immer und immer wieder – hilft jedoch nix, bei diesem Beat muss ein jeder Arsch wackeln, ein jedes Tanzbein zucken.

Es folgt ‘Tuning into Stone‘, gesungen hauptsächlich von Partner Josh Carter anstatt nur von Barthel – ein Song, der einen immer mehr hineinzieht in das Zwielicht, das hinter ‘Nightlife’ steckt: aufreibende Nintendo-Beats vermischen sich darauf mit verzerrten E-Gitarren, die auch von Interpol stammen könnten, und Carters Gesang schnarrt und sträubt sich so lange im Wechsel mit Barthels Gesang, bis der Song schließlich in einem wunderbaren Crescendo-Inferno aufgeht und wie eine Sternschnuppe langsam am Nachthimmel verglüht. “It’s a new day and I’ve got a new way of turning into stone” singt Carter, und damit könnte er Recht haben – der Track, wohl der stärkste der EP, sitzt wie in Stein gemeißelt, jede Note, jeder Beat sitzen an der richtigen Stelle und packen einen an einem Nerv, von dem man vielleicht noch gar nicht wusste, dass er existiert.

Make A Fist‘, darauf folgend, ist ein beatlastiger, nervöser Track, der sich dank Barthels Gesang in schwindelnde Höhen schraubt, nur um dann so abrupt in sich zusammenzufallen, dass es einen beinahe straucheln lässt. Dagegen wirkt ‘Nightlife‘, der Titeltrack der EP schon fast wie ein klassischer Popsong. Eher bandgerecht stratt elektro-lastig instrumentiert, lebt der Song von seiner sphärischen Atmosphäre, die perfekt das dunkle Nachtleben widerspiegelt, in dem diese EP entstanden ist, und man fühlt sich sofort versetzt in dunkle Backstageräume, nächtlichen Tourbusse und verlassenen Autobahnraststätten.

So mitreißend und hypnotisch wirkt auch der letzte Track, ‘A Dark Tunnel‘, der sich dank eines dunklen, metallischen Elektrobeats im Gegensatz zu Barthels hier beinahe elfengleicher Stimme tatsächlich noch ein letztes Mal in allen Gehörgängen aufbäumt, bevor die EP sich dem Ende neigt.

Phantogram nehmen uns mit ‘Nightlife’ mit an einen durchaus dunklen Ort – der jedoch dank all der bezaubernden Melodien und verspielten Elemente, der vertrackten Ideen der einzelnen Songs einen Zauber entwickelt, der nicht depressiv stimmt, sondern einem warm ums Herz werden lässt. Hören und weiterempfehlen!

Phantogram – Nightlife
VÖ: 17. Februar 2012, Barsuk
http://phantogrammusic.virb.com
www.myspace.com/phantogram



ED SHEERAN – +


— Veröffentlich am 7. Februar 2012 von Dominik


And they say
She’s in the Class A Team
Stuck in her daydream
Been this way since 18
But lately her face seems
Slowly sinking, wasting
Crumbling like pastries

And they scream
The worst things in life come free to us
Cos we’re just under the upperhand
And go mad for a couple of grams
And she don’t want to go outside tonight
And in a pipe she flies to the Motherland
Or sells love to another man
It’s too cold outside
For angels to fly

(Ed Sheeran – The A Team)

Die britische Musik-, ach was sagen wir, Medien-Industrie ist ja zumeist auf den kometenhafte Aufstieg neuer Idole ausgelegt, die dann in Schüben auch ihren Weg von der Insel zum Festland finden. Dass es aber auch anders laufen kann und mitunter etwas dauert bis man die Schnellstraße gen Pop-Olymp nehmen darf, davon weiß einer der Newcomer aus 2011 zu berichten. Ed Sheeran veröffentlichte mit vierzehn Jahren seine erste EP, neun weitere sollten folgen, genauso wie unzählige Shows, Support-Slots und Möglichkeiten, die der mittlerweile zwanzigjährige abgearbeitet hat, bis er Mitte 2011 endlich einen Plattenvertrag in der Tasche hatte, um nur ein paar Monate später die UK Charts zu zieren. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter!

Ohne, dass sein Debütalbum ‘+‘ in Deutschland regulär erschienen ist, ziert schon ein ‘Ausverkauft‘-Schild die komplette hiesige März-Tour von Ed Sheeran – kein Wunder, verbindet er in seiner Musik doch unterschiedlichste Stile und bewegt sich dennoch immer im oder am Rande des Pop-Umfelds. So eröffnet ‘The A Team‘ das Album als schlichte Singer-Songwriter-Perle, die sich eingängig, aber ohne größeren Wiedererkennungswert dem Radioformat unterwirft und thematisch schon alles vorwegnimmt, was noch so folgen soll. Es geht um die logischen Themen eines jungen Erwachsenen: lieben, trinken und verzweifeln. Drumherum gibt es viel Pop-Appeal, mal variabler und mit Sprechgesang Richtung Rap, mitsamt Beatboxing (‘The City‘,’You Need Me, I Don’t Need You‘, ‘U.N.I.‘ & ‘Drunk‘), dann wieder ganz simpel und reduziert, um nur Sheerans Gesang, verbunden mit wahlweise sanften Gitarren- (‘This‘) oder Klavier-Klängen (‘Wake Me Up‘) in den Mittelpunkt zu stellen.

Und so schwankt das Songgebilde von Titel zu Titel, funktioniert hier mehr als Folk, dort mehr als Mainstream-affiner Hip-Hop-Verschnitt und bildet letztlich eine angenehm vielschichtige Pop-Platte, die gerade an den ruhigen bzw. reduzierten Stellen (‘Small Bump‘ & ‘Kiss Me‘) groß auftrumpft.

Ed Sheeran – +
VÖ: 10. Februar 2012, Asylum Records
www.edsheeran.de
www.myspace.com/edsheeran

Ed Sheeran – Drunk (Official Video) from Ed Sheeran on Vimeo.



MINT JULEP – Save Your Season


— Veröffentlich am 2. Februar 2012 von Dorota


The motion of the morning light
Carried the sin from the black night
I don’t wanna feel 
Anything else but you
As you hold me tonight

(Mint Julep – Why Don’t We)

Man nehme Minze, Crushed Ice, Zucker und Bourbon-Whiskey, gibt das alles in einen Silber- oder Zinnbecher und fertig ist der Cocktail Mint Julep. ODER man nimmt ein Ehepaar – in diesem Fall Hollie und Keith Kenniff – gibt ihnen Instrumente und ein Mikro und fertig ist die Band Mint Julep!
2007 wurde die Ehepaar-Band gegründet und konnte 2008 mit ‘Songs About Snow‘ schon eine beachtliche, kleine Platte vorweisen. Melodiöser Pop, der auf dem Debüt noch sehr ruhig und geheimnisvoll, ja fast schon Soundtrack-artig Atmosphären und Landschaften baut. Das ist allerdings nicht das Debüt von Frischlingen; Keith Kenniff ist bereits mit Projekten wie Helios, einem ambient/electronic Projekt und Goldmund, wo klassische Klaviermusik den Hauptbaustein der Musik bildet, im fortgeschrittenen Musikerleben angekommen. Und so ist es kein Wunder, dass seine Musik für Filme und Werbespots benutzt wird.

Tja und nun ist es 2012 und es gibt ein neues Album mit dem Namen ‘Save Your Season‘, das Aufmerksamkeit will und auch bekommt. Denn die erste Single ‘Aviary‘ konnte schon auf diversen Blogs positive Resonanz erfahren. Die Stimme von Hollie Kenniff ist dabei immer noch so gefühlvoll und zärtlich, nur der Sound nähert sich deutlich dem Indierock an. Auch die Ruhe, die noch auf ‘Songs About Snow’ vorherrschte, verwandelte sich bei einigen Songs ins Gegenteil, wie zum Beispiel bei ‘To The Sea‘. Durch Schlagzeug, repetitivem Bass-Gezupfe und Synthiemelodien sind die Songs düsterer und gewaltiger denn je.

Die Band Mint Julep hat also mit ihrem Album ‘Save Your Season’ ein hübsches Pop-Indie-Moment geschaffen, dass zum Teil an die Frauenband Telepathe erinnert. Das Gesamtkonzept des Album ist gelungen und ein hörenswertes Stück Musik geworden – auch wenn ‘Days Gone By‘ und der Track ‘Save Your Season‘ leider zu den schwächeren Songs auf der Platte gehören. Allerdings ist zu befürchten, dass die Aufmerksamkeit für die Band allgemein nicht so groß sein wird – was in diesem Fall wirklich schade ist. Hoffen wir, dass die Blogs schön weiter promoten und Mint Julep mehr als nur ein Cocktail wird.

Mint Julep – Save Your Season
VÖ: 20. Januar 2012, Village Green
http://mintjulep.squarespace.com 



BEN HOWARD – Every Kingdom


— Veröffentlich am 1. Februar 2012 von Dominik


And the church spire over the river
She still sits there warm in the evening glow
But you don’t care about these scenes I treasure
About these west winds, I know, I know

Seems everything aroung here
Stays like stone
Seems it’s about time darling
We let this all go

Everything must start again anew
Everything just goes that way my friend
Every king knows it to be true
That every kingdom must one day come to an end

(Ben Howard – Everything)

Schon bevor er überhaupt einen Plattenvertrag unterschrieben hatte, könnte der britische Singer-Songwriter Ben Howard schon auf ausverkaufte Shows zurückblicken und eine beachtliche Fan-Base sein eigen nennen – und das nicht nur in seiner Heimat. Denn auch während seiner letzten Deutschland-Tour eilte dem Hobby-Surfer schon sein Ruf voraus, sodass diverse Venues schon frühzeitig ‘Sold out‘ vermeldeten, bevor überhaupt ein Exemplar von ‘Every Kingdom‘ über den deutschen Ladentresen ging. Am Freitag ist es nun soweit, das Debütalbum von Ben Howard erscheint offiziell in Deutschland.

Der in Devonshire, im Südwesten Englands aufgewachsene Folkmusiker, wuchs in einem musikalischen Haushalt auf, in dem die Platten von Künstlern wie Joni Mitchell, Bob Dylan, Van Morrison oder Richie Havens rauf und runter liefen, sodass die Einflüsse auf ‘Every Kingdom’ auf der Hand liegen. Im Vordergrund steht dabei das grazile Gitarrenspiel und der Gesang des jungen Briten, der stimmlich vielleicht am besten irgendwo zwischen Damien Rice und seinem Kollegen James Vincent McMorrow einzuordnen ist. ‘Old Pine‘ stellt dann als Opener der Platte auch gleich diese beiden Zutaten in den Mittelpunkt, während India Bourne die gefühlvollen Gitarren-Zupfer mit ihrem Cello untermalt und erst zur Mitte des Songs hin auch Drummer Chris Bond einsetzen darf. Ein gemächlicher Start in ‘Every Kingdom’, der die Atmosphäre des Debütwerks vorwegnimmt, um mit ordentlich Schwung auszuklingen.

Diamonds‘ erinnert entfernt an den schwedischen Gitarrenästheten José González, ergeht sich dann jedoch zunehmend mehr in den Country-/Folk-Anleihen des Briten. ‘The Wolves‘ zeigt Ben Howard heißer proklamierend, vor beschwingter Instrumentierung, um nach einem Break noch mal gefühlvoll anzusetzen und sich im Dialog mit seiner Band als Echo immer wieder zuzurufen: Love, Love, Love! Das erste große Highlight der Platte, die mit ‘Everything‘ direkt ein weiteres zu bieten hat, zieht einen doch die fast schon greifbare Intimität des Songs unmittelbar in seinen Bann.

Die zweite Hälfte der Platte fällt dagegen keinesfalls ab, hält sie doch noch ‘The Fear‘, das langsam wachsenden ‘Black Flies‘, welches an Bon Iver erinnert, oder das einfach nur schöne ‘Gracious‘ bereit. ‘Every Kingdom’ ist damit die Momentaufnahme eines jungen Folkmusikers, der sich aufmacht, demnächst schon zu den ganz großen zu zählen.

Ben Howard – Every Kingdom
VÖ: 3. Februar 2012, Island
www.benhowardmusic.co.uk
www.myspace.com/benhoward

THE FEAR (Full Length version) from mickey smith on Vimeo.