“Let’s talk about spaceships or anything except you and me okay?”
(Say hi to your mom – Let’s Talk About Spaceships)
Wie stellt man eine Band mit passenden Musikempfehlungen vor, die zu den absoluten Lieblingsbands gehört und noch dazu bereits sechs (!) Alben herausgebracht hat, von denen selbst versierte Indie-Anhänger noch nichts gehört haben?
DesRätsels Lösung: man überstürze nichts und stelle jede Woche ein Album vor.
Weiter geht’s mit Teil zwei:
Zwei weitere Jahre beanspruchte Eric Elbogen dann für sich, bevor er 2004 mit „Numbers and Mumbles“ sein zweites Album veröffentlichte. Auf diesem Album zeichnet sich noch deutlicher als beim Vorgänger Erics Segen und Fluch zugleich ab. Metaphorisch wird nämlich alles zwischenmenschliche angesprochen. Ein Segen für die schönen Texte. Ein Fluch, da ihm sinnfreie Texterei vorgeworfen wurde und der Widerwille zum Erwachsen werden.
Sehr schön verpackt zum Beispiel in „Let’s talk about spaceships“. Jedem von uns bekannt sind diese unangenehmen Situation in denen man den Konflikt nicht zum einhundertzehnten Mal tot reden möchte und stattdessen einen Themenwechsel versucht: sehr charmant, wenn auch unerwachsen, mit der Frage gelöst, ob man nicht über alles, gerne auch über Raumschiffe sprechen kann, über wirklich alles „…except you and me, okay?“. Ach und ob man schon die Spinne gesehen hätte die an der Wand krabbelt. Nettes Ablenkungsmanöver.
Um einen Computer-Nerd der sich in seiner isolierten Einzelgänger-Zelle eingerichtet hat, geht es in „Beat my highscore“. Keyboard, Bass, im Hintergrund ein leises Schlagzeug eingespielt und dazu einmal mehr die unverkennbare Stimme laden zum Mitsummen ein. Das Intro: nur kurz angedeutet. Nach mehrmaligem Hören wird man sich dabei erwischen wie man einzelne Textzeilen der beiden Lieder fragmentarisch im Kopf nachsingt.
Seine Stimme klingt auch hier wieder so schön und unschuldig, ohne dabei wehleidig zu wirken, sodass man instinktiv Verständnis für jegliches obskure Verhalten aufbringen möchte. So bringt man selbst für den PC-Freak Empathie auf, der erstaunt die Gefühlswelt durch ein Mädchen entdeckt und glaubt eindlich einen Weg gefunden zu haben, den Joystick wegzulegen, dann aber doch keine Zukunft sieht denn „She beat my high-score“… Weird, dabei aber so liebenswert.
Ein ungewöhnlicher und dadurch besonders auffallender Song ist „The key of C“. Leise Klänge und mit Keyboard-Einlagen die an ein Xylophon denken lassen, dazu leise verzerrt der Synthesizer . Mehr Bedarf es fast nicht um latent Kritik über permanente Unzufriedenheiten und Undankbarkeiten zu üben. („Admitt it I took out your trash“). Immerzu strebt man das noch bessere an, im Wissen das es auch noch besser gehen kann. Besser gehen könnte. Aber dass es umgekehrt auch schlechter ginge vergisst man beim status quo doch gerne mal. „…but believe me there’s a better Frankenstein for you to bride…“.
Say hi to your mom – Numbers and Mumbles
VÖ: 10.02.2004 , Euphobia Records
Man stelle sich vor: Kunstunterricht, mit der Vorgabe ein Bild zu malen, strikt unter der Vorgabe eines Themas. Und einer tanzt aus der Reihe.
Auf die Musik übertragen wäre das wohl Jamie T., der seine Musik ebenso wenig in eine Schublade stecken lässt, wie Frauen genung Schuhe haben können. Jamie T. macht sich also auf seinem nunmehr zweiten Album „Kings and Queens“ die ganze musikalische Farbpalette zu Eigen, ganz ohne Restriktionen, dafür forsch und hyper-kreativ. Freunde stupiden Kategorisierens treten beim Hören dann auch wohl erste Tränen in die Augen, unterwirft sich Jamie T. (eigentlich Treays) doch keinerlei Einschränkungen und siedelt sein Album irgendwo zwischen Hip Hop, Indie, Pop-Punk, Reggae… an. Was bei anderen Künstlern als bitterböses Erwachen enden würde stellt sich bei Jamie als gekonnten Balance-Akt heraus. Bravo dafür! So hat man also mit Jamie T. mit dem Gegenteil eines Wimbledoner Einfaltspinsels zu tun.
Jamie, eigentlich ein britischer Rotzlöffel par Excellenze, überrascht auf „Kings and Queens“ mit ruhigen, melodischen Songs wie „Emily’s Heart“ und „Jilly Armeen“, beides an den Folk angelehnte Stücke. Sanft und rau zugleich gesungen. Die Stärke findet sich in den Refrains beziehungsweise insgesamt in seiner Textstärke wieder. Man munkelt, dass sich Treays von Großmeister Rob Zimmermann aka Bob Dylan in musikalischer Hinsicht hat inspirieren lassen.
Wunderschön kommt so also „Emily’s Heart“ daher das, vor allem durch die Akustik-Gitarren-Riffs unterstützt, die Flimmerhärchen streichelt. Das Piano das zum Einsatz kommt fördert eine ambivalente Stimmung. Denn die latente Ahnung, dass das Lied weitaus melancholischer daherkommt als es den Anschein macht, findet nur allzu schnell Bestätigung. Diese Emily hat ihm nämlich sehr deutlich vor Augen geführt was passiert wenn man sie in ihrer Herzensangelegenheit- der Liebe- verletzt. („This is what happens if you fuck around“) Kurzerhand greift sie zu Opas oller Büchse, erschießt den Verflossenen und lässt ihn zurück, „bruised and bloody“. Die Welt sei gewarnt, mit einer Stimme die für Jamie schon fast gehaucht klingt.
Von Jamie T. gewohnte Töne sind auf dem Eingangslied „368“ zu vernehmen und geben dann auch sogleich einen Vorgeschmack auf Jamies Repertoire: vom Schnippsen, über Helium-artig verzerrte Chipmunks-Stimmen im Hintergrund, dem vermeintlichen Einsatz eines Kochtopfs, bis zu Violine und Piano darf alles einen Akzent setzen. Eine wilde Mischung die dabei doch niemals unüberlegt wirkt und gute Laune macht. Und natürlich darf auch Jamies Markenzeichen nicht fehlen: sein derber Akzent und die frech dahingerotzten Sätze. Mit „368“ ist die magische Zahl an alkoholischen Millilitern genannt, der es Bedarf um der urbanen Großstadtgosse für den Augenblick zu entfliehen. Wie um auch den letzten auch noch sicher verstehen zu lassen singt er wiederholend erklärend: „It’s the only way that you’re getting out“.
Aus dem Malkasten außerdem gezaubert: Stillvoller Rap der überzeugt auf „Spider’s Web“. Lädt zum Kopfnicken ein. Sachte Lo-Fi geht es am Anfang von „Castro Dies“ und „Man’s Machine“ zu. Durchgängiger auf „Direction Home“. Klingt dann auch wirklich nach Tonband älteren Semesters. „Jilly Armeen“ ist einfach außergewöhnlich und strahlt passageweise gepfiffen eine vermeintliche Leichtigkeit aus. Reggae Einflüsse werden auf „Chaka Demus“ geliefert (da freuen sich dann auch die Eltern, dass man den noch kennt…) und beim schnellen „Hocus Pocus“ möchte man irgendwann nur noch tanzend den Rocksaum schwingen.
Wer sich bis dahin noch nicht von Jamie T’s Gesamtkunstwerk überzeugen konnte sollte unbedingt das gute Laune schaffende „Sticks’n’Stones“ aufdrehen und sich wortwitzig und mit immer feucht klingenden Lippen erklären lassen warum um Himmelswillen britische Vorstadt-Jungs sich nur ach zu gerne mal prügeln: “When there’s no one left to fight boys like us don’t shine so bright…”
Auch kritischer macht der Junge von sich reden, am offensichtlichsten wohl an die „British Intelligence“ gerichtet. Bis man das raus hat muss man das Lied allerdings dann doch mehrmals hören. Denn bei diesem schnellen Song ist die Wort-Frequenz entsprechend hoch und Treays nuschelnde Aussprache erschwert es dem not-nativen Hörer zuweilen den Text gleich zu erschließen… Na ja, mitklatschen macht fürs Erste ja auch Spaß.
Wer bereit sich von dem Diktat bestehender Genre-Trennung zu lösen wird mit eine sehr vielfältigem Album belohnt. Malen nach Zahlen war gestern, wer es bunter mag und den roten Faden zugunsten musikalischer Bereicherung gerne mal aus den Augen verliert wird an „Kings and Queens“ nicht vorbei kommen und sich damit für die nächsten Wochen eingängigen Stoff zum Nachsingen (nicht nur unter der Dusche) sichern.
So you ask for my opinion well what is there to say
to be honest and just foolish won’t make you want to stay
(First Aid Kit – Hard Believer)
Hört man den ersten Track des Albums “The Big Black And The Blue” erinnert das stark an Country Musik und man bzw. ich weiß nicht so recht was einen da nun erwartet. Auch beim ersten Durchhören können die Geschwister von First Aid Kit mein Herz noch nicht erwärmen. Nur das Lied “Winter Is All Over You” beeindruckt auf Anhieb und macht die triste Erscheinung der Welt aus dem Fenster betrachtet noch ein Stück trister. Ist das ein Album was man sich unbedingt anhören möchte oder sollte? JA. Denn erst beim zweiten-drittenmal Hören wird man zum Mitschunkeln und Melodien Mitsummen eingeladen.
Klara und Johanna Söderberg machen keine Country Musik; nein, sie bereichern den Folk-Akustischen Musikbereich mit ihren verträumten und zugleich so romantisch klingenden Liedern, sodass man das Gefühl bekommt sich in einem Märchen zu befinden. Ja fast hat man den Eindruck, dass die erdigen Songs die Naturlandschaft von Stockholm, woher die beiden Schwestern kommen, im seinem Schlafzimmer entstehen lassen.
Magische Momente, die mit der Basis Instrumentierung von Akustikgitarre und Klavier hervorgezaubert werden und welche mit den hinzukommenden wundervoll harmonierenden Stimmen eine gute Balance bilden. Dieser Vorteil wird auch gnadenlos ausgenutzt, sodass jedes Stück mit Doppelstimmigkeit aufwartet.
Natürlich könnte das alles jetzt nach dem perfekten Frühlingserwachen-Album klingen, aber es gibt noch ein paar Sachen, die nicht unerwähnt bleiben sollen:
Zum einen sind die Harmonien, und seien sie auch noch so schön, auf der kompletten CD enthalten, das heißt, First Aid Kit bewegen sich in sicheren Akkordfolgen, die sie zwar perfekt beherrschen, aber die Abwechslung leidet leider darunter. Zum anderen hat das Album, was seine Hörbarkeit angeht, seine Grenzen, denn tagelang kann man der Kombination der Stimmen nicht unbedingt zuhören. Es wird auf Dauer etwas träge und ja man muss es sagen: nervt an einigen Stellen dann auch mal.
Trotzdem ist das Album für bestimmte Momente DAS Album: wenn man aus seinem Alltag für einige Stunden fliehen möchte, wenn die Sehnsucht nach Frühling so stark ist, dass man morden könnte, für nur wenige Sonnenstrahlen.
Klara und Johanna Söderberg sind talentierte junge Schwedinnen, denen man zutraut, dass das nächste Album etwas gewagter ist und auf diesem Weg kann man sie einfach nur begleiten.
Wer mehr über First Aid Kit wissen möchte, kann bei uns in den Bandinterviews, die ihr hierfindet einiges nachlesen, während das Album “The Big Black And The Blue” die Hintergrundmusik bildet und märchenhafte Landschaften im Schlafzimmer entstehen lässt.
Save your breath
I don’t need an answer
you don’t know what you’ve done
when I asked you I hold my breath
(Broadcast 2000 – I Hold My Breath)
Glockenspiele, Ukulele, Akustikgitarre das sind nur einige Elemente, die Multiinstrumentalist Joe Steer in seine Musik miteinfließen lässt. Ein schönes Album, genau richtig für die Momente, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Schnee zum Schmelzen bringen.
Klassische Musikausbildung und Singer-Songwriter Qualitäten machen sich hier auf der Platte breit und bilden die Fortsetzung zu seiner 2008 erschienenen EP “Building Blocks“. Nun ist sein selbstbetiteltes Album “Broadcast 2000” draußen und begeistert auf seine entspannte und liebevoll gestaltete Art.
Falls einem aber Joe Steer nicht wirklich was sagt, helfen einem vielleicht so Namen wie Tom Hobden von Noah and the Whale, der die Violinparts auf dem Broadcast 2000 Album spielt oder Eliot James, der schon Bands wie Kaiser Chiefs und Bloc Party produziert hat und auch hier ein bisschen am Endwerk als Produzent gebastelt hat. Wenn das mal nicht Starpotenzial hat.
Wahre Perlen in Sachen Songs findet man auch: “Get Up And Go” ist da zum Beispiel so ein Kandidat, oder auch “The Outsider Steps Inside” oder “I Hold My Breath“. Mit viel Gefühl und einer Menge Detailverliebtheit wurden die Songs zusammengestellt.
Fast wichtigstes Merkmal an der Platte: Joe Steer singt sowohl Haupt- als auch Begleitstimme. Wenn man bedenkt, dass ursprünglich gedacht war, dass Joe Steer für das Album jemand anderen als Vocalist einbauen wollte, ist die Entscheidung, selbst sein Stimmchen zu bemühen wohl eindeutig mit “Thumbs up” zu bewerten.
Wer die Gelegenheit hat eine Live Show von dem talentierten Engländer zu besuchen, kann zudem feststellen wo die Wurzeln des Glockenspielfanatikers liegen: nämlich in der Klassik. Ein Mini-Orchester begleitet Broadcast 2000 und liefert vermutlich ein ebenso entspanntes musikalisches Erlebnis, wie die CD zu Hause oder in der Bibliothek zu hören!
Broadcast 2000 – Broadcast 2000
VÖ: 12. Februar 2010, Grönland Records
Wie stellt man eine Band mit passenden Musikempfehlungen vor, die zu den absoluten Lieblingsbands gehört und noch dazu bereits sechs Alben (!) herausgebracht hat, von denen selbst versierte Indie-Anhänger noch nichts gehört haben?
DesRätsels Lösung: man überstürze nichts und stelle jede Woche ein Album vor.
Los geht’s!
Die Muddi immer schön grüßen!
Einer der sich das auf die Fahne geschrieben hat und in die ach so dekadente Welt loszog, um sie an dieses Höchstmaß an Höflichkeit zu erinnern, ist Eric Elbogen .
Gründer und einziges ständiges Bandmitglied von „Say hi to your mom“. Fünf Alben hat er unter seinem eigens gegründeten Label Euphobia Records veröffentlicht, das aktuelle unter Barsuk Records.
2002 startet Eric Elbogen mit „Say hi to your mom“ und dem Album „Discosadness“ seine eigentümliche Karriere.
Was ist von einem Debut-Song zu erwarten den er „Kill the cat“ nennt? –Ein gewitzter und pfiffiger Song, lyrisch eher banal und simpel,aber trotzdem oder gerade deswegen sehr sympathisch. Einnehmend ist vor allem der schnellere Refrain, obwohl dieser mit der dem lakonischen “Kill the cat” in der Dauerschleife Elbogens Textstärke noch nicht erahnen lässt. Das persönliche Erfolgserlebnis sei aber garantiert, denn bereits nach dem ersten Hören sitzt der Text auswendig. “What do you think about that?”
Wenige Drums, schöne Gitarren-Riffs und dazu diese immerzu gehauchte, fast flüsternde Stimme ziehen sich durch fast alle Lieder. Des Weiteren kommt nach Elbogens Willen hier und da ein Keyboard zum Einsatz und setzt tolle Akzente.
So auch bei „Laundry“. Das Lied kommt verhältnismäßig ziemlich rockig daher, der schnellere Rhythmus steht jedoch keinesfalls im Kontrast zu seiner dahin gehauchten Stimme.
Thematisiert wird ein flüchtiger, unbeholfener Flirt in einem Waschsalon und der entsprechende Small-Talk über belangloses Zeug wie die Auswahl des richtigen Waschmittels. „Laundry“ gibt einen Vorgeschmack auf die wundervollen Refrains von Erics Liedern, die gerade auch durch seine Intonation ihren direkten Weg ins Gedächtnis finden.
In den Songs werden vor allem Nerds, Vampire und subtil zwischenmenschliche Verflechtungen angesprochen.
In „They write books about this sort of thing“ geht es eben schlicht und ergreifendum jene Dinge über die seit jeher Bücher geschrieben werden: die Liebe, Verflossene und Kummer. Die Küchenweisheit zum Leid: geteilt fühlt man sich schon viel weniger erdrückt von diesen alltäglichen Bösewichten. Und mit Textzeilen wie „…closed captioned heartbeats…“ und anderen treffend schönen Zeilen sieht die Welt dann auch für den Augenblick wieder schwer in Ordnung aus.
Auch bei diesem langsameren, fast verträumt klingenden Lied fällt sofort auf, mit welch einfachen Mitteln man es schaffen kann ein schönes Gefühl zu generieren. Stilistisch zum Einsatz kommt hierbei die gekonnte Aneinanderreihung von Worten und deren Betonung, man lausche nur dem Refrain.
Pures Wintergefühl erfasst einen beim Hören von „Blizzard“, ebenfalls auf seinem Erstlingswerk erschienen. Wieder diese geflüsterte Tonlage. Erhebt sich einmal die Stimme, verebbt sie auch gleich wieder, auslaufend wie eine Welle am Strand. Fast meint man, das Lied würde vorzeitig enden und gibt dem Hörer so die Möglichkeit noch ein bischen den letzten Zeilen nachdenklich hinterher zu hängen.
Allesamt Bedroomsongs par excellence.
Say hi (to your mom) – Discosadness
Vö: 06.08.2002, Euphobia Records
As you think,
The bad feeling so bad makes the good so good
(Local Natives – World News)
Ich behaupte, die Band, um die es jetzt geht, hat wohl eins der coolsten Cover seit langem. Ich behaupte außerdem, das Album könnte bei vielen Leuten für Begeisterungsstürme sorgen. Und zu guter Letzt behaupte ich, das Lied “Airplaines” ist nicht nur eins meiner Lieblingslieder zur Zeit.
Die Band, um die es geht: Local Natives. Das Album: Gorilla Manor. Und “Airplanes” ist nicht das einzige schöne Lied auf dem Album, aber es gehört zu eins der wenigen “Balladen”, wenn man das so ausdrücken möchte. Ansonsten gehts auf der Platte aber trotzdem nicht so richtig los in Sachen übelstes abgetanze und Indie-Rock und so. Das Prägnanteste ist die Stimme des Sängers, dessen besonderes Talent ist, das letzte Wort der Zeile so entzückend in die Länge zu ziehen, wie es kaum ein anderer kann.
Das Ausgebuhe, wie bei dem Lied “Airplanes” am Anfang kann man sich bei der Platte ersparen. Da wird sich aber irgendwie trotzdem ganz schön zurückgehalten. Überaus neu ist das Ganze auch nicht, sowohl Stimme als auch Instrumentalteil erinnern stark an The Temper Trap. Trotzdem kann die CD auf jeden Fall als Autofahrplatte mit längerem Aufenthalt in diesem angesehen werden.
Man kann hoffen, dass durch dieses solide Album eine große Fangemeinde entsteht, die diese Band zu ihrem nächsten Album trägt. Denn gute Chancen haben sie und die Möglichkeit eines zweiten Albums, mit ein bisschen mehr Druck, will sich doch niemand entgehen lassen. Doch lassen wir einfach Gorilla Manor auf uns wirken und genießen “Airplanes” und “World News” und die anderen 10 Titel, während wir im Idealfall zu guten Freunden auf ein Bier fahren, oder im schlechtesten Fall zu einem Discounter, um eben solches zu kaufen.
Was ihr nicht kaufen müsst, ist der Download des Tracks “Sun Hands“, den die Band gegen euren Eintrag in den Newsletter Verteiler auf myspace an euch weitergibt!
You gotta know in heart what you wanna be
You gotta trust that you gonna find someone who’s sweet
(Lars and the hands of light – )
Da exportiert Dänemark eine Band…ja…was ist es denn genau? Also ihr Name ist Lars and the hands of light. Der Albumtitel ist auch noch leicht: The Looking Glass. Und ab jetzt wird’s schwierig. Das Album kommt erst am 27.01.10 heraus und jetzt gilt es mal den Sound zu deklarieren.
Man könnte den Sound der 4 Bandmitglieder als Mischung aus Pop, Rock, Soul, 70er Jahre Serienmusik beschreiben. Irgendwie alles nur nichts Richtiges. Da wird die Musik ausgeschmückt mit vielen Instrumenten wie Glockenspiel, Flötensounds und vielen Zusatzelementen, was eher beladen klingt als Vielfältigkeit darstellt.
Wir haben hier zwar den von uns so geliebten Frau-Mann-Gesang, allerdings sind die Stimmen so besonders, wie die Zubereitung eines Butterbrots. Die fast schon gelangweilt-klingenden Stimmen bieten keine Grundlage Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Das einzige Lied, dass ein wenig die Möglichkeit bietet sich diese Band genauer anzuhören, wäre wohl “Face Your Lover“. Das wars aber schon mit der Beschäftigung mit dem Album und leider auch mit der Band.
“We know a place where no planes go
We know a place where no ships go”
(Arcade Fire- No Cars Go)
Die kanadische Band Arcade Fire, ist die musikalische Formation um das Paar Win Butler und Régine Chassagne, sowie weiteren Bandmitgliedern Will Butler, Richard Parry, Tim Kingsbury, Sarah Neufeld und Jeremy Gara.
Allesamt multi-instrumentale Musiker, die neben den Basics Bass, Schlagzeug und Gitarre diversen anderen Instrumenten alles abverlangen: von der Handorgel über den imposanten Klang einer Kirchenorgel bis zum Xylophon ist das Spektrum weit gestreut.
„Funeral“ , so der Name des ersten Albums (2004), ruft zunächst einmal düster-traurige Assoziationen hervor. Der Name ist allerdings nicht Programm, wurde wohl auch erst nach Abschluss der Aufnahmenbeschlossen, mit dem Hintergrund eine Reihe kürzlich verstorbener Nahestehender zu würdigen. „Uné Année sans Lumiere“ ist dann aber auch eines der wenigen Lieder das eine Ahnung von dieser Episode ihres Lebens vermittelt. Gesungen wird sowohl in Englisch als auch in Französisch, letzteres vorwiegend von Régine Chassagne.
Die Themen muten mit den Titel„Neighboorhood“ #1-#4 eher alltäglich an. Bei genauerem Hinhören erschliesst sich aber dann das Besondere, die kleinen persönlichen Fluchten. Gerade „Neighboorhood #1 (Tunnels)“ gibt einen Vorgeschmack auf das künstlerische Repertoire, das sich durch die komplette Platte zieht. Der Kontrast geht von einem am Anfang harmonisch anklingendem Piano bis über einen gegen Ende des Liedes fast manisch schreienden Win Butler.
Mit „Rebellion (Lies)“ ist ein weiterer wundervoller Song geschaffen, bei dem vor allem die Violine und der fast schon chorale Hintergrundgesang im Gehör bleiben. Dazu Textzeilen wie “…people say that your dreams are the only things that save you.
Come on baby in our dreams, we can live our misbehaviour…”.
Welche Assoziationen die Namensgebung des zweiten Albums „Neon Bible“ (2007) hervorrufen kann, deutet das Cover an: ein aufgeschlagenes Buch, neonfarben, auf einem kalten schwarzem Hintergrund. Das Interpretationsspektrum ist weit gestreut.Aufgefallen ist jedoch das auf der CD tatsächlich biblische Aspekte angesprochen werden. Mit „Antichrist Television Blues“, „Neon Bible“ und „Intervention“ werden diese und andere Aspekte kritisch angesprochen.
Gerade bei „Intervention“ wird aufdiese Weise die oftexistente Bigotterie angesprochen: „Working for the church While your family dies.“
Nebenwunderschönen ruhigeren Stücken wie „Ocean of noise“ trifft vor allem ein Begriff auf die Beschreibung fast aller Lieder zu: voller Verve. Beim Hören von„Keep the car running“ und „No cars go“ stellt sich dieses beschwingte Lebensgefühl, die Leichtigkeit zuweilen ein. Hier darf noch geträumt werden. “No cars go. Where we know… Between the click of the light and the start of the dream (…) let’s go!” Eingeladen sind alle. Und so versucht auch der resistenteste Fuß spätestens hierbei dem rasanten Takt wippend zu folgen.
Zwei Alben die vielfältiger nicht sein könnten. Nachdenklich-melancholisch, voller Leichtigkeit, verträumt und trotz unterschwelliger Kritik Hoffnung und gute Laune schaffend. Wer sich selbst überzeugen möchte mit welcher außergewöhnlichen Band man es zu tun hat sollte sich auch unbedingt den Auftritt in einem Pariser Aufzug anschauen.
Ebenso gelungen und unbedingt hörenswert ist die Wahl zum „Wo die wilden Kerle wohnen“ -Trailer mit „Wake up“ wünscht man sich direkt wieder Kind zu sein und nicht ganz so schnell ganz so erwachsen zu werden. Irgendwie.
Erste Vögel zwitschern übrigens, dass es 2010 neues von dem grandiosen Ensemble auf die Ohren gibt.
Arcade Fire- Funeral, VÖ: 14.März 2005, Rough Trade Records
So how much did you lose
To live the life of the dreams
And how does it feel
To absolutely be so complete
(Fischerspooner – The Best Revenge (Alex Gopher Retaliation Remix))
Es kann einfach nicht sein, dass man den Namen Alex Gopher noch nie gehört hat. Der französische DJ und Produzent ist bekannt durch zahlreiche Remixe, unteranderem für Shinichi Osawa, Ladyhawke und Fischerspooner um nur einige wenige zu nennen. Wem die ganzen Namen nichts sagen, der kennt vielleicht den Track “Aurora“, den man auf vielen Compilations findet.
1998 kam Gophers Debüt “You, My Baby & I“, auf dem seine Vielseitigkeit und genreübergreifende Tendenz spürbar wird. Funk, House, Electronica: die Auswahl machts. Davor arbeitete er schon mit den jetzigen Air Mitgliedern zusammen und Etienne de Crecy, mit dem er auch das Label “Solid” gründete.
Nun ist seine neue CD erschienen: My New Remixes. Eine Doppel-CD vollgepackt mit Remixen unterschiedlicher Künstler. Auch hier werden die Grenzen von Musikstilen nicht geachtet und sich wild an der Auswahl der zur Verfügung stehenden Tracks bedient. Warum sollte man da auch nur auf Sparflamme produzieren? Genau das macht Alex Gopher nicht und bombardiert die Ohren mit Trommelfell-zerreissenden Beats, wenn mans nur laut genug hört.
Das Album ist absolut für den Club gefertigt und lässt den Hörern so gut wie keine Pause. Nur im Stück “Ash Sync” zusammen mit Air und Etienne De Crecy finden wir 5 Minuten Lounge Feeling, welches in einer zu gutem Musikgeschmack tendierenden Bar auch locker im Hintergrund laufen könnte. Insgesamt ein tanzbares Album, das mit 2 Bonus Tracks aufwartet und somit für CD-Kauf-Fanatiker eine Bestätigung in der Frage, warum man heute überhaupt noch CDs kauft, liefert.
Speak the truth
I can not rescue you
A land far away
Where I can not be
(Lowood – It’s A Mess)
Wie schwer kann es sein Etwas über eine CD zu schreiben, die man mag – die einem gerade zu ans Herz gewachsen ist? Manchmal sehr schwer – so geschehen im Fall von Lowoods Debütalbum „Close To Violence“.
Vom ersten Song an zieht die Stimme von Sängerin Therese Johansson den Hörer in seinen Bann. Zusammen mit einer Mischung aus Gitarre, Keyboard und den spärlich eingesetzten Drums wirkt sie verletzlich, schüchtern und sanft. Passend zu den kühlen Temperaturen der schwedischen Heimat und den inhaltlich eher düsteren Texten, passt sich die Atmosphäre der Songs an – so schweben zum Beispiel die im Refrain gedoppelten Stimmen in „Parts of Red“ verhallt durch den sphärischen Raum, der durch die Keyboardsamples als wabernden Teppich eine Klangumgebung bekommt.
Wenn man an dem Album etwas Schlechtes finden will, kann man ihm vielleicht vorwerfen, dass es sich hier um nichts Neues handelt – über eine unglückliche Liebe wurde schon ähnlich gesungen. Hinzukommt, dass sich auf der CD die radiokompatiblen Hits nur so aneinander reihen – „Crash“ und „In the End“ seien hier einmal exemplarisch genannt. Die Mainstream-Alarmglocke verstummt aber, unter anderem dank dem wundervollen Duett „It’s a Mess“, das Therese zusammen mit Kristofer Åström aufnahm. Am Ende bleibt so oder so eines der schönsten Alben des Winters!