RUE ROYALE – Guide to an Escape


— Veröffentlich am 18. Januar 2012 von Dominik


Grew up in a maze where I was afraid of the moon,
and in the haze of youth I went along to look for you.

And it was miles and miles,
miles and miles of twist and curve.
And it was days and days,
days and days with no stone left unturned.

And in my younger years I thought I had for myself,
an answer for everything at ready given me to help.
And in the wilderness I often ran like hell,
never to let give in I’m for the search and little else.

(Rue Royale – The Search and Little Else)

Wie kann man eine Band nicht mögen, die aus einem Ehepaar besteht, in Eigenregie ihre Alben zuhause aufnimmt, die Verpackung in Handarbeit anfertigt und das Endprodukt letztlich auch noch selbst vertreibt, um dann auf Tour zu gehen – natürlich auch alles wieder ganz ohne Manager und selbst organisiert. Richtig, man muss Rue Royale und ihre Musik einfach mögen, eigentlich lieben, ist das britisch-amerikanische Duo doch so etwas wie der Inbegriff von ehrlicher Musik und DIY. Doch es kommt noch besser: Ihr aktuelles Album ‘Guide to an Escape‘ ist auch noch ein Album von unbeschreiblicher Schönheit!

Flirrende Samples eröffnen ‘Guide to an Escape‘, Titelsong und Opener des zweiten Rue Royale-Albums. Es folgen einige Akkorde auf der Akustik-Gitarre und ein Klavier setzt ein – doch erst der Gesang von Ruth und Brookln Dekker, die gemeinsam die Strophen singen, schafft eine beruhigende Wirkung und zieht den Hörer direkt in ihren Bann, fühlt man sich doch auf ihre Reise, auf ihre Flucht mitgenommen. Zum Ende des Songs hin gar mitgerissen gen Hoffnung, gen Ferne.

Halfway Blind‘ gestaltet sich dagegen dichter. Brookln übernimmt die Führung und singt von seinem Schicksal, ist die männliche Rue Royale-Hälfte doch auf einem Auge so gut wie blind, was es ihm erschwert klar zu sehen – was hier im Bezug auf den Text wortwörtlich und übertragen verstanden werden kann: “If it be when it comes to me, I was wrong when I could not see, if in time that my eye survivies, let me see where I was so blind.

Überhaupt wechselt sich das Paar bezüglich des Gesangs kontinuierlich ab, so singt Ruth den nächsten Song und wirkt dabei schüchtern und verletzlich. Singen sie zusammen (‘Get Me Standing‘, ‘Blame‘, ‘Crater‘) wirken sie beruhigender, spenden Trost und stützen sich gegenseitig, stehen häufig mit ihrem Gesang über den Instrumenten, erschaffen eine Atmosphäre der Sicherheit und Intimität und so kann man sich dann auch voll und ganz fallen und von den Songs einnehmen und umgeben lassen. So ist es auch bei ‘We’ll Go On Alright‘, das fast schon hypnotische Wirkung entwickelt.

‘Guide to an Escape’ erfindet das Rad keineswegs neu oder wartet mit kreativen Ausbrüchen auf. Eher wirkt die Musik von Rue Royale wie die Besinnung auf die Schönheit der einfachen Mittel…und wirkt dabei ungemein ehrlich und intim.

Rue Royale – Guide to an Escape
VÖ: 03. März 2011
http://rueroyalemusic.com
http://rueroyale.bandcamp.com

Am 30. Januar spielen Rue Royale zusammen mit Odile & Odyssey via Bedroomdisco ein Wohnzimmerkonzert in Darmstadt. Wer kommen will sollte sich zeitig anmelden. Dafür einfach bis zum 28. Januar eine Mail an gewinnen@bedroomdisco.de mit dem Betreff ‘Rue Royale’, eurem Namen und gegebenenfalls dem eurer Begleitung schicken – bitte nur feste Zusagen! Die Gewinner bekommen dann einen Tag vor der Veranstaltung den Ort mitgeteilt.

Guide to an Escape by Rue Royale (2011) by Rue Royale



NADA SURF – The Stars Are Indifferent To Astronomy


— Veröffentlich am 17. Januar 2012 von Dominik


Every birthday candle that ever got blown out,
is one more year of someone trying to figure it all out.

(Nada Surf – Looking Through)

Im zwanzigsten Jahr der Bandgeschichte, veröffentlichen Nada Surf demnächst das mittlerweile siebte Studioalbum (wir zählen hier ‘If I Had A Hi-Fi‘ mit). Die berechtigte Frage, die sich hier stellt: Abnutzungserscheinungen? Doch wo sich die meisten Bands irgendwann im Laufe der Jahre ins Abseits spielen oder per ‘Best Of Up To Now’-Verramschung der eigenen Einfallslosigkeit ein Denkmal in Form eines Gehaltschecks setzen, veröffentlichte das New Yorker Trio 2010 ein Cover-Album, um sich teilweise auf der Spielwiese fremder Songs auszutoben und teilweise einfach die eigene Ehrerbietung gegenüber Songs, Bands und Künstler auszudrücken – eine gelungene Momentaufnahme im langjährigen Schaffen der Band. OK, sicher, als bekennender Fan schaut man sich auch ein schlechtes Spiel seiner Lieblingsmannschaft an und findet immer noch etwas Gutes daran, aber irgendwo zwischen ‘Let Go‘ (2002), dem Überalbum ‘The Weight is a Gift‘ (2005) und ‘Lucky‘ (2008) ist vielleicht etwas die Objektivität im Bezug auf Nada Surf verloren gegangen…wir zitieren hierzu unsere Kritik (hier komplett zu lesen) zu ‘If I Had A Hi-Fi’: “Letztlich reiht sich ‘If I Had A Hi-Fi’ gut in die Diskographie der Band ein, die noch kein schlechtes Album gemacht hat“. Doch wie steht es da um ‘The Stars Are Indifferent To Astronomy‘?

Clear Eye Clouded Mind‘ dient als Opener der Platte und könnte den ein oder anderen Hörer auf dem falschen Fuß erwischen, legt der Song doch los wie die Feuerwehr. Drummer Daniel Lorca schlägt auf sein Schlagzeug ein, treibt die Band voran, während Sänger und Gitarrist Matthew Caws sein Instrument bearbeitet, um im Refrain, für die Band typisch, die Strukturen aufzubrechen und für einen dieser einzigartigen Nada Surf-Momente zu sorgen: “The Stars Are Indifferent To Astronomy” – und alles ist jetzt schon gut, alle Bedenken weggewischt – das sind Nada Surf und sie stehen im Saft!

Überhaupt (apropos Saft) ist das Älterwerden das Thema der Platte und scheint immer wieder durch: mal reflektiert man sein eigenes Verhalten, mal schaut man zurück auf vergangene Träume (‘Teenage Dreams‘), vergleicht seine damaligen Vorstellungen mit der jetzigen Situation (‘When I Was Young‘) oder nähert sich unverhofft der bevorstehenden Zukunft: “…and I cannot believe the future’s happening to me.” Dabei zeigt man sich druckvoller denn je, offener bzw. besser im Einfangen der Live-Atmosphäre der Band, die, laut eigenen Aussagen, ihre Songs auf der Bühne immer etwas schneller und härter gespielt habe.

Nicht so auf ‘The Stars Are Indifferent To Astronomy’ – hier spielt die Band auf den Punkt, holte sich sogar mit Doug Gillard einen zweiten Gitarristen ins Studio bzw. schuf auch mal wieder ein Album mit Tempo, nachdem man sich auf ‘Lucky’ fröhlich-traurig in melancholischer Langsamkeit erging. Dafür holte man sich neben dem zweiten Gitarristen auch noch mit Chris Shaw den Produzenten des ‘The Weight Is A Gift’-Hits ‘Always Love‘ ins Studio. Und an diesen erinnert das Prunkstück des Albums, der Song ‘When I Was Young‘, dann auch: Ruhiger Beginn, Caws sehnsüchtige Lyrics über leise gespielter Akustik-Gitarre, um nach eineinhalb atmosphärischen Minuten sich zu einem mitreißenden Hit zusammen zu brauen und nach einem Break zur Mitsing-Hymne zu mutieren: “When I was young I didn’t know if I was better of at sleep or up, that I’ve grown up I wonder what was that world I was dreaming of…

Let The Fight Do The Fighting‘ funktioniert ähnlich, kann dabei jedoch sogar mit Bläser-Einsatz aufwarten. Mit ‘No Snow On The Mountain‘ zeigt das Trio, dass ihnen auch zum Ende der Platte nicht die Luft ausgeht, bevor einen ‘The Future‘ mit einem Lächeln und dem Wissen, dass diese Band gereift, aber immer noch gut für Hits ist, zurück. Und so ordnet sich ‘The Stars Are Different To Astronomy’ mit jedem Hören höher in der persönlichen Rangordnung der Discographie ein, wächst und findet halt eben doch den Weg ins Herz.

Nada Surf – The Stars Are Indifferent To Astronomy
VÖ: 27. Januar 2012, City Slang
www.nadasurf.com



GOTYE – Making Mirrors


— Veröffentlich am 15. Januar 2012 von Lisa


Nachdem sich Gotye mit seinem Herzschmerz-Hit ‘Somebody That I Used To Know‘ auch in Deutschland in die Herzen und auf Platz 1 der Singlecharts gesungen hat und den Song zum neuen Lieblingscoversong aller Amateur-Musiker gemacht hat, bleibt die Frage: Was ist dran am Hype um den in Belgien geborenen Australier, der mit dem aktuellen Album ‘Making Mirrors‘ bereits sein drittes Album veröffentlicht hat und in seiner Heimat einen Musikpreis nach dem anderen abräumt? Zeit also, das Album zum Überhit des neu begonnenen Jahres einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der erste Song des Albums, ‘Making Mirrors’, ist bereits das, was man nicht erwartet hat: ein einminütiger, sphärischer Introtrack, auf dem Gotye mit flüsternder Stimme einen auf Björk macht, nur um im folgenden Track ‘Easy Way Out‘ und dem 4. Track, ‘Eyes Wide Open‘ direkt die Richtung zu wechseln. Der Song klingt mit seinen Percussions und dem treibenden Beat, in Verbindung mit der heiseren Stimme des belgisch-stämmigen Australiers wie eine Hommage an Sting und verbreitet durch die Synthies und die Background-Chöre 80er Feeling.

Smoke and Mirrors‘ könnte auch aus einem Tarantino-Film stammen, mit einem sphärischen, langsam anrollenden Beat, der ganz subtil den Klangteppich ausbreitet, auf dem Gotyes Stimme seine Wirkung entfalten kann – um im Schluss dann mit Bläsern die volle Dramatik des Songs zu entfalten: „You’re a fraud and you know it / And every night and day you take the stage / And it always entertains / You’re giving pleasure / And that’s admirable you tell yourself / And so you’d gladly sell yourself to others“ heißt es da.

I Feel Better‘ hingegen ist eine swingende Motown-Hymne, ‘In Your Light‘ wiederum erinnert mit seinen verspielten Gitarrensounds erneut an den 80er-Jahre-Pop von Sting und Konsorten.

Giving Me A Chance‘ ist schließlich ein herzzerreißender Entschuldigungs-Song: „I know I let you down…won’t you give me another chance?“ singt er darin, und nach dem vorhergegangenen Sci-Fi-Popsong ‘State Of The Art‘, in dem er mit elektronisch verfremdeter Stimme Folk und Elektro mischt, als wäre es das Natürlichste der Welt, ist das wohl das letzte, was man erwartet. Aber das ist eben Gotyes Stärke – er macht musikalisch, was er will und das steht ihm auch in den meisten Fällen durchaus gut.

Gotye weiß auf jeden Fall, was er tut und probiert sich immerwährend an den unterschiedlichsten Musikstilen und Instrumenten aus. Langweilig wird es mit ‘Making Mirrors’ definitiv nicht, auch wenn man sich manchmal einen stärkeren roten Faden wünschen würde. Denjenigen, die sich nur in ‘Somebody That I Used To Know“ verknallt haben, könnte ‘Making Mirrors’ zunächst vielleicht schwer im Magen liegen – wer dem Album jedoch eine Chance gibt, wird auf jeden Fall positiv überrascht.

Anspieltipp: ‘Save Me

Gotye – Making Mirrors
VÖ: 16. Dezember 2011, Vertigo Berlin
http://gotye.com



CHRIS KLOPFER – THE MOON


— Veröffentlich am 13. Januar 2012 von Fred


Chris Klopfer - The Moon

I‘ve been sleeping with all the girls

Just to say that I‘m in love with you
I‘ve been drinking all this shit
Just to say that I‘m in love with you.

(Chris Klopfer – The Moon)

Es gibt einige wenige deutsche Künstler, bei denen man sich unweigerlich die Frage stellt, wieso man sie bisher nicht kannte. Zu eben dieser Gattung Musiker gehört auch Chris Klopfer, Sänger der Kölner Indie Band NIL. Mit ‘THE MOON’ veröffentlicht er sein erstes Soloalbum auf Popanz Produktions und beweist, dass er auch mitreißende englische Texte schreiben kann.

‘THE MOON’ erzählt eine auf wahren Begebenheiten basierende Nachkriegsgeschichte, die Chris Klopfer in bester Homerecording-Manier in seinem Schlafzimmer aufgenommen hat. Und genauso charmant und verträumt, wie man sich solch ein Singer/Songwriter Album vorstellt, klingt das auch. ‘THE MOON’ ist ein musikalischer Einstand, der majestätisch und strahlend wie der Mond selbst ist. Mit großen Worten und kleinen Gesten werden fragmenthaft Erinnerungen und Ausschnitte aus Liebe und Leben erzählt, immer mit dem großen Plan der konzeptionellen Handlung im Hintergrund. Thematisch regieren große und kleine Gefühle: Selbstzweifel, Zugehörigkeit und zerberstende Beziehungen werden mit ihrer eigentlichen Schwere beinahe leichtfüssig und manchmal fast euphemistisch vorgetragen. Jeder einzelne Song schafft es zu berühren und trotz der emotionalen Tiefe bleibt das Album souverän jeglichem Kitsch fern.

Über einzelne Songs zu schreiben, fällt schwer, da ‘THE MOON’ als Gesamtwerk begeistert. Die Lieder auf der LP greifen manchmal offensichtlich, manchmal subtil ineinander und musikalisch bleibt als roter Faden ganz klassisch die Gitarre und Chris Klopfers herrlich gefühlvolle Stimme. ‘Siren Call‘ erinnert zum Beispiel an Altmeister Neil Young und begeistert durch seine herrlich klassische Songstruktur. Besonders das letzte Drittel des Songs weiß mit Banjo und emotionaler Euphorie zu überzeugen. Die erste Single ‘For A Long Time‘ hingegen gefällt durch ihre gebrochene Langsamkeit und eine tragisch-ruhige Melancholie. Der letzte Track, das an Devendra Banhart erinnernde ‘The Boy Without A Sound‘, beschliesst die LP mit seinen unwirklich stotternden Klängen und einem Hauch Freak Folk. Sprachlos wird man zurückgelassen und reibt sich verwundert die Ohren: Was für eine wundervolle Platte.

Und da solch ein gelungenes Werk auch in die Welt heraus getragen werden muss, begibt sich Chris Klopfer im Januar auf Album-Release-Tour. Wer die Chance hat einen unserer aktuellen Lieblingskünstler live zu erleben, sollte sich diese nicht entgehen lassen. Vom Konzert sollte man, ausser der Erinnerung an einen fantastischen Abend, auch die streng limitierte CD mitnehmen, von ‘THE MOON’ existieren nämlich nur genau 100 Exemplare.

13.01. Fotoraum, Köln
14.01. Secret Show (tba), Amsterdam
15.01. Be Le Coq, Brüssel
16.01. Music Week (rvsp), Köln
19.01. Haifischbecken, Bremen
20.01. Gelegenheiten, Berlin
21.01. Hasenschaukel, Hamburg
22.01. Analog Soul, Leipzig
28.01. Schlaraffentag, Köln


Chris Klopfer – THE MOON
VÖ: 13. Januar 2012, Popanz Productions
www.chrisklopfer.com
http://chrisklopfer.bandcamp.com



LUIK – Owls


— Veröffentlich am 11. Januar 2012 von Dominik


Wherever is sorrow, is relief
If you do sorrow at my grief,
By giving love your sorrow is my grief.

(Luik – ‪We’re Both Extermined‬)

Aus dem Umfeld, genauer gesagt vom selben Label, von I Am Oak, kommt jetzt die nächste Band, die sich mit ruhigeren Tönen tranceartig in die Wahrnehmung des geneigten Hörers spielt. Die Rede ist hier von Luik, der Band um Sänger Lukas Dikker, die diese Woche via Snowstar Records in ihrer holländischen Heimat ihr Debütalbum ‘Owls‘ veröffentlicht.

‘Owls’ besticht dabei mit einer schwerfälligen und trägen Melancholie, die sich auf die Stimmung des Hörers auswirkt. So heißt es im Pressetext schon, dass das Album voll von Slowcore-Stücken sei, bei denen die Blätter permanent von den Bäumen zu fallen und Autos immer einen Platten zu haben scheinen. Darüber hinaus werden Parallelen zu Beach House, Julian Lynch, Low oder Sparklehorse gezogen. Zumindest zu dem Beach House-Vergleich kann man einwenden, dass sich Luik zwar ähnlich ausartend an Orgel-Einsätzen bedienen, jedoch kommt man mit weitaus weniger Dynamik zurecht als das US-amerikanisch-französisches Dream Pop-Duo aus Baltimore. Vielmehr spielt man sich während den Songs in Trance, schwebt einer entspannten Melancholie entgegen, die zwar traurig, aber nicht bedrohlich wirkt.

Wenn wir schon bei Vergleichen sind – ‘These Man May Grow‘ erinnert fast an einen Song der großartigen Band The National, nur eben minus der Klimax bzw. der ausladenden Instrumentierung. Eher rückt Lukas Dikker nah an den Hörer, souffliert ihm seine Texte direkt ins Ohr, wirkt dabei schwerelos, erschafft einen Raum, indem nur er und die musikalische Untermalung Bedeutung zu haben scheint. So leben die zumeist an sich einfachen Songs und Melodien von seinem eindringlichen, aber dabei nicht aufdringlichen Gesang – siehe auch ‘A Fool‘, dem vielleicht hypnotischsten Song der Platte, indem er gegen Ende jedoch durch die Gitarre ersetzt wird, die einen zumindest hier nicht minder in den Bann zieht.

‘Owls’ ist eine Platte von trauriger Schönheit geworden, in der sich Einfachheit und Eindringlichkeit verbinden, zu einer der bestechendsten Slowcore-Platten der letzten Zeit.

Luik – Owls
VÖ: 13. Januar 2012, Snowstar Records
www.luikmusic.com
http://snowstar.bandcamp.com/album/luik-owls



Bedroomdisco Alben Top 30 – 2011!


— Veröffentlich am 9. Januar 2012 von Dominik


Es hat schon 2012 geläutet, der 2011-Vorhang ist schon lange gefallen und trotzdem ist das letzte Jahr noch in unseren Köpfen. Diese haben wir nämlich in der Redaktion zusammen gesteckt, um unsere Lieblingsalben aus 2011 zu sammeln, schematisch anzuordnen und letztlich zu einer Liste zu verbinden. Hier sind sie, unsere 30 Lieblings-Alben, die Bedroomdisco-Alben-Top 30 für 2011. Hier kann man übrigens unsere Top 30 aus 2010 finden.

1. Bon Iver – Bon Iver
2. Washed Out – Within And Without
3. Yuck – Yuck
4. The Dø – Both Ways Open Jaws
5. Cold War Kids – Mine Is Yours
6. Modeselektor – Monkeytown
7. Kurt Vile – Smoke Ring for My Halo
8. Austra – Feel It Break
9. WU LYF – Go Tell Fire to the Mountain
10. Metronomy – The English Riviera
11. Dillon – This Silence Kills
12. Apparat – The Devil’s Walk
13. Wild Beast – Smother
14. M83 – Hurry Up, We’re Dreaming
15. Digitalism – I Love You, Dude
16. Adele – 21
17. Casper – XOXO
18. Radiohead – The King of Limbs
19. Bag Raiders – Bag Raiders
20. Smith Westerns – Dye It Blonde
21. Thelma & Clyde – White Line
22. Other Lives – Tamer Animals
23. The Rapture – In The Grace of Your Love
24. Beirut – The Rip Tide
25. Marian – Only Our Hearts to Lose
26. Jamie Woon – Mirrorwriting
27. The War On Drugs – Slave Ambient
28. Boys Noize Presents Super Acid
29. PJ Harvey – Let England Shake
30. John Maus – We Must Become the Pitiless Censors

Aus unserem Album des Jahres 2011 ‘Bon Iver‘ von Bon Iver – ‘Perth‘!



BERNDSEN – Lover In The Dark


— Veröffentlich am 3. Januar 2012 von Dominik


I don’t know what love is about
I don’t know why I feel so sad
Chasing that clouds around
I thought I loved you

(Berndsen – Supertime)

Die isländische Musikszene ist alles, nur nicht langweilig und so befinden sich einige Perlen und interessante Projekte auf den drei Redefine Magazine Iceland Mixtapes (hier kann man sich diese kostenlos runterladen), die sich komplett mit isländischer Musik beschäftigt. Einen Song haben auch Berndsen, bestehend aus dem Duo David Berndsen und Sveinbjörn Thorarensen, auch bekannt als Hermigervill, dazu gesteuert. Mittlerweile kann man auch mehr Songs der beiden hören, bzw. ihr Debütalbum ‘Lover In The Dark‘ kaufen – aber Achtung – das Hören der CD ist wie eine Zeitreise!

Für aktuelle Mittzwanziger waren die 80er vor allem eins: Peinlich! Egal ob Frisuren, Outfits oder Musik – man konnte einfach nicht dick genug auftragen und so beschleicht einen schon ein mulmiges Gefühl bei der Betrachtung des Layouts von ‘Lover In The Dark’. Von “Dark” kann da nicht gerade die Rede sein, eher schaut einen auf dem Cover ein seltsam gekleidetes bärtiges Männchen unter geschwungener gelber Schrift, vor einem knalligen rosa-pinken Hintergrund an. Aber gut, man sollte ja nicht zu viele Vorurteile haben, also ab dafür.

Intro‘ holt den geneigten Hörer dann auch direkt ab, zieht einen zurück in die Zeit, in der man mit Synthies, Drum-Computern, verhallter Stimme und einer Portion Kitsch immer ins Schwarze traf und wirkt dabei ein bisschen wie der Soundtrack einer Trash Sci-Fi-Serie. ‘Lover In The Dark‘ nimmt diesen erste Eintruck auf, spielt mit einigen netten gameboyhaften Melodien und zeigt gleichzeitig Charme und ein gutes Gespür für Pop-Songs. ‘Supertime‘ schraubt die Synthie-Einflüsse etwas zurück und spielt mit einigen netten Klavier-Geklimper-Parts, bei denen es schwer fällt nicht mit zu nicken oder zumindest den Takt mir den Füßen mit zu tapsen. Überhaupt hat die Platte eine unfassbar mitreißende Wirkung, auch wenn sie an manchen Stellen sehr, sehr knapp an der Grenze des unerträglichen Kitschs vorbei schrammt – hier sei beispielhaft das Porno-Saxophon-Solo in ‘Young Boy‘ erwähnt oder die “The Perfect Human“-Roboterstimme in ‘The Perfect Human‘.

Dennoch macht der Berndsen-Trip in die Achtziger eine Menge Spaß, auch wenn man sie vielleicht nur in einer gewissen Dosis gut verträglich ist. Aber was soll’s, ein bisschen Farbe bringt ‘Lover In The Dark’ mit seinen pathetischen Popsongs in den ansonsten manchmal etwas tristen Indie-Rock-Alltag allemal und überhaupt erinnern die Songs zumeist vielmehr an eine augenzwinkernde Mischung aus La Roux, mit den zu Pop zusammengesetzten Samples der Crystal Castles, als an Modern Talking…und das ist doch auch schon was…

Berndsen – Lover In The Dark
VÖ: 11. November 2011, 101berlin
www.berndsen.is

Berndsen – Lover In The Dark from Berndsen on Vimeo.



SNOW PATROL – Fallen Empires


— Veröffentlich am 1. Januar 2012 von Dominik


If you were here beside me
Instead of in New York
If the curve of you was curved on me
I’d tell you that I loved you
Before I even knew you
Cause I loved the simple thought of you

If our hearts are never broken
Well there’s no joy in the mending
There’s so much this hurt can teach us both
Though there’s distance and there’s silence
Your words have never left me
They’re the prayer that I say every day.

Come on, come out, come here, come here!

(Snow Patrol – New York)

Seit 1994 gibt es die schottisch/nordirische Band Snow Patrol. Mittlerweile sechs Studioalben hat man veröffentlicht, gespickt mit gefühlvollen Hits, sodass man 2009 zurecht ein Zwischenfazit zog und mit ‘Up to Now‘ eine Art Greatest Hits-Album auf den Markt warf. Mit ‘Fallen Empires‘ veröffentlichten Gery Lightbody und Co. Ende 2011 nun endlich wieder neue Songs. In vierzehn Liedern toben sich die fünf Snow Patrol-Mitglieder mal aus, mal spielt man routiniert den bekannten Stil runter, mal markiert man, was man am besten kann: Balladen, die in großen Stadien gespielt werden sollen…oder im Radio.

Viel muss man nicht mehr über die Band schreiben, die sich seit dem 2006 erschienen Durchbruchalbum ‘Eyes Open‘ über Chart-Platzierungen, ausverkaufte Konzerthallen oder gar Support-Slots auf der U2-360°-Tour freuen konnte. Man ist mittlerweile eine Hausnummer im Musik-Business und läuft nicht nur als Untermalung diverser TV-Serien, sondern gerade auch im Radio. Und so zeigt sich auch ‘Fallen Empires’ gespickt mit radiotauglichem Hitmaterial. Die zumeist in der Kuschelrock-Ecke einzuordnenden Lieder, bilden dabei eine routinierten Klangquerschnitt durch das Snow Patrol-Universum, bleibt man sich doch wieder mal treu beim Sound und zeigt das man genau weiß was die Fans von der Band erwarten. Und so kuschelt es sich auch zu ‘Fallen Empires’ sehr ordentlich, man liefert mal wieder die großen Balladen, die schon bald zu Mitsing-Hymnen werden können, ‘New York‘ ist solch eine, ‘Those Distant Bells‘, ‘The President‘ oder ‘This Isn’t Everything You Are‘ genauso. ‘I’ll Never Let Go‘ und ‘Called Out In The Dark‘ sind dagegen die beiden Songs, die klanglich aus dem sonstigen Schema der Band herausfallen und dabei ansatzweise an die stark kritisierte Editors-Platte ‘In This Light And On This Evening‘ erinnert. Jedoch lässt man die Retro-/Synthie-Einflüsse nicht soweit Einzug halten, wie bei den Kollegen, sodass der geneigte Fan ‘Called Out In The Dark’ immer noch als neue Single akzeptieren kann und sich nicht verschreckt abwendet.

Laut Aussagen der Band hat ‘The Suburbs‘ von Arcade Fire die Aufnahmen von ‘Fallen Empires’ insofern beeinflusst, dass man sich dadurch berufen fühlte, mehr zu experimentieren, um an das Überalbum der Kanadier herankommen zu können. Dabei helfen durften Michael Stipe von R.E.M., Lissie, die auf vier Songs die weiblichen Gesangsparts übernimmt und Queens Of The Stone Age-Gitarrist Troy Van Leeuwen. Ein Meilenstein wie ‘The Suburbs’ ist ‘Fallen Empires’ letztlich nicht geworden, ein mehr als ordentliches Snow Patrol-Album allerdings schon – da werden sich sicher auch die meisten Fans einig sein.

Snow Patrol – Fallen Empires
VÖ: 11. November 2011, Polydor
www.snowpatrol.com

Snow Patrol – Called Out In The Dark from Madmo on Vimeo.



SIGUR ROS – INNI


— Veröffentlich am 20. Dezember 2011 von Fred


Sigur Ros - Inni
A lost seafarer, alive
Has returned home
A lost seafarer, live
Has returned home
A diver comes

(Sigur Rós – Sæglópur)

2007 veröffentlichten Sigur Rós ihren ersten Film namens ‘Heima‘. Dieser war eine reduziert-akkustische Hommage an Island, die mit ihren farbenfroh melancholischen Bildern begeisterte. Im harten Kontrastprogramm steht die aktuelle Veröffentlichung ‘INNI‘, die auf den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig Premiere feierte und sich aus Aufnahmen von zwei Konzerten im Londoner Alexandra Palace zusammensetzt. Dieses Konzerte wurden in 2008 gespielt und waren die beiden letzten Live Termine der Band bevor sich Jónsi seiner Solo Karriere widmete. ‘INNI’ war somit die totemische Veröffentlichung der Band und sollte die klaffende visuelle Lücke zwischen Sigur Rós als Personen und Sigur Rós als Musikern schliessen.

Regisseur Vincent Morisset präsentiert die Band um Frontmann Jónsi in minimalistischer und monochrom verrauschter Schwarz-Weiß Ästhetik und schnell wird deutlich, dass es bei ‘INNI’ eben nicht um Island oder die Band an sich geht, sondern nur um die Musik von Sigur Rós. Optisch regieren ungewöhnlich nahe und damit auch bewusst intime Close-Ups. In jedem Moment ist der Zuschauer extrem dicht am Geschehen, die Band und ihre Musik stehen zu jeder Zeit im Mittelpunkt und selbst das Publikum kann man meist nur erahnen. Dadurch wird ein intensives Bild- und Klangerlebnis entwickelt, das gepaart mit dem Stil der Band in einer surreal-sphärischen Atmosphäre mündet. Unterstützt wird diese faszinierend entrückte Stimmung durch die analoge Nachbearbeitung der eigentlichen HD-Aufnahmen. Das HD-Material wurde auf 16mm Film gebannt, projiziert und ein weiteres Mal durch Glas und verschiedene Prismen abgefilmt. Ziel dieser Technik war es einen stark ausgeprägten impressionistischen Look zu erzeugen, der den Zuschauer von seinem Raumverständnis löst und damit noch näher an das musikalisch-intime Erlebnis führen soll. Und somit ist ‘INNI’ eben doch mehr eine künstlerische Erfahrung, als ein normaler Konzertfilm.

Neben den 75 Minuten für die Augen liegen dem Paket noch zwei Audio CDs bei, die das komplette Set aus den Konzerten im Alexandra Palace beinhalten. Auf den beiden Silberlingen werden in 105 Minuten 15 Tracks aus allen fünf Studio Alben der Band dargeboten. Mit der klar ausdefinierten Produktion wird die Grundlage für das Gelingen des Projektes gelegt und über die komplette Doppelalbenlänge wird ein klarer und kräftiger Sound erzeugt. Neben den schon bekannten Tracks findet man auf ‘INNI’ zudem noch das bisher unveröffentlichte Lúppulagið, eine ambiente Piano Ballade, die als Anti-Klimax ein herzzerreißend schöne Wirkung entfacht und den Hörer zufrieden aus dem Konzerterlebnis entlässt.

‘INNI’ bedeutet das Innere und ist genau wie ‘Heima’ ein sprechender Titel, denn ‘INNI’ bezieht sich nur noch auf den musikalischen Kern der Band. Dies wird nicht nur in der visuellen Aufbereitung, sondern auch in der akustischen Darbietung des Materials deutlich. Sowohl das eng mit Sigur Rós verbundene Streicherquartett Amiina, als auch solche progressiven Spielereien, wie Chöre oder eine eigene Horn Sektion fehlen diesmal. Und trotzdem ist ‘INNI’ ein Erlebnis. Denn wenn man mit Heima mehr über die Band und ihre Herkunft erfahren konnte, eröffnet sich mit ‘INNI’ die musikalisch-vertrackte Welt von Sigur Rós. Und das es sich lohnt diese zu betreten, dürfte mehr als bekannt sein.

Sigur Rós – INNI
VÖ: 04. November 2011 (Pias/ Krunk Records/ Rough Trade)
http://www.sigur-ros.co.uk
http://www.myspace.com/sigurros



BOYS NOIZE – The Remixes 2004-2011


— Veröffentlich am 19. Dezember 2011 von Dorota


Er ist der allseits beliebte Berliner DJ und Produzent, der sich mit “The Remixes 2004-2011” seine eigene Best Of geschaffen hat. Alex Ridha alias Boys Noize ist mit seinen 24 größten Remixen zurück und zeigt damit seinem Publikum wie vielfältig er in sieben Jahren Schaffenszeit war.

Echte Fans wissen was einen hier erwartet: Elektro bis die Ohren abplatzen. Und da ist Mr. Ridha ein wahrer Meister. Egal ob Depeche Mode, Snoop Dogg, Marilyn Manson, Charlotte Gainsbourg, Gonzales und wie sie sonst noch alle heißen. Boys Noize kennt keine Genregrenzen und nimmt sich was er braucht, um den Song auch für den Rave- Club tauglich zu machen. Ob einmal “ruhiger” wie bei “Invisible Light” von den Scissor Sisters oder heftiger wie bei “Dirty & Hard” von Djedjotronic Feat. Spoek, er nimmt es sich, bastelt einen völlig neuen Song daraus, immer wieder abwechslungsreich und auch mit der berühmten Boys Noize Signatur, ohne müde und langweilig zu werden.

Schwierig wird es bei der Diskokugel-Vergabe. Denn gerade, wenn man das Album als eine Best Of betrachtet, macht es wenig Sinn “alte” Songs zu bewerten. Wie gesagt, es ist toll, 24 Remixe auf einer Doppel CD vor Weihnachten geliefert zu bekommen – das werden die neuen Jünger der Clubszene mit Sicherheit wertschätzen. Aber die wirklichen Elektronik Nerds wissen was da drauf los ist, haben die ganzen Songs schon voller Vorfreude am Tag ihrer Veröffentlichung einzeln gekauft oder heruntergeladen und könnten diese Aktion jetzt dreist oder unverschämt finden. Trotzdem werden sie sich auch diese Platte besorgen, der Vollständigkeit halber. Dass das nämlich fast ein Muss für alle Elektro-Club-Sound-Sammler ist, war ja eigentlich schon mit der Ankündigung von “The Remixes 2004-2011″ klar.

Boys Noize – The Remixes 2004-2011
VÖ: 2. Dezember 2011, Boys Noize Records
www.boysnoize.com

The Remixes (2004-2011) -preview by Boys Noize