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Veröffentlicht am 9.07.2011 | von Julian C.

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RETRO STEFSON – Kimbabwe

Mama Angola
Papa Thule
Portus Cale!

(Retro Stefson – Mama Angola)

Oh, wie komplizert, wie unübersichtlich geworden ist die neue, globalisierte Welt. Ausgerechnet Island, am äußersten Zipfel Europas, konnte in den letzten Jahren immer wieder ein Lied davon singen, wie unübersichtlich in dieser Ursache und Wirkung und wie redundant nationale Grenzen sowie geographische Hindernisse geworden sind. Da fällt im fernen Amerika eine Bank um und sorgt für die Pleite eines Großsteils der Bevölkerung; Ebenfalls in Island hustet ein Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull soviel Asche aus, dass norddeutsche Urlauber nicht in den Mallorca Urlaub fliegen können.

Island als Popland, vorher symbolisch weit entfernt und entrückt durch sphärische, kalt klirrende Hymnen von Björk und Sigur Rós, ist natürlich auch durch allgemein vorhandene Breitbandverbindngen der übrigen Welt sehr viel näher gerückt. Begrenzungen aufheben, die Dinge aus ihrem ursprünglichen Kontext reißen heißt also die Devise. Sind die räumlichen Distanzen erst einmal aufgehoben und sämtliche Ideen und Strömungen der Populärkultur schrankenlos zum Abruf bereit, sind Szenarien denkbar, in denen auf Konzerten der Worldmusic-Kitsch-Indie Band Vampire Weekend Hipster mit ironisch getragenem Iron Maiden Shirt auftauchen. Plus Gameboy im Jutebeutel. Womit wir endlich bei Retro Stefson wären.

Hierbei handelt es sich um eine siebenköpfige Gruppe aus Reykjavik welche, natürlich, inzwischen nach Berlin gezogen ist und den wildesten Genreclash der letzten Monate mixt. In die abwechslungsreichen Afrobeatstücke, ähnlich wie bei Vampire Weekend mit weißer Collegestudentendistanz zelebriert, streuen sie Fragmente aus allen Ecken der neueren Popkultur, seien es Metalriffs, 8-Bit Passagen oder Discoeinlagen. Das funktioniert überraschenderweise sehr überzeugend, Höhepunkte sind Songs wie ‚Kimba‚, das in wildgewordenem König-der-Löwen-Musical-Style immer wieder Metalgitarren aufheulen lässt, und der beschwingte, beinahe zehnmütige Funk-Disco-Cocktail und Abschiedstrack ‚Senseni

Aber nicht nur in musikalischen Referenzen lässt es sich im World Wide Web hemmungslos wildern, auch in Songtiteln sowie Lyrics reichen die Anspielungen auf den schwarzen legendären Benfica Lissabon-Stürmer Eusébio über Musikwissenschaflter Alan Lomax bis zu Papst Paul III. Kein Wunder: Frontmann Uni Stefson hat einen portugiesischen Vater und eine angolanische Mutter, wuchs aber in Reykjavík auf. Gesungen wird somit auf Englisch, Isländisch, Portugiesisch und Französisch – Stefson spielt dann auch auf diese familiären Wurzeln in ‚Mama Angola‚ und im angesprochenen ‚Eusebio‚ an.

Insgesamt ein erfrischendes und innovatives Album, das seine Faszination eben aus der Überraschung zieht, welches bekannte Popmuster als nächstes zitiert wird. Ausufernde Hibbeligkeit und penetrant eingesetztes Gameboysoundgeklimper können aber auf Dauer stellenweise auch nerven, das weiß jeder, der mal einen Langstreckenflügen neben einer Horde Kinder verbringen durfte. Diese Passagen bleiben aber glücklicherweise die Ausnahme, daher gerät die Reise nach ‚Kimbabwe‚ doch weitgehend sehr schön.

Retro Stefson – Kimbabwe
VÖ: 20. Mai 2011, Universal
www.retrostefson.com
www.myspace.com/retrostefson

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