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Veröffentlicht am 5.12.2013 | von Eva-Marie

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MIDLAKE – Antiphon

Provider, carry on
Far from the golden age
Follow me down a fox hole in the ground
Don’t delay

(Midlake – Provider)

Antiphon‚ ist das vierte Album von Midlake. Und es sind nicht mehr die Midlake, wie wir sie auf den drei Alben zuvor kannten, nein sie sind Midlake ohne Frontmann Tim Smith. Man könnte meinen, dass sich so eine Lücke gar nicht schließen lassen kann. Kann sie auch nicht, aber neben dem Krater ist eine ganz neue Midlake-Landschaft erblüht. Sollte das Album ursprünglich noch ‚Seven Long Suns‚ heißen, so entschied man sich gegen den Namen, als Tim Smith während des Schaffensprozesses ausstieg, und ersetzte ihn durch ‚Antiphon‘. Antiphon bedeutet so viel wie Gegengesang und man könnte sich fragen, ob das ein etwas provokanter Seitenhieb sein könnte. Singen gegen die Vergangenheit oder ist der Titel doch im eigentlichen musikalischen Sinne zu verstehen?

Jedenfalls steht bei den neuen Midlake, Gitarrist Eric Pulido am Mikrofon, was im ersten Moment tatsächlich gar nicht wirklich auffällt. Und dann rollt auch schon der Opener ‚Antiphon‚ auf dich zu. Ohne langes Geplänkel stehen da Gitarre, Bass und Schlagzeug im Raum. Das klingt wie ein Befreiungsschlag, gespickt von naturnahem Orgelsound, mit dem Midlake einen neuen Abschnitt ihres musikalischen Schaffens besiegeln. Mussten sie doch nach dem Ausstieg von Tim Smith ganz von vorne anfangen, nachdem sie schon zwei Jahre lang am Nachfolger von ‚The Courage Of Others‚ gearbeitet hatten. Es blieb nur der Song ‚Vale‚, von dem sie das Instrumental ohne den Sänger aufgenommen hatten. Der landete dann auch auf ‚Antiphon‘. Mit großem Gepolter legt er los und wird von einem ruhigen Gitarren-Riff aufgefangen. Wie eine wütende Meute, die sich langsam beruhigt. Vorher noch den weiten, erhabenen Blick über das Tal, ist man nun unten angekommen und betrachtet die Schönheit der Landschaft aus einer anderen Perspektive, sieht die zerklüfteten Bergwände und die Nadelbäume. In sich gehen und die Berg-und-Talfahrt des Alltags akzeptieren.

Das vierte Werk ist etwas dem Folk entrückt und hat sich mehr dem Rock zugewandt. Alles wirkt etwas opulenter und komplexer. So kann ein Song wie ‚Provider‚ beim ersten Hören schon mal zu überlagert klingen. Allerdings stellt sich das nach mehrfachem Hören als falsch heraus, denn der Song ist nicht überlagert, sondern bis ins kleinste Detail durchdacht. Eine Komposition, die sich im Laufe der Zeit sogar zum Lieblingssong der Platte entwickelt. Genau genommen, ist er sogar zweimal drauf, denn der letzte Song der Platte ‚Provider Reprise‚ ist eine alternative Version davon und erinnert noch am ehesten an die alten Midlake. Flucht in das Laub des Waldes, weg von dem Trubel der Städte, sondern rein in die wohlige Ursprünglichkeit der Natur. ‚The Old And The Young‚ führt seinen Beat auf dem Rücken eines Pferdes spazieren. Trabend trommelt sich der Song voran und besingt das Älterwerden. Dann geht die Sonne auf bei ‚Aurora gone‚: „Building our own with those who join us, Celebration, celebration! Oh this thing will never come to us. The world is done, Aurora gone.“ Eine vergebene Chance, die vom beginnenden Tag beschlossen wird. War für kurze Zeit noch alles möglich, muss man sich mit der aufsteigenden Sonne erst einmal sammeln, neue Wege suchen und einen Blick über den Rand werfen.

‚Antiphon‘ ist ein naturverbundenes Album, wie wir es von Midlake gewohnt sind. Sie spielen mit Metaphern unserer Umwelt. Eine aufgehende Sonne etwa oder ein eigenes Versteck im Fuchsbau. Thematisch hat sich an den Songs von Midlake nicht viel geändert, wohl aber an den Kompositionen an sich. Midlake klingen orchestraler, psychedelischer – als wären sie mehr und nicht weniger geworden. ‚Antiphon‘ ist schon deshalb zu würdigen, weil sie trotz des Ausstiegs von Tim Smith eine Metamorphose vollzogen haben, die nicht einfach als Lückenfüller oder Notlösung dient. Zwar fehlen ein wenig die lieb gewonnenen Folk-Momente, aber da stehen nun eben die neuen Midlake, die opulenten Midlake.

4von5

Midlake – Antiphone
VÖ: 02. November 2013, Bella Union
www.midlake.net
www.facebook.com/midlakeband

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