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Veröffentlicht am 15.10.2014 | von Teresa

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FRITZ KALKBRENNER – Interview

Bei wem bereits Platten von Sascha Funke, Chopstick&Johnjon, Alexander Kowalksi, Monika Kruse und Paul Kalkbrenner im Regal stehen, der hat auch schon Bekanntschaft mit Fritz Kalkbrenners souligen Singstimme gemacht. Seit dem 2008er Erfolg von ‚Sky and Sand‚, einer Kollaboration mit Fritz‘ großem Bruder Paul, und dem Erscheinen seines ersten Soloalbums ‚Here Today, Gone Tomorrow‚ hat der Sänger, Musikproduzent und Dj seinen internationalen Durchbruch geschafft. Wir haben Fritz in Berlin getroffen, ihn zu seinem dritten Album ‚Ways Over Water‘ und der kommenden Tour im November befragt und geklärt, ob die Bezeichnung Deep House Produzent wirklich auf ihn zutrifft.

Wenn man dich googelt liest man als erstes du wärest neben Musikproduzent, Dj und Sänger auch noch Kultur- und Musikjournalist. Wann schläfst du?
Fritz: Ich habe 10 Jahr als Journalist gearbeitet aber das ist schon 8 Jahre her.

Kam der Durchbruch tatsächlich mit ‚Sky and Sand‘?
Fritz: So halb und halb, ich habe natürlich vorher schon gearbeitet aber Sky and Sand hat dann nochmal den extra Aufschwung gegeben.

Ihr habt damit ja DJ Ötzi vom „Am-längsten-in-den-Charts-Thron‘ gestoßen.
Fritz: Da entsteht echt ne komische Gemengelage… das es zu dem Zeitpunkt Leute so angesprochen hat kann ich noch verstehen aber warum das so dauerhaft ist.. man weiß es nicht!

Du wirst ja oft als Deep-House Produzent bezeichnet, ist das deiner Meinung nach richtig?
Fritz: Nicht wirklich. Das ist eher ein Begriff der in Ermangelung einer passenden Bezeichnung genutzt wird. Durch die Vielfältigkeit heutzutage lässt sich das eh nicht mehr so einordnen. Die meisten Künstler haben ja schon eine eigene Künstlerschublade. Zum Beispiel: Apparat kling so wie er und da passt auch nur er rein und gut is!

Wenn du einen Begriff für dich erfinden könntest, was wäre das?
Fritz: Uh, ich glaube das geht immer nach hinten los. Das klingt dann total bescheuert. Das sollen ja eh alle anderen machen, ich bin ja der letzte dem das gestattet ist. Im besten Falle habe ich nicht die Deutungshoheit. Das liegt im Auge des Betrachters. Es ist immer ganz schön zu sehen was für Blüten das treibt.

Du produzierst deine Musik komplett im Alleingang, wer ist deine Kontrollinstanz?
Fritz: Das bin ich selber, ich muss alles mit mir selbst verhandeln. Genauso finde ich aber auch ein Bandkonzept nicht so super. Da gibt es stärkere und schwächere Parts und die Stärkeren kotzen immer über die Doofköppe ab. Ich bin froh, dass ich keine Kompromisse eingehen muss. Mit ein bisschen Erfahrung kann man aber auch allein ganz gut einschätzen was gut ist und was nicht. Das ordnen der Lieder später ist auch nochmal ne ganz schwierige Sache. Dafür brauche ich allein nochmal zwei Wochen. Die kommen dann alle auf einen Zettel und dann wird die Geschichte nochmals neu erzählt.

Nach meinem Eindruck, spricht aus dem neuen Album und auch aus dem Titel ‚Way Over Water‚ eine große Sehnsucht nach Heimat und Ankommen und wirkt fast wie die Erzählung einer sehr einsamen Person.
Fritz: Ja das kommt schon fast hin. Das Album und auch der Titel ist eine Auseinandersetzung mit einem wirklich ernsthaften Problem, welches im ersten Moment unüberwindbar scheint, wie eine Person die mit den Füßen am Wasser ankommt. „Ways over Water“ neue Wege übers Wasser suchen.

Du bringst ja alle zwei Jahre eine neues Album raus. Ist das Zufall oder hast du dir das selbst so auferlegt?
Fritz: Wenn man nicht in einen längeren Leerlauf eintritt, dann drängt sich das bei mir anscheinend in diesem Rhythmus auf. Wenn man eine Tour fertigstellt und dann wieder an einem Album arbeitet, ist das anscheinend genau der Zeitraum von zwei Jahren.

Du gehst im November wieder auf Tour, wie bereitest du dich darauf vor?
Fritz: Das ist eine Trainingsfrage. Wenn ich vor vier Jahren 120 Shows gespielt habe dann war ich total fertig und jetzt ist es irgendwie ok. Man muss mit seiner Energie haushalten. Heutzutage spielt man halt die Show und trinkt zwei Wasser, das war früher halt nicht so.

Hast du schon Lieder vom neuen Album live gespielt?
Fritz: Noch gar nicht, das passiert dann alles auf Tour. Da zerhacken wir die Lieder dann in ihre Einzelteile zurück und finden dann in Loopform auf dem Controller statt, das ist Effekt-gesteuert also sind da neue Effekte und Filter möglich. Dazu habe ich dann eine Mikro im Gesicht und singe live. Somit erfährt das ganze dann eine Livearrangement.

Jemals überlegt Live Instrumente mit zu nehmen?
Fritz: Noch nicht, das führt meiner Meinung nach auch etwas vom Dancefloor Aspekt weg. Ich will es nicht ausschließen aber ich finde es schwierig. Es gibt eine grundlegende Definition welche Signatur Dancefloor-Musik auch in Kraft für ne Auswirkung hat und nicht alles lässt sich mit einer Band reproduzieren. Kein Drummer kann die Kickdrum so hart treten wie ne Maschine das machen würde.

Was für einen Stellenwert hat dieses Album für dich im Hinblick auf deine Discographie?
Fritz: Puh, das weiß ich noch nicht, es ist ja noch nicht Geschichte. Ich bi glücklicherweise ziemlich nah dran an dem was ich machen möchte. Es gibt ja immer eine Idealvorstellung die man umsetzen möchte und das klappt nicht immer. Ich bin ja kein Kaffeesatzleser, ich weiß nicht, wie sich das in Zukunft auslegen wird.

Wie viele Leute haben schon gefragt aus welchem Holz dein Plattencover Abbild geschnitzt ist?
Fritz: Tatsächlich keiner! Ich weiß es gar nicht, aus einem Guten hoffe ich! Die Statur wurde im Erzgebirge geschnitzt und ist momentan noch in der Schweiz wo sie abfotografiert wurde. Wir fanden es zum Titel ganz passend als konträrer Punkt zum Element Wasser.

Ich habe noch nie einen Deep-House Track mit deutschem Text gehört, woran liegt das?

Fritz: Ich bin kein Freund davon, das ist eine Musikrichtung die aus Chicago kommt und mit der englischen Sprache assoziiert ist, also ist es vielleicht Stilpurismus.

 

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Über den Autor

Foto-und Videographin, Fotoredakteurin und Bedroomdisco-Lover



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