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Veröffentlicht am 2.02.2015 | von Karola Szopinski

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KIASMOS – Kiasmos

Kiasmos - Kiasmos CD-Kritik

Was machen zwei eng befreundete Musiker, wenn sie gemeinsam abhängen? Klar, sie machen zusammen Musik. Wenn es sich dabei auch noch um den isländischen Multiinstrumentalisten und Produzenten Ólafur Arnalds und seinen färöischen Kumpel Janus Rasmussen aus der Band Bloodgroup handelt, kommt dabei nicht weniger als die exquisite skandinavische Kollaboration namens Kiasmos heraus.

Zwar betonen die beiden immer wieder, dass es bei dem 2008 gegründeten Projekt ausschließlich um die Freude am gemeinsamen Spielen abseits der beruflichen Verpflichtungen geht. Aber wenn sich ein gefeierter Vertreter der „Neo-Klassik“ wie Arnalds an den Flügel setzt und gemeinsam mit Rasmussens synthielastigem Elektropop die Grenzen zwischen analoger und digitaler Musik auslotet, überrascht es nicht, dass das Ergebnis am Ende doch nicht ganz privat bleibt. Zum Glück!

Auf die 2012 veröffentlichte EP ‚Thrown‚ folgte nun im Oktober 2014 das erste Album namens ‚Kiasmos‚. So unvorhergesehen und spontan die Ideen zu den Songs in Arnalds Studio in Reykjavík entstanden, klingt Kiasmos doch genau so, wie man es von skandinavischer, elektronischer Musik erwartet: sphärisch-experimentell, etwas düster und bis ins Detail ausgefeilt. Die acht Songs, die es am Ende auf das Album schafften, entstanden aus der Quintessenz der Basteleien der zwei Perfektionisten. In stundenlangem, fieberhaften Herumexperimentieren mit Samples, Genres und Stimmungen ließen sie die einzelnen Teile miteinander verschmelzen. Für Rasmussen war das Ergebnis emotionaler als erwartet: “When we […] finally found the time to sit down and make a full length album there was so much we wanted to try out. The result surprised us a bit, it’s deeper and more emotional than we imagined it to be, but that’s the beauty of being able to make an album.

Während die ersten Songs ‚Lit‚ und ‚Held‚ nahtlos ineinanderfließen und von sanften Klavierklängen, schwermütigen Synthesizern und melancholischen Streichern geprägt sind, klingen bei ‚Looped‚ die ersten knackigen Beats an. ‚Swayed‚ bricht mit der zaghaften Verwobenheit und kommt direkt tanzbar daher. In ‚Thrown‚ kommt das charakteristische Pantha Du Prince-Glockenspiel zum Einsatz, das mit eindringlichen Streichern und Synthies untermalt wird. ‚Dragged‚ und ‚Bent‚ hingegen sind treibend und basslastig.

Den Höhepunkt des Albums markiert jedoch auch aus Sicht der Künstler der Schlusstrack ‚Burnt‚. Fast zehn Minuten lang erzählt der Song eine Geschichte, aus der man einen Kurzfilm machen könnte. Nachdem einen der Beat unweigerlich in seinen Bann gezogen hat, öffnet sich ein Klangteppich aus live Drums, Streichern, aufbäumenden Synthies und Basslinien. Alles steigert sich bis hin zur Extase, um dann nach fast sieben Minuten meditativ abzuebben und auf zarteste Weise mit Klavierklängen abzuklingen.

Kiasmos vereint die Entspanntheit und Harmonie zwischen Freunden, die ohne Deadlines und Druck gemeinsam Musik machen mit zwei musikalischen Genies, die sich auch in ihrer Freizeit nur mit der Maximallösung zufriedengeben. Hoffentlich eine Freundschaft fürs Leben!

5von5

Kiasmos – Kiasmos
VÖ: 27.10.2014, Erased Tapes Records
www.erasedtapes.com/artists/biography/11/Kiasmos
www.facebook.com/kiasmos

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