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Veröffentlicht am 4.03.2016 | von Patricia Hölscher

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MYNTH – Plaat II

Mynth - Plaat II CD-Kritik
Foto-© Elisabeth Anna Photography

Can you see the nightlight
This is why I won’t fight
You and me yesterday
Let the night fade away

(Mynth – Nightlight)

Nach einem langen Arbeitstag in wohltemperiertes Badewasser eintauchen, das sich, geziert von Schaumkronen, an den Körper schmiegt – ein Moment, der an Perfektion nicht zu überbieten ist. Genau so fühlt es sich an, das Debütalbum des Duos Mynth aus Salzburg/Wien zu hören. Planschen und Platten so pathetisch miteinander zu vergleichen, muss sein, wenn es Sinn ergibt: jetzt gerade. ‚Nightlight‚, der heimliche Hit der Österreicher, der auch schon Teil der ersten EP im vergangenen Jahr war, ist der beste Beweis für die eventuell in Frage gestellte Sinnhaftigkeit dieser Planschen-Platten-Analogie. Es geht – beim Baden und beim Hören des Albums – ums Eintauchen, ums Sich fallen lassen und um dunkle, unergründliche Tiefen. Allerdings ist ‚Plaat II‚ dabei definitiv deeper als der Heimwhirlpool.

Mynth sind die Zwillinge Giovanna und Mario, die in einer gemeinsamen Wohnung in Wien leben und lieber miteinander als mit anderen Musik machen. Auf ihrem „Doppelleben“, auf ihrer engen Bindung fußt auch das Albumcover. Es soll den Betrachter an die zweite Tafel (Plaat II) des Rorschach Tests erinnern, auf der die meisten Menschen in dem gezeigten Tintenklecks zwei Personen zu erkennen glauben. Die beiden releasen auf dem sehr spannenden, weil nicht genre-beschränkten und damit trendunabhängigen Wiener Label Seayou Records. Es gibt neben Wanda (deren erstes Album übrigens auch bei Seayou erschienen ist) oder Bilderbuch also auch leise Österreicher, die nicht einmal 3000 Likes bei Facebook haben und noch als Geheimtipp durchgehen. „Ich kannte Mynth schon, als sie noch in kleinen Clubs gespielt haben“, werdet ihr sagen.

‚Plaat II‘ hält insgesamt 12 Elektropop-Perlen für Kenner bereit. Im Englischen gibt es den Begriff Soundscape , der eigentlich mit „Geräuschkulisse“ übersetzt wird. Im Falle von Mnyth bedeutet er für mich aber eher „Landschaft aus Geräuschen“. In dieser Landschaft lässt das Duo dunkle Melodien gen Pophimmel steigen, denen Giovanna durch ihre Art zu singen im wahrsten Sinne des Wortes Leben einhaucht. Zugegeben, auf Albumlänge ist das ganze nach einer Weile ein kleines bisschen ermüdend, aber eine Schachtel wirklich hochwertige Pralinen isst man ja auch nicht auf einmal. Man fängt wieder und wieder an zu genießen.

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MYNTH – Plaat II
VÖ: 05. Februar 2016, Seayou Records
www.facebook.com/mynthmusic

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