Interviews

Veröffentlicht am 18.04.2016 | von Patricia Hölscher

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DRANGSAL – Interview

Den jungen, aufstrebenden (No Floskeln, er ist wirklich genau das!) Künstler Drangsal mit eigenen Worten zu beschreiben ist schwer. Sich mit ihm zu beschäftigen löst ein ähnliches Gefühl aus, wie zu Grundschulzeiten während des Mittagsschlafs von Mama auf einen Stuhl zu steigen und sich am Schrank mit den Süßigkeiten zu schaffen zu machen. Da schwingt immer irgendwas Verbotenes mit. Etwas leichter fällt es, Drangsal anhand seiner Fotos und Videos vorzustellen oder – ganz rough – mit Hilfe einer Schnellfragerunde zum Einstieg.

Drangsal - Interview

Leipzig ist das neue Berlin?
Nein!

Morgens Aronal, abends Elmex?
Ja!

Pure Vernunft darf niemals siegen?
Doch!

Du kriegst die Leute aus der Provinz, aber die Provinz nicht aus den Leuten?
Hoffentlich!

Man hat sofort das Gefühl, ein ganzes Stück näher an Drangsal herangerückt zu sein. Es scheint sogar etwas von Max Gruber durch die beeindruckende Attitüde der Kunstfigur zu schimmern, findet ihr nicht auch? Nein, wirklich… diese Schnellfragerunde beinhaltet viele wichtige Informationen: Drangsal hat mal in Leipzig gewohnt, fühlt aber anscheinend den Hype um die Stadt nicht so wirklich. Er putzt sich regelmäßig und gewissenhaft die Zähne. Er arbeitet mit dem Tocotronic-Manager zusammen, wiederspricht aber trotzdem einer der Kerntextzeilen der Halbgötter der Hamburger Schule. Er hofft, sich auch in einer Großstadt wie Berlin ein Stück Heimat, ein Stück Herxheim (die größte Kommune im Landkreis Südliche Weinstraße bei Landau in der Pfalz mit etwa 10.500 Einwohnern) bewahren zu können.

Nun, um jemanden noch besser kennenzulernen, bietet es sich auch immer an, sich nach seinem Musikgeschmack zu erkundigen.

Zu welchem Song kann man am Besten knutschen?
NON – Man Kills Self While Cleaning Gun

 

Zu welchem Song kann man am Besten wütend sein?
Manche Leute versuchen ja eher ihren Gefühlslagen mit Musik entgegenzuwirken. Zu dem Schlag Hörer gehöre ich nicht, ich bin am liebsten zu dem Album „Turtle Nipple & The Toxic Shock“ von der Gruppe Heavy Heavy Low Low wütend. Ansonsten sind bei Wut Gruppen wie Man Is The Bastard, Infest, Hoax, Lock und Anti-Cimex unbedingt zu empfehlen.

Klickt ihr euch erst mal durch Drangsals Musikempfehlungen oder seid ihr schon so gepackt, dass ihr direkt mit dem Herzstück unseres Artikels weitermacht? Es ist ein eMail-Interview mit Drangsal. Klar, wir empfehlen letzteres! Und wir empfehlen auch, euch Drangsals Debütalbum zu kaufen. Vielleicht ja sogar auf Vinyl. Tribute to the 80s. ‚Harieschaim‚ erscheint diese Woche Freitag. Endlich. Endlich, weil wir jetzt ja schon länger auf das Ergebnis der Arbeit von Drangsal und seinem Produzenten Markus Ganter (Casper, Sizarr, Dagobert,…) warten.

Casper hat dich schon vor anderthalb Jahren als „Musikhoffnung für 2015“ auf Twitter angekündigt, jetzt ist fast Mitte 2016… Was hat so lange gedauert?
Zuerst einmal bin ich (und ist Markus Ganter ebenso) in Sachen Musikproduktion perfektionistisch veranlagt. Ich stand natürlich gegen Ende non-stop unter Strom und war voller Tatendrang(sal), aber bevor wir nicht beide einigermaßen zufrieden waren, stand es außer Frage, etwas zu veröffentlichen. Dazu kommen dann noch die schier endlosen Verhandlungen mit Labels, Verlagen und Booking-Agenturen und die dann und wann verworrenen Wege des Musikbusiness. Ich bin trotz all dem froh, dass mein Album erst jetzt in dieser Form veröffentlicht wird.

Damals waren nur zwei Demos auf Soundcloud online, woher kannte Casper dich eigentlich?
Zu der Zeit, als wir uns kennenlernten, war sogar bloß ein Song auf Soundcloud: Ein verschrobenes Cover des Stückes „Beautiful Girl“ von Sean Kingston, das ich zwischen zahllosen Laptops leider längst verloren habe. Casper hat zu dieser Zeit in Mannheim mit den Arbeiten an seinem Album „Hinterland“ begonnen und da Markus Ganter damals mit Fabian und Philipp von Sizarr in einer WG lebte, hing ich eben auch oft da ab.

Steht ihr seitdem in Kontakt? Als Freunde? Kollegen? Stille Bewunderer?
Ich bin froh sagen zu dürfen, dass aus uns gute Freunde geworden sind. Ich habe Benjamin viel zu verdanken.

Wie fühlt sich das an, wenn du darüber nachdenkst, dass dein Debütalbum fertig ist?
Das fühlt sich sehr schön an, wie der Abschluss eines Lebensabschnittes, die Früchte langwieriger und -jähriger Arbeit.

Einige Vorabveröffentlichungen gab es jetzt ja schon. Mir ist aufgefallen, dass deine Songtexte ziemlich präsent sind. Sie stehen zum Beispiel in voller Länge unter deinen YouTube Videos. Wieso wolltest du das so?
Mir sind Texte als Mittel des Ausdrucks einfach schon immer ungemein wichtig und ich möchte, dass man bei Interesse die Chance hat, sich mit ihnen befassen zu können. Immerhin steckt hinter und in fast jedem Songtext immer auch eine Intension oder eben ein Stück des Schreiberlings selbst – Mühe, Inbrunst, Absicht.

Wenn man sich eine deiner Textzeilen tätowieren wollen würde, welche empfiehlst du da?
Wahrscheinlich „Love Me Or Leave Me Alone“, das ist relativ prägnant und allgemeingültig, finde ich.

Nicht nur deine Musikvideos (zum Beispiel das mit Jenny Elvers), sondern auch einige deiner Interviews schlagen Wellen. Du disst gerne mal Bands wie Balbina oder Isolation Berlin. Was genau ist dein Problem?
„Dissen“, das ist ein ganz, ganz schlimmer und in diesem Fall auch einfach falscher Begrif, ein Problem würde ich mir ehrlich gesagt auch nicht zuschreiben. Zu der ganzen Geschichte mit dem lautstarken Kundtun der eigenen Meinung habe ich mich HIER bereits ausführlich geäußert.

 

Aber es gibt ja auch Kollegen die du magst, oder? Öffentliche Anerkennung von welchem Künstler würde denn dein Herz am Meisten erwärmen?
Ich mag wirklich endlos viele Bands und Musiker und freue mich selbstverständlich bei jedem einzelnen über Zuspruch. Dass Markus Ganter, Casper, die Jungs von Sizarr oder Kraftklub, Stella von der Heiterkeit, Dagobert, Kevin von Die Nerven oder Philipp und Hendrik von Messer meine Musik mögen, alleine das ist schon sehr toll. Man möchte natürlich, aber sollte nicht immer seinen Idolen gerecht werden. Über ein Lob von Paddy McAloon oder Marilyn Manson tät‘ ich mich aber dennoch ziemlich freuen.

Welche drei Songs auf deinem Album muss man unbedingt hören, damit man ein noch besseres Gefühl für dich und deine Musik entwickelt?
Schwer zu sagen, nachdem nun erst die eine Platte wirklich fertig ist. Ich habe selbst noch kein allzu gutes Gefühl für mich und meine Musik. Die Sachen, an denen ich zur Zeit feile, gehen zum Beispiel schon wieder in eine ganz andere Richtung. Zudem kommt, dass viele der Stücke auf ‚Harieschaim‘ schon nahezu drei Jahre alt sind. Will sagen: Es bleibt abzuwarten bis das Drangsal’sche Oeuvre etwas üppiger aufwartet.

Was erwartest du eigentlich von deinem Album?
Ich kann lediglich hoffen, dass es den individuellen Erwartungen gerecht wird und den Zuhörern Freude bereitet, dass es irgendwann vielleicht fast vergessen und total verstaubt in der 1-Euro-Kiste eines Plattenladens landet und eine junge Sorgenliese, wie ich eine bin, erfüllt und antreibt.

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