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Veröffentlicht am 13.04.2016 | von Patricia Hölscher

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WALKING ON CARS – Everything This Way

Walking On Cars - Everything This Way CD-Kritik

So if I stand in front of a speeding car
Would you tell me who you are, what you like?
What’s on your mind, if I’d get it right?
How I love that no one knows

(Walking On Cars – Speeding Cars)

Mach mal lauter, ist das nicht…“ – „Nee, Quatsch. Oder doch?“ Da ist dieser eine Song im Autoradio, der dich ganz kurz packt. Die Hook macht ihren Job, hakt sich bei dir unter und entführt dich gedanklich an Orte, an denen du schon lange nicht mehr warst. Es ist wieder 2001, Soundfetzen von Bands wie Nickelback, Sunrise Avenue, Reamonn und Stanfour ziehen an dir vorbei, du klopfst euphorisch und fast im Takt auf dein Lenkrad… „Hier ist dein Lieblingsradio und das sind Walking On Cars mit ihrer aktuellen Single ‚Speeding Cars‚!“ Glück gehabt, der Radiomoderator löst deinen Knoten im Kopf. Schlüsselbegriff: CARS. Doch du bist dir schon bei der nächsten zufälligen Begegnung mit diesem Song in deinem Auto weder mit dem Songtitel noch mit dem Bandnamen wirklich sicher.

Everything This Way‚, das Debütalbum von Walking On Cars, hat trotzdem alles was ein Album braucht: Singles, Albumtracks, Balladen, keine Balladen. Da geht so gut wie jeder Song auf. Füße wippen, Köpfe nicken, wir hören lupenreine, auf Hochglanz polierte Popmusik und an sich ist da auch überhaupt nichts gegen einzuwenden. Die Iren beherrschen ihre Instrumente, kommen als eingespieltes Team daher (immerhin waren sie schon in der Schule als die 5 Freunde zusammen unterwegs) und haben live unglaublich viel Spaß, der sich sofort auf das Publikum überträgt. Aber an glattpolierten Oberflächen konnte man sich noch nie gut festhalten und so fällt es schon wenige Minuten nach einem Walking On Cars Konzert schwer, einen der gerade gehörten Songs noch mal zu summen oder sich mehr als schemenhaft an die einzelnen Bandmitglieder zu erinnern. Ok, klar, Sorcha Durham am Piano war die einzige Frau auf der Bühne – fair enough – aber sonst… Diese Band polarisiert nicht. Ihre Musik auch nicht. Du stößt dich nicht an ihr. Entweder du liebst sie oder sie ist dir halt egal. Fairer Weise muss man an dieser Stelle anmerken, dass es jede Menge Menschen gibt, die Walking On Cars lieben. Schon allein 76.000 sind es bei Facebook und es werden jeden Tag mehr. Neben Meldungen über ausverkaufte Tourstopps und hochverlegte Konzerte ist die Pinnwand der Band dort überflutet mit kleinen roten Herzchen. Digitale Liebe.

Man kann Walking On Cars überhaupt nichts vorwerfen. Objektiv wurde da alles richtig gemacht. Alles. Wirklich. Aber ich fühle beim Hören nichts und bin dagegen ziemlich machtlos. Ich kann mein Herz nämlich leider nicht mit einem Jutebeutel auf die Wiese schicken, damit es mit anderen Indiekinder-Herzen spielt, während ich Radiopop für Erwachsene höre.

2-3von5

Walking On Cars – Everything This Way
VÖ: 25. März 2016, Virgin
www.walkingoncars.com
www.facebook.com/walkingoncars

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