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Veröffentlicht am 31.05.2016 | von Jonathan Hirschhäuser

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OUM SHATT – Oum Shatt

Oum Shatt - Oum Shatt CD-Kritik

Blonde one from the wilderness
Is almost dressed and i’m just her guest now
Female grace? she hits my face.
Makes me feel like i’ve ruled this world too long

(Oum Shatt – Power to the Women of the Morning Shift)

Besondere Alben erfordern besondere Texte. ‚Oum Shatt‚ ist ein besonderes Album. Das wird bereits beim ersten Song deutlich: ‚Power to the Women in the Morning Shift‚. (1) Was ein Songtitel. Schon mal gute Gitarrenarbeit. Oh! An die Stimme muss man sich erst einmal gewöhnen. Scheint so als nehme die Leadgitarre eine dem Gesang gleichwertige Rolle ein. Wo das wohl später noch hinführen wird? Die Field Recordings im Hintergrund erinnern in diesem Zusammenspiel an Darkside. (2) Moment, das Riff kenn ich doch. Oder nicht? „Nothing’s so true like the backsides of your knees.“ Schon ein wenig schwachsinnig der Text, aber sofort Ohrwurm. Geider Leil. Auch handwerklich astrein. Hier werden Hits am Fließband produziert. (3) Die Stakkato Akkorde von ‚Hot Hot Cold Cold‚ werden ja fast schon vom Namen diktiert. Dazu lässt sich im Sommer sicher gut schwitzen. (4) Erstmal ’ne Abkühlung, ein Instrumental. Hier haben die Gitarren endgültig den Gesang verdrängt. Das Ergebnis ist nicht herausragend, lässt aber kurz entspannen, (5) bevor der nächste catchy Song anfängt. Entweder man mag diese dunkle Stimme oder das wird nix mit einer guten Beziehung zu Oum Shatt. Ach, ein Schlagzeug gibt es auch. Drückt dem Stück ’nen fetten Stempel auf und treibt es nach vorne.

Spätestens bei Lied (6) wird der Franz Ferdinand-Vergleich unignorierbar. Wobei Oum Shatt es genauso wenig gelingt wie den Jungs aus Schottland, ein Album ohne langweilige Filler (7) rauszuhauen. ‚Gold To Straw‚ bleibt trotz seines wunderbaren Gitarrenmotivs erschreckend einförmig. Schnell weiter. (8) Ah, jetzt weiß ich endlich, was die alle mit Arab Rock meinen. Die langegezogenen Vokale mit Zeitlupenvibrato kennen die Deutschen wahrscheinlich am ehesten aus der Dönerbude des Vertrauens. Oder ansatzweise aus den vorausgegangenen Songs. Das „Ya Ya Ya“ des Kinderchors erinnert an das letzte Album von Die Ärzte. Die wilde Mischung macht Spaß! (9) Plötzlich Synthesizer, erwartet hier niemand. Schnell wieder die funky Klampfen rausholen. Songwriten können die alten Hasen aus Berlin. Wie? Aus Berlin?!

Dann kommt die vierminütige Stunde des Basses (10). Richtig herausragend ist ‚Tripped Up / Laid Low‚ aber genauso wenig geworden wie das darauffolgende Lied Nummer (11). Erst beim letzten Song (12) zeigt das Quartett nochmal, wie gut es textlichen Inhalt in musikalische Elemente verwandeln kann. Die melodiegewordene ‚Lakonie‚ tropft aus allen Nähten. Könnte zu einem klassischen Western passen. In Loops wird das Album langsam ausgefadet. Die Reise ist zu Ende.

Eine spannende Platte mit massenhaft Ohrwürmern von Gitarrenmelodien. Die Texte scheinen geschrieben worden zu sein, damit man sie rezitiert. Überall sind die vielzitierten orientalischen Vibes zu erkennen. Je öfter man ‚Oum Shatt‘ hört, desto faszinierender wird dieser ganz besondere Mix.

45von5111

Oum Shatt – Oum Shatt
VÖ: 27. Mai 2016, Snowhite Records
www.facebook.com/OumShatt

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