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Veröffentlicht am 16.06.2016 | von Monya

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METHYL ETHEL – Oh Inhuman Spectacle

Methyl Ethel - Oh Inhuman Spectacle CD-Kritik

Eyes rolled back, we lash the runner
You called out to the summer soil and
It’s not that, we’re barely oiled
You crawled back to whip the silence

I climbed up two dozen roses
Each one caught, like a Sunday soldier
Hair tied back, I’ve a tendency to lose it
Round the act, you lost your colour

(Methyl Ethel – Idée Fixe)

Methyl Ethel
aus dem australischen Perth machen nebulösen Dream-Pop. Ihr Debutalbum ‚Oh Inhuman Spectacle‚ klingt luftig, aber nicht auf die sorgenlose Weise. Psychedelic, aber nicht auf die surfy Weise. Art-rockig, aber nicht auf die überladene Weise. Da ist eine nervöse Unruhe, die unter der Haut kitzelt. Eine Nachstimmung, die immer wieder von sonnenwarmen Gitarren und lässigen Beats durchbrochen wird. Es ist der Soundtrack eines Fiebertraums.

Der Opener ‚Idée Fixe‚ exemplifiziert die Spannung, die auf dem Album in der Luft liegt. Erst hört man nur Jake Webbs schillernde, spärliche Gitarren und dringlichen Gesang mit ebenso dringlicher Zweitstimme. Nach einer Weile reißt ein Rauschen aus der Schläfrigkeit, Chris Wrights Schlagzeug und Thom Stewarts Bass kicken ein, lässig und trotzdem mit Nachdruck. ‚Shadowboxing‚ erinnert mit seinen halligen Gitarren zunächst an Meister des komplett dunstigen Klangs wie Diiv oder Beach Fossils, nimmt sich aber immer wieder zurück. Es entsteht ein grandioses Wechselspiel aus gespenstiger Ruhe und flirrendem Reverb, das man auf ‚Oh Inhuman Spectacle‘ des Öfteren hört.

Rogues‚, das neben ‚Twilight Driving‚ schon als Single ausgekoppelt wurde, zeigt Webbs Talent für quälend schöne lyrics über die Vergänglichkeit von Jugend und den Schmerz von Erinnerungen: „I was riding on the coaters of a stranger / who was caught under house arrest / and his room became his tomb / he said don’t want to be a photograph / another photograph in your album / I wanna be a photograph in your doorway / but its ok.“ Dann mehrmals Aliens. Es ist bezeichnend für ein Album, das nicht ganz irdisch klingt. ‚Twilight Driving‘ schwankt so zwischen Traum und Alptraum, zwischen Dur und Moll, dass es sich nach der Wehmut anfühlt, die einen überkommt, wenn man in eigentlich schönen Erinnerungen schwelgt.

Sowieso ist Webbs Gesang in Kombination mit sich wiederholenden Textzeilen schier hypnotisch. Zusammen mit der Instrumentierung hat das ganze Album einen entspannten Groove, der Wiedererkennungswert hat. Vergleiche mit Tame Impala liegen nahe, doch Methyl Ethel machen es sich, ähnlich wie sie, nicht in einer Nische gemütlich, sondern testen musikalische Grenzen aus. Gerade ‚Depth Perception‚ und ‚Also Gesellschaft‚ haben diesen poppigen bzw. funkigen Vibe und die psychedelische Diesigkeit, die an Tame Impala erinnern. Ihr Songwriting ist jedoch speziell genug, um sich allzu einfachen Kategorisierungen zu entziehen. Ihre Einflüsse werden zu spannend gefiltert.

Unbalancing Acts‚ löst mit seinem retro Sitarr-Klang und Harmonien in Richtung Animal CollectivesFeel‚ den Popnebel auf, der über großen Teilen des Albums schwebt. ‚Artificial Limb‚ mit Akustikgitarre, teilweise ordentlich Distortion und beschwingt-stampfigem Rhythmus ebenso. ‚Sweet Waste‚ legt direkt im Anschluss mit einem geschmeidigen Hip Hop-Beat los. Trotzdem passt alles zusammen. Es bleibt träumerisch, mal in Nachtschweiß getränkt, mal sonnengeküsst. Wie das Auf und Ab in einem Fiebertraum eben.

5von5

Methyl Ethel – Oh Inhuman Spectacle
VÖ: 27. Mai 2016, 4AD
www.methylethel.com
www.facebook.com/methylethel


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