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Veröffentlicht am 10.06.2016 | von Lisa Canehl

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PHORIA – Volition

Phoria - Volitation CD-Kritik

It’s you I ask now
Stirring my indulgent sentiment
Don’t, don’t, fall,
You so might as well
Be un-done
Lay low
You’re staining my whole tongue red

(Phoria – Red)

Drei EPs haben Phoria schon veröffentlicht, seit letzter Woche gibt es auch endlich den ersten Langspieler der Engländer: ‚Volition‚ – also „Willenskraft“ – nennt die inzwischen zu einem Quintett angewachsene Band ihr Album. Auf diese haben es auch einige Songs der vorher veröffentlichten EPs geschafft und so gesammelt entsteht endlich ein klares Gesamtbild des selbstkreierten Klanglabors namens Phoria.

Wer bei dem Albumtitel allerdings energetische, antreibende Stücke erwartet, liegt falsch: Vielmehr zeigen Phoria hier auf poetische Weise, dass sie Meister der Zurückhaltung sind – zarte Klanglandschaften, unaufdringliche Beats und sphärische, beinah gehauchte Stimmen sind das Gesamtergebnis von ‚Volition‘. Trotzdem haben ihre Songs etwas Mitreißendes – nicht in der Form, dass die Beine nicht mehr still stehen können, sondern auf meditative, vorsichtige Weise. So zum Beispiel bei ‚Red‚: die ersten Klänge geben dem Hörer eine Chance, sich zu sammeln, bevor der Chorus einsetzt und mit minimalistischen Akkorden und Samples ganz knapp davor bewahrt, in absoluter Lethargie zu versinken. Oder ‚Loss‚, in dessen fragilem, von vorsichtigen Streichern untermaltem Klang man sich problemlos verlieren könnte, würden diese Streicher am Ende nicht doch noch zu einem intensiven orchestralen Klangfeuerwerk anwachsen. Und auch die anderen Stücke sind gezeichnet von Minimalismus auf der einen Seite, andererseits aber so sensibel mit unzählbaren Details versehen, dass das Gesamtergebnis trotz seiner reduzierten Mittel unverhofft effektiv und bedeutungsschwer daherkommt.

Neben Phorias kreativ-verspielter Ausschöpfung der elektronischen Instrumentation, ist vor allem Trewin Howards Gesang entscheidendes Element: Gehaucht, mit den Synths verschwimmend und dadurch wenig greifbar und undefiniert, wartet man manchmal auf ein gesangliches Aufbrechen, was aber auf allen 11 Songs ausbleibt. Das ist aber nur konsequent und damit auch absolutes Charakteristikum von Phoria: den Durst nach Mehr durch pulsierende Klangstrecken antreiben, dabei aber doch immer sinnlich in der Schwebe zu bleiben.

Manchmal verschwimmen die Songs so zu einem undefinierbaren Ganzen, was manchmal etwas schade sein könnte, gleichzeitig aber auch die Kunst der drei Grundschulfreunde Trewin Howard, Jeb Hardwick und Ed Sanderson ausmacht – die inzwischen noch von Tim Douglas und Seryn Burden unterstützt werden. Denn vielleicht schließen solche von Intimität gezeichneten, filigranen Klanglandschaften markante Ohrwürmer einfach aus.

4von5

Phoria – Volition
VÖ: 03. Juni 2016, Humming Records
www.phoriamusic.com
www.facebook.com/phoriamusic

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