Musik no image

Veröffentlicht am 24.10.2016 | von Eva-Marie

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JOHN K. SAMSON – Winter Wheat

John K. Samson - Winter Wheat (Albumcover)

„So your presentation went terrible
All round dongles sweat stains and stares
Leave the tv on with the sound down low, in your underwear

Don’t despair you’ll get it right, tomorrow night
Thunder Bay maybe
Don’t delay your day is short
You can’t afford to wait

I believe in you and your powerpoint
I know why you can’t stay away
Out on Highway 1 with the rental car
And a lot to say

Don’t despair you’ll get it right, tomorrow night
Ithica maybe
Don’t delay our day is short
You can’t afford to wait“

(John K. Samson – Postdoc Blues)

‚Winter Wheat‘ ist die zweite Soloplatte von John K. Samson, die man nichtsdestotrotz als eine Fortsetzung der aufgelösten The Weakerthans empfinden kann. Das liegt ja auch nahe, da Samson für die kanadische Band schon immer federführend war und er sich mit Christine Fellows und Jason Tait zwei Ex-Bandkollegen als Produzenten ins Boot geholt hat. Und auch ansonsten grinst einem schon auf dem Pressebild ganz viel Gewohnheit entgegen. Wo andere Songwriter bemüht verträumt an der Kamera vorbeischauen, schaut Samson lächelnd mitten rein. Hier steht aufrichtiges Understatement.

Es ist ein ruhiges, nachdenkliches Album geworden. ‚Select All Delete‘, der erste Song der Platte, beschreibt einen Hack, den sich wahrscheinlich jeder schon einmal im echten Leben gewünscht hat. Alles markieren und löschen. Die klapprigen Drums bremsen die Gitarre, Überforderung und Neuanfang. ‚Postdoc Blues‘ ist schon alleine wegen der großartigen Zeile ‚I believe in you and your PowerPoints‘ ein Hit, aber auch wegen der eingängigen Gitarrenmelodie. Bei ‚Oldest Oak At Brookside‘ bleibt es beschwingt und selbstironisch. ‚Capital‘ besticht dann wieder durch seine musikalische Wärme, die Gitarre knackt beim Umgreifen und die Melodien wirken ganz nah und lange nach.

Und dann kommt da ‚Vampire Alberta Blues‘, der ganz stark an Neil Young erinnert und seine Geschichte auf verschroben kryptische Weise erzählt. Im Gegensatz dazu steht ‚Fellow Traveller‘, der wiederum sehr leichtfüßig daherkommt. Experimentell wird es bei ‚Quiz Night At Looky Lou’s‘. Der Song ist eine Mischung aus Spoken Word und gesungenem Refrain. Mit dem dröhnenden Hintergrund wirkt er sehr bedrückend und beschreibt diese Ambivalenz aus Banalität und Weltveränderung. Daran schließt sich ‚Alpha Adept‘ an, der auch schon zuvor als Single veröffentlicht wurde. Ein Liebeslied, wie es nur Samson schreiben kann: „All I can say is I’m excited, All I can do is let you know, You are the one I wanna be with, When they return to claim the Earth“.

Es gibt Bands, die begleiten einen eine gewisse Zeit. Manchmal kann man sich gar nicht mehr richtig erinnern, warum man die gut fand, manchmal war einfach die Pubertät zu Ende oder manchmal haben andere Bands den Platz des einstigen Lieblingskünstlers eingenommen. Und manchmal begleiten einen Bands für immer. The Weakerthans sind so eine Band und John K. Samson so ein Musiker. Wie eng das alles miteinander verbunden ist, wird bereits deutlich, wenn man sich die Tracklist in Ruhe durchliest durchliest. Da liest man doch beim letzten Song ‚Virtute At Rest‘ und damit den Namen der Katze, deren Blickwinkel schon zwei Weakerthans-Songs einnahmen. Mit ruhiger Gitarre findet die Geschichte hier ein Ende, vielleicht sogar ein glückliches: „Let it rest, all you can’t change, Let it rest and be done.“ Er bleibt der beste Geschichtenerzähler, ganz ohne Cliffhanger und Schnickschnack.

5von5

John K. Samson – Winter Wheat
VÖ: 21. Oktober 2016, ANTI-Records
www.johnksamson.com
www.facebook.com/johnksamsonmusic

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