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Veröffentlicht am 16.01.2017 | von Jonathan Hirschhäuser

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CHILDISH GAMBINO – Awaken, My Love!

Daylight
I wake up feeling like you won’t play right
I used to know, but now that shit don’t feel right
It made me put away my pride
So long
You made a nigga wait for some, so long
You make it hard for a boy like that to go wrong
I’m wishing I could make this mine, oh

(Childish Gambino – Redbone)

Respekt der Herr! Neben dem Schauspieltum und TV-Produzenten-Dasein schafft es Donald Glover mal eben so eines der besten Hip-Hop Alben des letzten Jahres herauszubringen. Aber langsam. Auch dieser Donald ist kein gewöhnlicher Hollywoodfutzi. Wie anders könnte es sein, wenn sich ein Nebendarsteller aus The Martian oder der Serie Community sagt: „Ich mach jetzt geile Rapmusik!“. Die bisherigen Ergebnisse dieses Entschlusses, bestehend aus zwei Studioalben und diversen Mixtapes und EPs unter dem Namen Childish Gambino, hören sich allgemein recht grün hinter den Ohren an. Erst auf dem letzten Release, der EP Kauai aus 2014, hat Glover die Ich-muss-es-allen-zeigen-Attitüde abgelegt und mit Pop, Funk und Schweigen experimentiert.

Dementsprechend vielseitig ist auch die anfangs erwähnte neue Platte Awaken, My Love! geworden. In elf Tracks lässt Glover modernen Hip-Hop mit Funk, Blues und Soul verschmelzen. Der Vergleich mit Kendrik Lamar ist da unausweichlich. Der Opener Me And Your Mama beginnt mit einem epischen, souligen Intro, welches nach zwei Minuten durch eine Funkgitarre regelrecht zertrümmert wird. Ein Chor schmettert lauthals die Hook und der energiegeladener Glover rappt seine Liebste (your mama) an. Wiederum zwei Minuten später verwandelt sich die Ekstase in ein langsames Jazz-Outro. Geil!

Auch die meisten anderen Tracks auf Awaken, My Love! ziehen ihre Stärke aus diesen drei Elementen: Als erstes sind die Power-Soul-Einlagen auffällig. Sie erzeugen über das ganze Album eine Intensität, die nur durch die vielen instrumentalen Parts gebremst werden kann. Diese zweite Komponente besteht aus einer guten Portion Funkgitarre und groovenden Basslines, zusammen mit dem schon erwähnten Schweigen. Es scheint, als würde Glover seine Stimme nur noch in den richtigen Stellen einsetzen wollen. Dieses letzte und wichtigste Element setzt der ganzen Platte ihren Stempel auf: Im anderen Überhit des Albums, Redbone, bis zur Unkenntlichkeit in eine feminine Stimme verzerrt; als halbernste Autotune Klage in Zombies. Features sind rar gesät und passend gewählt. Das unfassbar gute Outro in Terrified liefert ein Neunjähriger ab. Der einzige, dafür aber schwer verzeihbare Mangel ist California. Jeder weiß, dass dieses unnötige Stück Musik nervt und anstrengt.

Awaken, My Love! ist ein herausragendes Album geworden. Der alte Hau-Drauf-Einstellung ist vergessen. Die Instrumenals sind fantastisch und die allgemeine Stimmung ist phänomenal. Glovers Gesang ist beachtlich und die Texte sind es wert, nachgeschlagen zu werden. Nach diversen kommenden Leinwandauftritten können wir uns schon auf das nächste Album von Childish Gambino freuen.

Childish Gambino – Waken, My Love!
VÖ: 2. Dezember 2016, Glassnote
www.iamdonald.com
www.facebook.com/Childish-Gambino-183902961668587

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