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Veröffentlicht am 12.01.2017 | von Janina Sommerlad

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FOXYGEN – Hang

Merry Christmas from the pines
Hallelujah, amen
Just another wish, just another dream
Just a witch who comforts you when you’re dying
When you’re dying

America
America

I cry, Lord, to have used you
How could I, of all, to have used you?

If you’re already there
Then you’re already dead
If you’re living in America, whoa
Our heroes are bred
They just got nothing to lose
Because they’re all living in America, whoa
In America, whoa

(Foxygen – America)

Weird. Weirder. Foxygen. Jonathan Rado und Sam France überraschen mit ihrem 5. Studioalbum Hang, das sich (wie alle Alben zuvor) auf unberechenbare Weise abseilt und mit diesem neuen, sehr jazzigen Stil für ein ungewohntes Hörerlebnis sorgt. An was liegt’s genau? Wahrscheinlich an dem 40-köpfigen Symphonieorchester, das mit imposant-festlichem Klang in ein gar weihnachtliches Wonderland führt. Ein Wonderland mit weniger Flower-Power und einprägsamen 60s tunes (We Are the 21st Century Ambassadors of Peace & Magic, 2013), weniger gedehntem 80-Minuten-Material (…And Star Power, 2014) und dafür mehr Hang zu Jazz, Swing, Glam und Broadway Musical.

Vor dem Album ist nach dem medialen Auftritt. So erscheint auf Twitter und Facebook zunächst ein H im Wald. Es folgt ein A neben einer Frau im Wasser. Ein N schwebt über France’s blutigen Pulsadern. Das malerische Cover mit Galgen und einem N löst das Rätsel. Nachdem die Follower den Titel des neuen Albums (in teils makabren) Bildhäppchen serviert bekommen haben, können sie entscheiden, ob sie zum Sound “abhängen” wollen… oder sich lieber „aufhängen“. Vielleicht soll der Erscheinungstermin (20.01.2017) und gleichzeitig Tag der Amtseinführung von Donald Trump in dieser Frage leiten?

If you’re already there, then you’re already dead” heißt es jedenfalls im längsten Lied mit dem Titel America, das bereits im Oktober 2016 veröffentlicht wurde. Im Video flimmern France und Rado als dunkle Gestalten im düsteren Wald. Düster und intensiv ist auch die Musik – gespenstischer Krimi spielt hier im Wechsel zu heiterem Dollhaus-Zirkus und sanftem Nussknacker-Ballet. Skurril aber beeindruckend.

Make America great again? Funktioniert vielleicht mit dem fröhlichen Albumopener Follow The Leader, der zwischen Swing und Easy Listening schwingt. „Es war ein Riesenspaß den Song zu schreiben. Es ist eine positive Hymne mit einigen lyrischen Szenarien, die wir selbst nicht ganz verstehen.“ „Nicht ganz verstehen“ trifft wohl auch auf das Video dazu. Darin tanzt die Band mit Tänzer/innen im Park und auf dem Spielplatz und bietet viel Inspiration für das nächste High School Musical. So wahllos und verwirrt, so Foxygen.

Everyone has its own trauma“ ertönt es im vorletzten Song Trauma, das am ehesten an den bekannten, magischen Sound der Kalifornier anknüpft. Ähnlich wie das psychedelische Cosmic Vibrations im Vorgängeralbum, nimmt uns Trauma – hier natürlich im Big Band Modus – endlich mit in die Tiefen von Hang. “Trauma, yeah, uhhh” hallt es im Ohr und beschert ekstatische Momente.

Während sich Jazz in On Lankershim mit Country vermischt, Avalon teilweise in popige ABBA-Sphären abtaucht, Upon A Hill an Tim Curry’s exzentrische Figur und Stimme in der Rocky Horror Picture Show erinnert, liefert Rise Up erneut jazzigen Broadway-Touch, bei dem das Orchester zum Schluss noch einmal so richtig aufdrehen darf.

Wo ist Foxygen geblieben, denkt man sich beim ersten Hören. Vielleicht auch beim zweiten und dritten Mal. Das Album benötigt viel Aufmerksamkeit, man muss sich vorsichtig herantasten. Das Orchester steht nämlich klar im Vordergrund, nur Frances gewohnt-abgedrehter Gesang und die Vermischung verschiedener Stile transportieren vertraute Momente. Keine Frage, Hang ist kreativ und originell aber dennoch schreien nur sehr wenige Songs nach “repeat”, sind fesselnd oder aufregend. Vielleicht dann doch etwas zu viel Big Bang in Hang?

Übrigens: Neben dem Orchester, das von Trey Pollard und teilweise auch von Matthew E. White arrangiert wurde, sind als weitere Gastmusiker die Lemon Twigs und Steven Drozd von den Flaming Lips mit dabei. Geschrieben und produziert wurde das neue Album von Foxygen in Los Angeles.

Foxygen – Hang
VÖ: 20. Januar 2017, Jagjaguwar
www.foxygentheband.com
www.facebook.com/foxygentheband

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