Kritik no image

Veröffentlicht am 13.01.2017 | von Sophia Sailer

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SOHN – Rennen

I can feel it coming over the hillside
It’s a valley fire and it’s coming to burn us down
Like a rushing comet bound fort he planet
And we’re dinosaurs living in denial

I can feel it coming, we can never go back
We can never go back
I can feel, I can feel it coming
We can never go back
I can feel it coming, we can never go back
I can feel…

(SOHN – Conrad)

Rennen – es ist das neue und damit zweite Album des seit der ersten Stunde geliebt und gefeierten Musikers SOHN. So manches hat er seitdem hinter sich gelassen: seinen Zufluchtsort Wien zum Beispiel, oder aber den Zwang, seine Musik bis ins Unendliche zu perfektionieren. Heute lebt Christopher Taylor, der eigentlich aus London kommt, in Los Angeles, gründete inzwischen eine Familie und hat so einige Jobs als Produzent (z. B. das neue Banks-Album) hinter sich. Die zwei letzten Jahre seit seinem Debüt Tremors mögen also oberflächlich ruhig gewirkt haben, für ihn selbst waren sie jedoch alles andere. Vielmehr glichen sie einem Sprint durch verschiedene Lebensphasen, Arbeiten und Gefühle – die Namensgebung seiner neusten Arbeit liegt also nicht fern.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, seit dem Debüt habe sich nicht viel getan: Noch immer baut er auf die glasklare Mischung aus mal aufs Minimalste reduzierte elektronische Klänge, die sich aber häufiger zu vielschichtigen, überwältigenden Sound-Konstrukten aufschwingen. Dieses verwebt er mit seiner reinen Stimme zu einer Symbiose zwischen Soul, R’n’B und Electropop.

Auch auf Rennen bleibt es melancholisch, ganz ohne träge zu wirken – gerade in der Singleauskopplung Conrad demonstriert SOHN, was er am besten kann: Seine Lyrics, die Emotionen ohne Umschweife entwaffnend ehrlich formulieren, nicht untermalt, sondern zusammenarbeitend mit einem eklektischen Soundgefüge, das pochend, antreibend und energetisch wirkt. Dabei handelt das Lied vom Rechtsruck in Österreich, dadurch begründete und einhergehende Ängste und auch in seinen anderen Titeln behandelt er ähnlich schwere Themen. Darunter zum Beispiel Still Waters, der von der Sehnsucht nach einer Mutter handelt und musikalisch Gospelelemente aufgreift. Auch Hard Liquor ist ein Paradebeispiel für die Entwicklung, die SOHN zwischen 2014 und heute durchmachte: Viel präsenter, lauter und eindringlicher ist er heute. Man könnte auch sagen: Mutiger.

Da erscheint der Titelsong des Albums Rennen verhältnismäßig zurückhaltend und zierlich, finden sich doch auf dem Album noch einige weitere Songs, die überraschend aufdringlich ausgefallen sind (Primary, Conrad). Das ist eine Veränderung, an die man sich definitiv erst gewöhnen muss und für Tremors-Fans zunächst abschreckend wirkt. Hat man diesen Punkt jedoch einmal überschritten, öffnet einem SOHN erneut die Türen zu einer wunderbaren schlüssigen Platte, die einem bei jedem Mal Hören eine neue Facette zeigt.

SOHN – Rennen
VÖ: 13. Januar 2017, 4AD
www.sohnmusic.com
www.facebook.com/SOHN

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