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Veröffentlicht am 5.04.2017 | von Eva-Marie

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JULIEN BAKER – Sprained Ankle


Foto-© Nolan Knight

I know you’re sleeping by now
But I’m still up walking around
The walls of my skull bend backwards
And in like a labyrinth

I knew I was wasting my time
Keep myself awake at night
Cause whenever I close my eyes
I’m chasing your tail lights
In the dark
In the dark
In the dark

(Julien Baker – Something)

Wenn man es ganz genau nimmt, ist das schon der dritte Release dieser Platte, denn Sprained Ankle erschien vor zwei Jahren zuerst auf der Bandcamp-Seite von Julien Baker, dann beim Label 6131 Records und nun schließlich bei Matador Records. Auf diesem Weg ging die Platte durch viel Hände, wurde von der New York Times abgefeiert und nun hiermit auch endlich weltweit veröffentlicht.

Schon seit zwei Jahren schwirren ihre Songs durch das Bewusstsein. Die Platte birgt eine beinah unerträgliche Nähe in sich, als würde man Julien Baker heimlich beim Singen und Gitarre spielen über die Schultern schauen. Die Stimme ganz nah am Mikrofon und das eindringlich liebliche Dröhnen der Gitarre erzählen ihre Geschichte – ganz unprätentiös. In der guten halben Stunde, die das Album andauert, wird der Kloß im Hals immer größer und man versinkt ganz tief in seine Sitzgelegenheit. Mit 19 solche Songs schreiben? Klar kennt jeder die eigenen persönlichen Wachstumsschmerzen, aber ob man das jemals so auf den Punkt hätte bringen können? Wahrscheinlich nicht.

Die Suche nach Identität beginnt mit Blacktop und der Suche nach Liebe. Behutsam zupft sie die Seiten, beugt sich nach vorne und lässt die Worte darüber stehen. Spätestens bei Brittle Boned ist man den Tränen nahe, weil Julien ihre Geschichte so eindringlich erzählt. „Pulse is slow, faint metronome on my left side beneath my protruding spine / You can hardly hear at night / White flag, blindfold covering my sunken eyes / And a line of rifles aimed at my sick mind /Cause I’m so good at hurting myself“. Zeilen, die direkt ins Mark treffen und dennoch nicht unangenehm pathetisch wirken. Erst mit Everybody Does hellt die Stimmung ein bisschen auf, wenn sie entschlossen die Saiten anschlägt. Hey, Scheitern ist okay. Das macht jeder. Wenn man das mal schon mit 19 gewusst hätte.

Julien Backer spielt mit den Ambivalenzen und erschafft dadurch so bedrückend schöne Songs wie Something. Ein tieftrauriger Liebessong über das Gefühl, dass man etwas gefunden hat, nach dem man sich schon so lange sehnt und darüber, wie es wieder verschwindet. Ein Ende findet die Platte mit Go Home – einem Song am Klavier. Wenn die letzten Töne gespielt sind, bleibt man noch ein bisschen sitzen und verharrt in dem verwirrend schönen Gefühl. Falls es was nützt, darf die Platte gerne noch ein paarmal veröffentlicht werden.

Julien Baker – Sprained Ankle
VÖ: 17. März 2017, Matador Records
www.facebook.com/julienbaker

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