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Veröffentlicht am 31.05.2017 | von Lara

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KRAFTKLUB – Interview

Foto-© Philipp Gladsome

Die Chemnitzer Jungs von Kraftklub veröffentlichen am 2. Juni ihr lang ersehntes drittes Album Keine Nacht Für Niemand. Da darf natürlich ein Promo-Tag nicht fehlen. Wir hatten einen noch etwas verschlafenen Steffen morgens um 10 Uhr am Telefon und sprachen mit ihm über das neue Album, kontroverse Songs und ihre Fans.

Euer drittes Album Keine Nacht für Niemand erscheint bald im Juni. Fühlt ihr euch bereits sehr routiniert oder ist es immer noch aufregend?
Es ist ja erst unser drittes Album, deswegen schleicht sich Routine nicht ein. Beim ersten Album haben wir viel im Studio geschrieben und viele Konzerte gespielt. Beim zweiten hat alles ewig gedauert und bei diesem Album haben wir uns mehr Zeit genommen. Wir sind natürlich aufgeregt, aber weniger wegen der Platte, sondern weil die Konzerte wieder losgehen. Das wird spannend.

Verspürt ihr irgendwie Druck, sich als Band weiterentwickeln zu müssen oder seid ihr ganz relaxt?
Ja. Der Druck kommt aber nicht von außen, sondern mehr von uns aus. Wir wollen uns eben in eine Richtung bewegen nicht stehen bleiben. Nach dem ersten Album haben wir uns viel Stress gemacht. Wir hatten nicht mit diesem Erfolg gerechnet. Bei der neuen Platte haben wir uns von dem Druck etwas befreit und einfach mehr ausprobiert.

Euer Debütalbum war ja sehr humorvoll und Party lastig. Das zweite war bisschen ernster. Gibt es so ein Großthema oder Konzept, das zu eurem dritten Werk passt?
Also ein großes Konzept gab es nicht. Wir haben uns die Songs angesehen und geschaut, was für alle passen könnte. Wir haben die Nacht als Thema gewählt und was man alles damit verbindet.

Wahrscheinlich auch schlaflose Nächte?
Ja, wir haben auch in der einen oder anderen Nacht nach den Aufnahmen recherchiert, was das genau bedeutet (lacht).

Gab es auch dieses Mal Dinge oder Personen, die euch inspiriert haben?
Mit der Inspiration ist schon schwierig, da wir alle Einfluss darauf haben. Karl hat viel Neunziger Indie gehört und ich glaube, das hört man bei vielen Songs raus.

Ton Steine Scherben hatte doch einen Einfluss auf euch.
Ja, wir haben den Titel dran angelehnt. Aber das Album ist eher ein Querschnitt von dem, was wir so in der Vergangenheit gehört haben.

Ihr habt ja öfters auch politische Themen in euren Texten aufgegriffen wie bei Schüsse in die Luft oder jetzt aktuell Fenster. Würdet ihr euch selbst als politisch bezeichnen?
Ja schon. Am Anfang haben wir gesagt, dass wir es vermeiden wollen, politisch zu sein, aber wir haben schnell gemerkt, dass das gar nicht geht. Es ist schwierig, Kunst von Politik zu trennen, da müsste man sehr oberflächlich sein.

Also ihr habt keine Lust, nur über Liebe und den Alltag zu singen?
Beim ersten Album haben wir viel über uns erzählt, woher wir kommen, was mir machen. Unser neues Album ist zum geringen Teil autobiographisch, sondern erzählt eher von unserem Umfeld. Alles, was in unserer Umgebung passiert, dokumentieren wir.

Meint ihr, ihr könnt auch die Jüngeren durch eure Musik zum Denken anregen?
Wir versuchen zu vermeiden, zu sagen, was richtig oder falsch ist. Wir geben einfach unsere eigene Meinung wider. Jeder sollte für sich rausfinden, was richtig ist. Wir wollen eine Generation ansprechen, aber nicht für sie sprechen.

Ihr seid ja für eure humorvollen Texte bekannt: Zuletzt wurde der Track Dein Lied aber kontrovers aufgenommen. Wie habt ihr das wahrgenommen?
Ja, das stimmt. Teilweise war der Song sehr umstritten, auch zu Recht. Viele hätten das nicht von uns erwartet, dass wir einen Song machen, der musikalisch wie textlich anders ist. Da war die Empörung schon groß, als wir zum ersten Mal Schimpfwörter benutzt haben. Es ist eigentlich nur eine Geschichte, die Felix erzählt. Sie ist auch gar nicht auf einen von uns bezogen, sondern sie erzählt von einem verzweifelten jungen Mann, der so tut, als würde er mit der Welt klarkommen, aber es natürlich nicht tut. Er sieht nichts anderes, als seine Freundin zu schmähen, was natürlich so nicht korrekt ist und wir so auch nicht machen würden. Es war aber für uns die einzige Art, den Song so zu gestalten.

Na, normalerweise habt ihr ja einen Twist in euren Songs, mit dem ihr euch eigentlich selbst aufs Korn nehmt. Das fehlt hier aber. Was sagt ihr den zu der Kritik, dass der Song eigentlich nur beleidigend und sogar frauenfeindlich ist?
Wir hatten überlegt, einen Dreh zu machen, also zu sagen: „Hey, war natürlich nicht so gemeint.“ Aber der Protagonist in dem Song meint es eben so und es hätte nicht anders funktioniert. Dass so etwas Frauenfeindliches rausrutscht, ist natürlich total übertrieben. Im Nachhinein kann ich aber verstehen, dass so etwas schwierig ist.

Würdet ihr es im Nachhinein anders machen oder steht ihr dazu?
Nein wahrscheinlich nicht. Wir haben lange überlegt, es anders zu machen, aber das hätte, wie gesagt, nicht funktioniert. Wir hatten gehofft, dass mehr Leute den Song verstehen, wie wir ihn verstehen, aber hat eben nicht geklappt. Ist bisschen schade, aber na ja.

Das neue Album ist nicht mehr so „Indie“ wie die letzten zwei, aber immer noch rockig. Könnt ihr euch vorstellen, auch mal ein sehr elektronisches oder Hip Hop fokussiertes Album zu machen?
Es kommt drauf an, wie wir uns als Einzelne so entwickeln. Felix kann halt nicht singen, ich kann nur Gitarre spielen. Wir kommen von der alten Gitarren-Musikschule. Wenn wir irgendwann Lust haben, mit Synthesizern rumzuspielen, würden wir das durchaus machen.

Würdet ihr gerne mal für einen Track mit anderen Musikern kooperieren und wenn ja mit welchen?
Felix schwärmt davon, für Helene Fischer einen Song zu schreiben, aber ich weiß nicht, ob er das so ernst meint (lacht). Wir haben eigentlich für das neue Album mit Künstlern zusammengearbeitet, mit denen wir zusammenarbeiten wollten. Manche hört man sofort raus, andere eher weniger.

Ihr macht euch auch über euch selbst lustig als quasi deutsche Popstars. Wie geht ihr mit dem ganzen Fanhype um?
Ich muss sagen, wir hatten ziemliches Glück mit unseren Fans. Bei anderen Kollegen ist das vielleicht etwas exzessiver, aber bisher hatten wir keinen Stress, dass uns zum Beispiel aufgelauert wird oder dergleichen.

Habt ihr auch viele Fans außerhalb Deutschland?
Wir haben uns durch unsere deutschen Texte selber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben zwar öfters im Ausland gespielt, zum Beispiel in London zweimal, aber das ist mit hier nicht zu vergleichen. Wir würden schon gerne mehr im Ausland spielen.

Habt ihr euch denn bewusst entschieden, deutsch zu singen?
Wir hatten damals ohne Felix eine Indie-Band mit englischen Texten. Man hat das eben so gemacht und es klang viel cooler. Felix hatte schon damals auf deutsch gerappt. Irgendwann lag es einfach nahe, dass wir das, was wir zu sagen hatten, besser in unserer Muttersprache ausdrücken können.

Euer Kosmonaut Festival startet ja auch wieder Mitte Juni. Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee, ein eigenes Festival zu organisieren?
Damals sind wir extrem viel getourt. Wir waren wirklich auf jedem Uni-Festival, denn jedes Kaff hatte ein eigenes. Wir haben uns dann gefragt, warum es eigentlich keins in Chemnitz gibt und die Sache selber in die Hand genommen.

Kommt man nicht in Versuchung, jedes Jahr selbst aufzutreten?
Wir wollten vermeiden, dass man denkt, das Festival drehe sich um uns. Es soll etwas ganz Eigenständiges sein. Natürlich juckt es aber schon in den Fingern, dort jedes Jahr zu spielen.

Dieses Jahr würde es sich ja anbieten?
Ja, dieses Jahr würde es sich anbieten, aber die Veranstalter wollten einfach nicht genug Kohle zahlen (lacht).

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