Reviews

Veröffentlicht am 14.02.2018 | von Dennis Möller

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GEOWULF – Great Big Blue

Saltwater in the afternoon
So scared of seeing you
Saltwater at the end of Spring
So tired of hiding me

(Geowulf – Saltwater)

Ihr wollt den Sommer zurück? Bei gegenwärtigen Fünf Grad unter Null schreibe ich über Geowulf, eine Band, die ihn locken wird, ganz bestimmt. Dabei bringen die vielversprechenden Newcomer mit ihrem Debüt-Album Great Big Blue nicht nur den Sommer zurück, sondern auch die 80er. Sie suchen den Sound und die Leichtigkeit dieser Epoche. Dass das gerade jeder versucht, ist einer der wenigen Makel dieser Band. Wobei man nicht von einem Makel sprechen sollte, denn sie machen das hervorragend. Sie können gar nicht anders.

Star Kendrick und Toma Banjanin sind die berühmte Sandkastenliebe. Und zwar nicht irgendeiner; ihr Sandkasten war die Australian Sunshine Coast und das hört man. Im offiziellen, low-budget Video zu Don’t Talk About You performen, tanzen und schlendern Toma und Star durch ein dreckig-rauschendes 4:3 Berlin, – doch ihre Musik wirkt total deplatziert. Sie fliegt viel eher über die graue Metropole hinweg und erzählt von Strand, Meer und … Sommerbier? – Das hat zumindest die Marketing-Leitung von Corona-Bier so gesehen und prompt den Song Saltwater für einen ihrer Stock-Werbe-Unfälle gekauft.

Haben wir es also mit Kommerz-Pop zu tun? Nicht, wenn man in Drink Too Much Star singen hört: „I will kill myself in trouble, when i drink too much, think too much.“ … Einen Song, den Corona wohl nicht kaufen würde. Das offizielle Video – weitaus besser produziert als das aus Berlin – hüllt sich in frisch-kunterbunte Farben und hat gleichzeitig eine graue Ebene, die sich mit den Gebrauchsspuren durch Alkohol-Konsum auseinandersetzt.

Geowulf ist damit mehr als naiver Pop. Die Texte tragen Wehmut und Sehnsucht in sich. Eine Mischung aus Lana Del Rey und Mazzy Star. In Great Big Blue geht es um Weite, Fernweh und lange Flüge. Man schaut aus dem Flugzeug-Fenster und sieht endlose Wolkenfelder, nie enden wollendes Blau. Star und Toma lebten während der Produktionszeit in einer Fernbeziehung zwischen Australien, London und Berlin. Ständig über den großen blauen Riesen hinweg, schienen sich die Gedanken in fast bis zum Übermaß ausgereizten Reverbs zu verlieren.

Doch das Wasser und der Sommer werden es richten. „Come to the ocean. Even when you’re broken. Come to the water. Let it wash you over.“ – und dazu will Geowulf auch seine Hörer/innen auffordern. Und wenn man sich das so anhört, hat man das Gefühl in einer dieser endlosen Tumblr-GIFs festzustecken, die sich nie verändern: Eine Strandszene, die immer wieder von vorne beginnt. Dieses Album klingt nicht nur nach Sommer und die 80er, es klingt auch nach dieser, im Internet auftretenden Retro-Liebe namens „Vaporwave„: Eine nostalgisch-verliebte Annäherung an die analoge Technik und die Bilder und Sounds, die es erschuf (wen es interessiert, unbedingt mal auf tumblr danach suchen). Ich komme nicht umhin eine Parallele zu erkennen. Beweise habe ich auf ihrer Facebook-Seite gefunden: Dort haben sich die beiden auf Konzerten – wieder einmal in 4:3 Analog-Effekt filmen lassen – und auf einem Video sieht Star Kendrick aus wie eine Reinkarnation von Fleetwood Mac-Sängerin Stevie Nicks, begleitet von den Synthesizern aus Vice City.

Vaporwavischer Dream-Pop also und damit verdammt en-vogue! Wem das gefällt und wer sich nach Sommer, Sonne, 80er und Retro sehnt, ist bei Geowulf mehr als aufgehoben. Er darf das Grau kurz hinter sich lassen, er darf träumen, er darf sich kritisch mit seinem Alkohol-Konsum auseinandersetzen, ins Wasser springen und, man muss das hier endlich mal anerkennen, verdammt gute Songs hören.

Geowulf – Great Big Blue
VÖ: 16. Februar 2018, 37 Adventures
www.geowulf.co
www.facebook.com/geowulfmusic

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