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Veröffentlicht am 28.05.2018 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – Juni

War der Mai noch prädestiniert für gute neue Musik und unendliches Fiebern auf diverse Veröffentlichungen, gilt im ersten Teil des Monat-gewordenen Sommerlochs Juni: Klasse statt Masse. Die deutsche Nationalelf hört eh nur Helene/Schrott – damit ihr das nicht tun müsst, haben wir für euch in der Veröffentlichungssuppe folgende Highlights herausgefischt. Auf gut Deutsch: #nomnomom

1. Ben Howard – Noonday Dream (VÖ: 01.06.2018)

Kann ein Monat musikalisch ein schlechter sein, wenn nach vier Jahren harter Abstinenz endlich ein neues Ben Howard-Album erscheint? Ein klares Nein, auch wenn schon die Bio zu Noonday Dream Probleme wie Perlen bei einer Kette aufreiht. Hier wollte er sich an Dichtkunst annähern, dort ist er auf Reisen zur Studie von nicaraguanischer Poesie gescheitert, dann ging er mit halbfertigen Notizen zurück in eine Hütte und die Songs wurden komplett umgekrempelt. Dazu erinnert sich Ben im Times-Interview: „Die Songs haben sich in der Hütte dramatisch verändert. Es war ein interessanter Prozess, sesshafter als je zuvor zu sein. Ich sah Rehe wiederkommen, drei Tage vor jedem vollen Mond. Ich beobachtete das Wetter, wie es ich in seine Zyklen veränderte. So vieles passiert in der Wildnis, über was wir uns keine Gedanken machen“ – na dann, alles klar! Letztlich ist das neue Ben Howard-Album ein weiterer Schritt weg aus dem Scheinwerferlicht und ein bisschen macht er damit den Bon Iver-Move des letzten Albums. Das ist dann vielleicht nicht ganz so großartig wie noch bei I Forgot Where We Were – aber zumindest wie ein langerwartetes Wiedersehen mit alten Freunden!

 

2. Father John Misty – God’s Favorite Customer (VÖ: 01.06.2018)

So lange wie Ben Howard ließ sich Father John Misty nicht bitten und schiebt schon nach nur einem Jahr der Pure Comedy das nächste Kapitel seines Schaffens nach. Das macht für uns 10 neue, großartige Songs dieses großartigen Entertainers, der seinen Sound gefunden hat und sich in seiner Ecke gemütlich einrichtet, ohne aber an Qualität einzubüßen. Große Geste hier, wenn auch inhaltliche Reflexion des eigenen Ichs als Thema vorgegeben ist. Aber FJM wäre nicht FJM würde nicht an jeder Ecke auch der Schelm mit etwas Absurdem auflockern. Weiter so!

 

3. Lump – Lump (VÖ: 01.06.2018)

Ein tanzender roter Fellbüschel, eine ungewöhnlich bekannt wirkende Stimme, ein dichter Sound, getragen von Gitarren – der erste Song, das erste Video von LUMP war direkt ein Monumentum, das zeigte: diese Kooperation verheißt eines der spannendsten Alben des Jahres! Denn hinter dem knappen Namen verstecken sich die Grammy-nominierte britische Vorzeige Songwriterin Laura Marling und Mike Lindsay, seines Zeichens Gründungsmitglied von Tunng und Throws. Auf den ersten Blick keine auf der Hand liegende Kombination, doch die ausufernden und sich jedem Umweg hingebenden Kompositionen Lindsays, sowie Marlings Gesang als emotionales Bindemittel sorgen für durchweg spannende, wenn auch teilweise etwas anstrengende Songs, die man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

 

4. Florence And The Machine – High As Hope (VÖ: 29.06.2018)

Für Florence Welch geht es seit ihrem Debüt immer nur steil bergauf, trifft ihr Gesangsorgan doch anscheinend genau in die linke Brustseite, während die breite Masse sich auf ihre rhythmisch groß anmutenden Pop-Melodien einigen kann. Liebe, Hass, Besessenheit, große Melodien und eine große Stimme, die man unter tausenden wiedererkannt. Wir sind gespannt und haben seit der ersten Single Hunger auch wieder ordentlich Kohldampf auf mehr Musik von Florence und ihrer Maschine! Kein Wunder haben doch an der neuen Platte Kollaborateure wie Kamasi Washington, Sampha, Tobias Jesso Jr. oder Jamie xx mitgewirkt!

 

5. Lykke Li – So Sad So Sexy (VÖ: 08.06.2018)

Auch unsere nordische Lieblings-Melancholikerin Lykke Li kehrt nach einiger Zeit der Ruhe mit neuem Album zurück. War sie bisher immer eine Bank was kühle Anmutung und angenehm andersartige Pop-Entwürfe anging, ließt sich schon die involvierte und sehr lange Produzentenliste abschreckend und zeigt, dass die Schwedin für So Sad So Sexy eher das amerikanische Mainstream-Radio im Blick hat. Zumindest scheint die All-Season-Sadness-Peitsche hier nun vermehrt zu sexy R’n’B-Vibes zu schwingen – wir sind gespannt und haben ein bisschen Angst…

 

Newcomer:

1. Snail Mail – Lush (VÖ: 08.06.2018)

Wir sind hart in love, so sehr, von hier nach Baltimore. Dort wo auch schon solche Herzensbands wie Beach House oder Future Islands herkamen, von dort weht der nächste tolle Indie-Act über den Gehörgang direkt ins Herz herüber. Das Debüt der gerade mal 18-jährigen Lindsay Jordan hält aber auch einfach extrem viel für uns bereit: erfrischend entspannte Coming-of-Age-Entwürfe über das Chaos des Erwachsenwerdens, sich immer wechselnde Trends, peinliche Haus-Partys, die ersten Beziehungen, die ersten schmerzhaften Trennungen. Jordan ist dabei Puppenspieler, Erzähler, Gitarrengöttin und Sympathieträger in einem und damit in einer Reihe von Car Seat Headrest, Lucy Dacus, Soccer Mommy und Co das nächste Hoffnungsvolle Indie-Talent aus USA.

 

2. Jorja Smith – Lost & Found (VÖ: 08.06.2018)

Jorja Smith machte sich mit ihren Kollaborationen mit Drake, Kendrick Lamar oder auch Stormzy einen Namen und heimste zuletzt mit dem Gewinn des 2018er BRIT’s Critics Choice Awards die Krönung ein. Sie ist das R’n’B-Versprechen für 2018 und verschmelzt Beats, Rap, Pop mit ihrer jugendlichen Ausstrahlung, Storytelling und fundierten Meinungen. Und das mit gerade mal 20-Jahren! Hört sich manchmal an wie Lauryn Hill, mal mehr nach UK-Garage Sound, mal nach Soul. Klingt immer spannend!

 

3. Matt Maltese – Bad Contestant (VÖ: 08.06.2018)

Südlondon ist gerade ein heißes Mekka für interessante Newcomer und auch der Anfang 20-jährige Matt Maltese ist einer dieser vielversprechenden Acts, der sich in der Szene um Goat Girl, Shame, King Krule oder Loyle Carner breit macht. Doch während die anderen mit ihrer rotzigen Attitüde anecken, orientiert sich Maltese vielmehr am Sound von Leonard Cohen oder Jarvis Cocker, liebäugelt mit anmutigen Jazz- und Orchester-Kompositionen und wirkt hier und da wie ein britischer Auszug aus dem La La Land-Soundtrack. Gentleman-like, große Melodien und 100% Anmut – spannender war britische Pop-Musik selten in den letzten Jahren!

 

Wiederkehrer:

Durand Jones & The Indications – Durand Jones & The Indications (VÖ: 16.03.2018)

Ursprünglich schon 2016 veröffentlicht, erschien das großartige selbstbetitelte Debüt von Durand & The Indications Mitte März noch mal international via Dead Oceans – ein Glück! Sonst wären wir wohl nicht auf diese hoch gelobte Band aus Indiana aufmerksam geworden und hätten dieses Album, getragen von dem souligen Organ von Frontmann Durand Jones, verpasst. Nun aber tauchen wir in dieses Werk ab, das schon direkt in Sphären von James Brown, Otis Redding oder Charles Bradley gehoben wurde. Soul, Jazz und Gospel-Anleihen, gemixt zu einem einmalig eingängigen Entwurf, der so Vintage und gleichzeitig einnehmend zeitlos wirken, dass man sich gar nicht satt hören kann!


Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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