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Veröffentlicht am 16.05.2018 | von Jonathan Hirschhäuser

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ICEAGE – Beyondless


Foto-© Steve Gullick

Most when it’s almost like a bane
You arrive like a siren refrain
Like death, she takes everything
And dazes me like patent medicine
Into this strange divine
The road was serpentine
A network of silken threads
Spider’s trapping web
Makes me rue the day

You became my pain killer
I rue the day
Alright, alright, alright

(Iceage – Pain Killer)

Iceage sind ein Kopenhagener Post-Punk Quartett, das mit den ersten drei Alben einen beachtlichen internationalen Erfolg feiern konnte. Puristische Gitarrenmusik mit der dominierenden Stimme von Sänger Elias Rønnenfelt, die wohl zur richtigen Zeit (Stichwort: Untergang der Rockmusik) gekommen ist. Doch auch sie verheddern sich im ewigen Dilemma des Genres: nicht immer den gleichen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Sound spielen zu wollen. Also müssen neue Instrumente die Klangwelten erweitern.

Die neue Platte Beyondless nimmt zwar den bekannten Sound der Vorgängeralben auf und verknüpft ihn mit Bläsern und Streichern. Nicht dass Iceage nun Pop machen würden – eine gewisse Abwechslung in der weiterhin sehr durch diverse Gitarrenspuren geprägten Musik haben die Dänen aber durchaus erreicht. In Take It All, dem vielleicht stärksten Song des Albums, wird aus den neuen Möglichkeiten eine wunderschöne Ballade gezaubert. Streicher sorgen in der ersten Hälfte für Spannung, geben den ruhigeren Gitarren Platz. Im weiteren Verlauf entfalten sich die Harmonien, es scheinen immer mehr orchestrale Elemente hinzuzukommen. Der Song entwickelt sich zu einem Höhepunkt hin, der an Radioheads neuere Werke erinnert. Das darauffolgende Showtime setzt auf Bläser als Kontrapunkt zu der typischen Rockinstrumentierung. Die sehr jazzige, aber dezent eingesetzte Trompete macht sich gut im Zusammenspiel den langsamen Riffs. Doch nach zweieinhalb Minuten kommen Posaune und Saxophon hinzu und das ganze wandelt sich in eine Art Polka, in der alles drunter und drüber zu gehen scheint.

Diese Unstimmigkeit aus neuen Ansätzen, die teils funktionieren, die Band andererseits aber auch in wirren Konstellationen sich verrennen lassen, machen Beyondless aus. Sie lassen es anstrengend und nicht zu Ende gedacht werden, obwohl viele Songs isoliert zu glänzen beginnen. Iceage stehen an der Schwelle: Entweder sie fallen niveautechnisch auf ihrem nächsten Langspieler in die große Egal-Schublade des Rock. Oder sie kriegen die Kurve, meistern neue Klangwelten und bleiben interessant. Es bleibt also spannend.

Iceage – Beyondless
VÖ: 4. Mai 2018, Matador Records
www.iceagecopenhagen.eu
www.facebook.com/IceageCopenhagen

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