Kritik

Veröffentlicht am 7.08.2018 | von Julius Tamm

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GHOSTLAND – Filmkritik

Puppen sind verdammt gruselig. Das ist schon nach den Chucky-Filmen klar und seither werden die kleinen Spielsachen aus Porzellan immer wieder als Objekte des Grauens missbraucht. Doch bei Pascal Laugiers Film Ghostland erwacht keine Puppe zum Leben und tötet Protagonist nach Protagonistin, sein Horror gestaltet sich viel subtiler. Zum Heimkinorelease lassen wir noch einmal einen kritischen Blick über Laugiers Werk schweifen.

Colleen (Mylène Farmer) hat das Haus ihrer Tante irgendwo auf dem kanadischen Land geerbt und möchte nun dort mit ihren Töchtern Vera (Taylor Hickson) und Beth (Emilia Jones) einziehen. Das heruntergekommene Haus liegt abseits jeglicher Zivilisation und ist bis obenhin vollgestopft mit alten Sachen und jeder Menge Puppen, kein Ort für pubertierende Teenager. Eine Chance zur Eingewöhnung erhält die kleine Familie leider auch nicht. Schon in der ersten Nacht tauchen zwei Männer in ihrem Haus auf, greifen die Mutter und ihre Töchter mit roher Gewalt an und vergehen sich an der älteren Tochter Vera. Dank ihrem starken Mutter- und Beschützerinstinkt kann Colleen die beiden Angreifer überwältigen und die Töchter retten.

Dieses traumatische Erlebnis stellt sich als rückblickender Traum von Beth heraus, die vor Angst aus dem Schlaf hochschreckt. Mittlerweile sind viele Jahre seit dem Vorfall vergangen und sie hat es geschafft, diese Erfahrung als Autorin zu verarbeiten und in ihrem neusten Buch zu kanalisieren. Mit Ruhm und Geld belohnt, hat sich Beths Leben zum Guten gewandelt. Fast scheint es so, als könne sie die Vergangenheit ruhen lassen, bis eines Tages ihre Schwester Vera verzweifelt und angstgetrieben bei ihr anruft. Notgedrungen kehrt Beth in das Haus der Tante zurück, um herauszufinden, was es mit dem Anruf auf sich hat.

Ghostland fängt an wie ein klassischer Horrorfilm – menschenleere Landschaft, einsames Haus, alles voller gruseliger Puppen und natürlich kein Handy-Empfang. Nach der ersten halben Stunde war der Geduldsfaden so weit gespannt, dass der Film fast vor Langeweile abgebrochen wurde, doch das Warten sollte belohnt werden. Mit einem Schlag wandelt sich Laugiers Narration in einen der düstersten und angsteinflößendsten Horrorstreifen des letzten Filmjahres und die anfänglichen Klischees sind vergessen. Es sind nicht Monster oder die am Anfang erwähnten Puppen, die dem Publikum das Schrecken lehren, es ist der pure Realismus. Laugier löst den dünnen Vorhang der Fiktion mit geschickter Erzählung und einem erschreckenden Minimalismus auf. Alles was auf der Leinwand zu sehen ist, kann in unserer Welt passieren oder passiert schon. Ohne CGI oder übertriebene Kostüme wird das dem Publikum noch bewusster. Selbst für Horrorfilmfans wird Ghostland dadurch zu einer Mutprobe und ist auf keinen Fall für schwache Nerven geeignet.

Ghostland (CAN 2018)
Regie: Pascal Laugier
Darsteller: Crystal Reed, Anastasia Phillips, Rob Archer, Kevin Power
Heimkino-VÖ: 10. August 2018, Capelight Pictures

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco und produziert Podcasts, u.a. für ZEIT Wissen. Führt ab und an durchs Schlossmuseum Darmstadt.



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