MILE 22 – Filmkritik

Geheimorganisationen, Doppelagenten und zwei Nationen im heimlichen Schlagabtausch? Was wie ein klassischer James Bond Film klingt, ist in Wirklichkeit ein neuer Film mit Mark Wahlberg. Doch anstelle in einen schicken Anzug mit Charme und Stil schlüpft Wahlberg in diesem Film unter Peter Bergs (Deepwater Horizon, Boston) Regie in die Rolle eines Elitesoldaten, der es gleich mit mehreren Feinden aufnehmen muss. Mit viel Bumm und Peng findet der Kalte Krieg erneut seinen Weg auf die Leinwand.

James Silva (Mark Wahlberg) und sein Team haben ein Problem: Sie sollten eigentlich in einem südostasiatischen Land mehrere Platten Cäsium sicherstellen, doch alles, was sie finden sind Waffen und gefälschte Gemälde. Das bedeutet, dass sich irgendwo auf der Welt atomares Waffengut befindet und die US Regierung nicht weiß, wo es sein könnte. Zum Glück für James und seine Kameradin Alice Kerr (Lauren Cohan), spaziert der mysteriöse, feindliche Agent Li Noor (Iko Uwais) mit einer Festplatte in die amerikanische Botschaft und möchte einen Deal machen. Auf der Festplatte befinden sich angeblich die Standorte aller verschwundenen Cäsiumvorräte und das Einzige, was er dafür will, ist aus dem Land gebracht zu werden.

Jetzt liegt es an Silvas Team, den Informanten sicher und unversehrt zu einem Flugzeug, das 22 Meilen entfernt landen wird, zu bringen. Ihre Fahrt soll jedoch nicht ungehindert stattfinden, denn nicht nur die amerikanische Regierung hat ein Interesse an dem Überläufer. Als sie von feindlichen Einheiten überfallen werden und schwere Verluste erleiden, sieht sich die kleine Spezialeinheit gezwungen, ihren Weg durch die Millionenmetropole zu kämpfen. Auf Hilfe von außen können sie dabei nicht hoffen, denn für die Regierung sind sie nur Geister und noch dazu läuft ihre Zeit ab.

Im post-cold-war Kino waren die Russen nur dann die Bösen, wenn sie als fiese Mafiosi, Ex-Spione oder Waffenhändler auf den Plan traten. Zeigt ein Film nun das russische Militär, dass sich mit den US Geheimdiensten anlegt, spiegelt das vielleicht ganz gut die aktuelle, internationale Lage wieder. Die Frage ist jedoch, ob so ein Film dann wirklich der geschickteste Zug ist. Wie soll das alte, destruktive Ost vs. West Denken aus den Köpfen der Menschen gelangen, wenn immer noch mit solchen Stereotypen gearbeitet wird?

Würde sich Mile 22 wenigstens auf einer diplomatischen und differenzierteren Weise der russischen Politik und dem Streit zwischen den beiden Großmächten nähern, wäre alles halb so schlimm. Leider handelt es sich hier nur um einen plumpen Actionfilm nach altbekanntem Muster. Die guten Amis müssen einen Gefangenen transportieren, natürlich geht alles irgendwie schief, viele Explosionen, bisschen Blut hier, bisschen Blut dort und ein dramatisches Zeitlimit, dass alles noch etwas anheizen soll. Das ist nicht kreativ und wirft das Publikum in seinem Denken um glatte 30 Jahre zurück. Vielleicht sollte Hollywood das typische Schwarz/Weiß-Denken einfach mal hinter sich lassen.

Mile 22 (USA 2018)
Regie: Peter Berg
Darsteller: Mark Wahlberg, Iko Uwais, Lauren Cohan, John Malkovich
Kino-Start: 13. September 2018, Universum Film

Julius Tamm

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.

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