Interviews

Veröffentlicht am 26.09.2018 | von Teresa

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ROOSEVELT – Interview

2016 stieg Marius Lauber als Roosevelt von seiner Dream Wave Wolke und schuf einen kleinen nationalen, wie internationalen Hype – sein selbstbetiteltes Debüt brachte Menschen von New York bis São Paulo, von Mexico City bis Jakarta zum Tanzen. Über 80 Millionen Mal haben sich seine Fans die Songs auf Streaming-Diensten angehört. Hits wie Fever und Moving On wurden von Radiostationen weltweit hoch und runter gespielt, zahllose internationale Festivalauftritte und ausverkaufte Headliner-Shows taten ihr übriges. Doch wie so oft ist die Vorlage vom ersten Album gemeinhin eine vermeintliche Stolperfalle beim Zweitwerk – gewachsene Erwartung, mehr Druck von allen Seiten und auch die eigene Ambition verhindern häufig eine Weiterentwicklung. Doch Roosevelt schüttelt all das auf seinem neuen Album Young Romance mühelos ab und geht voll und ganz in seinem eigenen Sound auf, 70er Disco und New Wave Elemente inklusive! Wir baten den Musiker in Berlin zum Gespräch über Fragen, die man nicht mehr stellt, seinen eigenen Sound, seinen Kollegen Washed Out und vieles mehr!

Du kommst gerade von einer europaweiten Promotour nach Berlin, welche Frage willst du mir heute nicht mehr beantworten müssen?
Warum heißt das Album Young Romance ist schon ne sehr allgemeine Frage. Man versteht ja auch warum es so heißt. Ich denk mir immer, wenn ich die Erklärung mit beigeben hätte wollen, hätte ich nen Beipackzettel mit ins Album gesteckt. Ich erzähle natürlich auch gern drüber, aber das, was man weglässt hat ja auch eine Bedeutung. Ich versteh auch, dass die Leute mehr darüber hören wollen aber das nervt ein bisschen…

Ich stell die Frage tatsächlich immer ganz gerne, welche Themen schon durch sind. Ist meistens ganz gut für die Stimmung.
Ich bin an sich auch total pflegeleicht und rede auch gern über Dinge, aber dann auch immer wieder die Frage „Warum eigentlich Roosevelt?“. Heute Morgen war jemand vom Tagesspiegel da, das ist ja eher so ein alt eingesessenes Medium, da kann man verstehen, wenn man sich vorstellen muss. Wenn ich aber mit einem Musikmagazin rede, da erwarte ich teilweise schon mehr.

Das neue Album hast du in LA aufgenommen?
Das kam im Pressetext glaube ich so rüber. Ich hab es dort abgemischt. Ich war das erste Mal mit Chris Cody, der das erste Album auch gemischt hat, im Studio. Wir haben ein paar Vocal Takes und Gitarren da aufgenommen aber der größte Teil war vorher schon fertig.

© st.weicken

Stimmt es, dass du einige deiner Songs direkt live auf der Bühne schreibst?
Überspitzt formuliert, ja. Ich probiere ganz viele Sachen, die noch Demos sind live auf der Bühne aus. Nen Instrumentalteil dann als Übergang zwischen zwei Songs. Auf der Bühne schreiben… ich glaub, ich weiß bei welchem Interview das war, es war ein bisschen überspitzt formuliert, aber es stimmt schon, dass ich viel live ausprobiere. Man schreibt die Songs ja hauptsächlich um sie live zu spielen, deswegen ist es schon ganz gut, wenn man die Chance hat das auch auszuprobieren. Beim Soundcheck oder so, das ist immer hilfreich.

Ist dieses Album auch so entstanden?
Dieses sogar noch mehr als das Erste.  Ich weiß noch auf der Tour letzten September, da hab ich viel auf Soundchecks angespielt. Shadows oder Loosing Touch klingen vielleicht auch deswegen noch mehr nach Band als die anderen Sachen. Die beiden haben wir bei mehreren Soundchecks ausprobiert. Da lernt man schon dazu. Man merkt, was nicht so gut funktioniert und wo die Drums noch mehr schieben müssen. Kleinigkeiten, die man dann wieder mit ins Studio nimmt.

Heißt das dann manchmal auch „kill your darlings“?
Nicht wirklich, irgendwie landet dann doch jede Demo in irgendeinem anderen Song. Auch wenn’s am Ende nur der Drum Beat und die Percussions sind. Es entwickelt sich dann eher zu was Anderem, als dass ich das komplett rauswerfe. Es gibt ganz viele Baustellen und oft auch zwei verschiedene, die zu einem Song werden aber so richtig verwerfen tue ich eigentlich nichts.

Wie hat das erste Album das zweite Album beeinflusst?
Im Studio war es ganz angenehm zu wissen, dass Leute das auch hören werden was ich da mache. Dass man eben nicht ewig dran rum produziert und am Ende nicht weiß für wen das eigentlich sein soll. Es hat mich sehr motiviert zu wissen, dass einige Leute darauf warten. Vielleicht hatte ich deswegen auch mehr Disziplin als sonst, jeden Tag ins Studio zu gehen. Ich kann manchmal auch ganz schön faul sein und hab mir dann selber Deadlines gesetzt.

Wie funktioniert das überhaupt? Musik machen ist für mich was rein Kreatives, das muss ja auch irgendwoher kommen.
Man muss sich halt immer genug Zeit nehmen um auf Standby zu sein und um den Ideen Raum zu geben. Wenn ich mich hinsetze und sage „jetzt fang ich nen Song an“ klappt das meist nicht. Man muss halt eher im Bereitschaftsdienst sein. Oft gehe ich auch morgens ins Studio und feile an Drumm Sounds und mach auch mal sauber und verkable Sachen neu. Einfach nur in der Umgebung zu sein inspiriert mich schon. Oft muss man aber auch mal vom Gas gehen, wenn dabei nichts rumkommt.

Was machst du wenn gar nichts geht?
Oft einfach ein altes Projekt öffnen und ne andere Baustelle angucken. Oder ich setze mich an ein anderes Instrument und mache radikal was Anderes. Abschließen und später wieder drauf zurückkommen.

In drei Wochen kommt das Album raus, bist du aufgeregt?
Ich bin schon aufgeregt. Ich hatte jetzt super lange Pause und nichts zu tun, das hat mich irgendwann auch genervt. Deswegen ist es ganz gut, dass es jetzt losgeht. Man merkt schon wenn man übers Album redet, dass es auch bald zur Tour geht. Das ist immer ganz geil wenn man merkt, dass langsam alles ins Rollen kommt.

© st.weicken

Gibt es etwas, dass du auf keinen Fall über dieses Album lesen möchtest?
Ich hab schon versucht diesen Sound vom ersten Album so weiter zu führen. Der ist auf jeden Fall noch da und präsent. Wenn Leute den auf dem ersten Album gefeiert haben, ist der auch auf dem zweiten zu finden. Ich würde nicht gerne lesen wollen, dass ich mich komplett wiederholt habe – in einem negativen Sinne. Ich glaube das möchte kein Künstler lesen. Wenn man sagt, alles ist nur ein billiger Abklatsch vom Ersten. Ich hab mich aber ehrlich gesagt nicht so darum gekümmert was Leute über mich schreiben.

Liest du das selbst nie?
Also wenn jetzt Pitchfork über mich schreibt dann lese ich das natürlich. Aber ich google nicht, man findet dann immer schlechte Kritiken. Wenn alle irgendein Album feiern, kriegt man ja auch viele Klicks, wenn man es nicht feiert.

Aber hat das einen negativen Beigeschmack zu lesen, jemand sei seinem Sound treu geblieben?
Ich find’s eigentlich immer cool wenn ein Künstler für einen Sound steht und den perfektioniert und immer weiterführt. Das kann ja trotzdem frisch klingen, aber ich find das bei anderen Bands immer cool. Wenn es ne neue Future Islands Platte gibt, klingt die halt nach Future Islands, da ist ja erst mal nichts Negatives dran.

Hast du dir da selber Druck gemacht, deinen Sound auch auf dem zweiten Album durchzuziehen oder kam das eh so?
Ich war schon entspannt, aber wenn ich mir etwas gedacht habe, dann, dass ich keine 180 Grad Wende machen will. Das hab ich mir schon vorgenommen und gleichzeitig versucht mich nicht zu stoppen. Keine klaren Grenzen zu ziehen aber ich wollte halt schon ein Roosevelt Album machen.

Beim ersten Album hast du gesagt, dein Sound wäre sehr klar abgesteckt – meinst du das hat den Erfolg damals ausgemacht?
Ich weiß nicht ob es daran lag, dass er so klar abgesteckt war aber ich hab auf Tour gemerkt, dass Fans von mir schon eher allgemein auf den Sound abfahren. Das hat mich auch bestärkt daran anzuknüpfen. Auch weil es jetzt kein Mainstream Popprojekt ist, wo es einen Hit gab und der Rest ist ein bisschen egal. Obwohl Fever jetzt mit Abstand der größte Song auf dem ersten Album war, ist es bei Konzerten so, dass Wait Up genauso ein Feedback bekommt wie Fever. Das spricht ja dafür, dass die Leute auch zu den Shows kommen wegen dem bestimmten Sound und Vibe, den es bei den Shows gibt, nicht nur um den einen Hit zu hören. Und das hat mich in den letzten zwei Jahren auf Tour auch bestärkt, dass dieser Sound, den ich kreiert hab nen hohen Stellenwert hat und es nicht nur darum geht etwas Neues zu machen sondern auch darum, diesen zu perfektionieren und da weiter zu machen. 

Viele freuen sich sehr über das Feature von Washed Out, wie ist es dazu gekommen?
Relativ unromantisch, aber umso verrückter. Ich hatte den Song fertig und konnte nicht darauf singen. Ich hatte einfach keine Idee, das passiert auch manchmal. Normalerweise ändre ich dann den Song und gucke, wo ich meinen Platz finde, aber das hat da nicht funktioniert. Dann hab ich von meinem Manager die Email Adresse von Washed Out, also von Earnest, bekommen, weil ich beim ersten Album schon mal erwähnt hatte, dass das cool wäre mit ihm zu arbeiten. Ich hab meinen Manager dann einfach gefragt, was er von Washed Out für den Track halten würde. Wir kannten uns nicht und ich hab ihm dann ne Email geschrieben. Ich hatte irgendwann mal gesehen, dass er mir bei Instagram folgt. Das hat mich ein bisschen bestärkt und ich dachte dann, dass er meine Musik vielleicht ein bisschen kennt und mag. Ich hab ihm geschrieben und er meinte dann, dass er meine Musik auch auflegt wenn er DJ Sets macht. Das fand ich total verrückt. Ich hab ihm die Demo geschickt und er fand die cool und hat dann in drei oder vier Tagen den Song aufgenommen. Das ist total krass, weil ich früher totaler Washed Out Fan war und immer noch bin, weil er ich auch ein bisschen inspiriert hat, was man alleine so machen kann als Produzent und überhaupt Musik zu machen. Es ist schon verrückt ihn jetzt auf diesem Song zu haben und ich bin froh, dass es so ein klassischer Washed Out Gesang ist. Wenn er was Anderes gemacht hätte, hätte ich das auch cool gefunden, aber ich find’s richtig cool, dass man seine Klangfarbe jetzt auf dem Album hat.

Letzte Frage: Wie hat dein Jahr angefangen und wie hört es auf?
Angefangen hat es so ganz alleine für mich. Noch am Album rumgewerkelt und letzte Details gemacht und es endet im Dezember mit der Tour in Amerika. Beide Extreme am Anfang und Ende des Jahres also.

Roosevelt auf Tour
22.10. Uebel & Gefährlich, Hamburg
23.10. Live Music Hall, Köln
24.10. Astra Kulturhaus, Berlin
25.10. Muffathalle, München

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Über den Autor

Foto-und Videographin, Fotoredakteurin und Bedroomdisco-Lover



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