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Veröffentlicht am 10.09.2018 | von Sophia Kahlenberg

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TASH SULTANA – Flow State

I guess I’m just changing with the wind
Turning in a different direction again and again and again
No, I’m sorry, I don’t have to spell it out for you, my friend
‚Cause I just got a few things I gotta get off my chest
I know it’s hard to digest
Why don’t you come inside and pull up a chair?
Turn the music up loud and sit over there
Don’t you see I got myself into a bit of a pickle over here?
Why don’t you invite the devil inside
To dance around my living room?

(Tash Sultana – Salvation)

Tash Sultana, so lässt uns das Management wissen, ist non-binär, also eine Person die sich weder in der Kategorie „Mann“, noch in der Kategorie „Frau“ repräsentiert sieht. Um dies zu respektieren, werden wir im Folgenden von Tash sprechen und nicht von „Er“ oder „Sie“.

Verwackelte Handyvideos, aufgenommen 2016, zeigen Tash Sultana als Straßenmusiker in Melbourne’s Zentrum. Ein junger Wirbelwind, ausgestattet mit Gitarre und Loopstation: die Klänge von Jungle vermischen sich mit dem Bimmeln der Straßenbahnen.
 2018 und Tash ist absolut kein Geheimtipp mehr; bricht vielmehr Rekorde bevor überhaupt ein Album auf dem Markt ist und hat sich längst einen Namen als Ausnahmetalent gemacht, dessen intensive Liveshows mitreißende Erlebnisse sind.

Nun ist es da, das Debut, und der Titel Flow State hätte nicht treffender gewählt werden können: „It’s a state of mind, that you become when you’re fully emerced into something that you’re passionate about and you loose all sense of time, space, anything around you and you just become that one thing“, erklärt Tash. Lassen wir uns darauf ein, werden wir in einer knappen Stunde durch andere Welten geführt. Tash‘ kristallklares Gitarrenspiel macht mit gewohnter Präzision den Anfang. In Kombination mit der so unverwechselbaren Stimme kommt Groove auf, der direkt überleitet zu Big Smoke, wo er weiter ausgebaut wird. Cigarettes deutet an, dass sich dieses Album nicht an Regeln halten wird. Der Song kommt erstmal beinahe unscheinbar daher und lädt nach ca. drei Minuten plötzlich doch zum Tanzen ein. Es geht auf und ab, hin und her, von linearem Flow kann nicht die Rede sein; frei fühlen wir uns aber jetzt schon. Murder to the Mind, das wie Mystik bereits als Single erschien, bändigt die Meute ein wenig und übergibt an Seven. Das ganze Stück gleicht einer Welle, die mal zur sanften Harfe plätschert, um sich im nächsten Moment in einen ekstatischen Strudel zu wandeln, untermalt vom Klang der Violine.

Salvation, das im Juni das Album ankündigte, reißt die Genregrenzen endgültig ein. Es geht ums nach Vorne blicken, ums Weitermachen. Nun kommt Pink Moon um die Ecke. Erst schmelzen wir, begleitet von Tash‘ Stimme, dahin wie zarte Butter, die auf Katzenpfötchen durch die Landschaft tappst. Plötzlich, in Minute fünf ca., werden wir von musikalischer Brachialenergie übermannt, die einem Elektroschock gleicht. Obwohl der Moment komplett unangekündigt hereinbricht, wirkt er wie eine Erlösung und erinnert an Liveauftritte von Tash, bei denen sich die Musik geradezu in Formen verwandelt und das Publikum in tranceartige Zustände versetzt. Schaut man sich um, sieht man ungläubige Gesichter und offene Münder. Dazwischen Körper, die sich im Takt winden. Auf der Bühne ist der Übergang zwischen Mensch und Gitarre derweil scheinbar fließend. Herzblut und Passion in Rohform. Flow State eben. Musik als Droge. Mellow Marmalade demonstriert, dass Tash sich nicht kategorisieren lässt. Irgendwo zwischen Reggae und spanischer Gitarre ist Loslassen die einzig logische Reaktion. Harvest Love klingt simpel, emotional und wunderbar verwundbar: „I unlocked a little part of me to completely simplify the story I was trying to tell. I think you kind of get that way, when you have a moment in your life, when the entire world is just too hard to comprehend,“ erklärt Tash und lässt die Stimme diese Reise durch das gesamte Stück transportieren. Free Mind klingt so frei und scheinbar mühelos wie der Titel selbst, verbirgt aber eine Dichotomie, geht es im Text doch um die Befreiung und Entfesselung von Gedanken. Zum Abschluss ein weiterer Moment der Erlösung: Blackbird, diesen knapp zehnminütigen Geniestreich, gibt es nun endlich als aufgenommene Studioversion. Wir klicken gefühlt fünf Mal den Repeatknopf, bevor wir bereit sind uns von Outro aus Tash‘ Wunderwelt holen zu lassen und wieder im Hier und Jetzt zu landen.

Tash Sultana – Flow State
VÖ: 31. August 2018, Lonely Land Records
www.tashsultana.com
www.facebook.com/tashsultanamusic

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