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Veröffentlicht am 12.10.2018 | von Robert Heitmann

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KURT VILE – Bottle it in

I was on the beach but I was thinking about the bay
Got to the bay but by then I was far away
I was on the ground but looking straight into the sun
But the sun went down and couldn’t find another one

(Kurt Vile – Bassackwards)

Kurt Vile ist nicht allein. Der in Philadelphia geboren Songwriter, Multiinstrumentalist und ehemalige Gitarrist der Indierock-Band The War On Drugs legt großen Wert auf die Beziehungen mit den Menschen, die ihn umgeben – von Familie und Freunden über neue Bekanntschaften, die auf vollgepackten Tourneeplänen gemacht werden. Viles von Kritikern und Fans umfeiertes Album b’lieve I’m Going Down aus dem Jahr 2015 wurde ausgiebig getourt. Doch fand Vile zwischen den Konzerten, einem Duettalbum mit Courtney Barnett und der für ihn wichtigen Zeit mit seiner Familie den richtigen Fokus für die wertvollen Momente dazwischen, in denen neue Songs entstehen konnten. So entdeckte Vile vor allem in Situationen wie einem Roadtrip mit seiner Frau und zwei Töchtern mitten in den Weiten Amerikas seine wichtige kreative Gefühlslage und den Ausgleich, um an neuem Material zu schreiben: “I’ve been bouncing around a lot and recording all over. My family would meet me in the middle of America, and we’d go on a road trip somewhere. I would record in between all that stuff.”  Als Resultat von verschiedenen Sessions in diversen Aufnahmestudios folgt am 12. Oktober Viles neues Album Bottle It In. 

Das Stück Loading Zone ist nicht nur Opener und erste Singleauskopplung zugleich – mehr noch eine Ode an die stetige Muse und Heimatstadt Philadelphia des Musikers,  in der Vile umgeben von seiner typischen melodiösen Virtuosität an der Gitarre humorvoll die Zeile “I park for free!” in den Mittelpunkt stellt. Beeindruckend beweist Vile hier sein Talent als Storyteller: Erfahrungen aus Parkstrategien und Strafzettel-Vermeidung entfalten sich zu einem lebhaften Song. Der zugehörige PR-Coup, in dem Fake-Knöllchen an Redaktionen und Medienpartner geschickt wurden, macht das Ganze zum kleinen Meisterwerk.

Für die insgesamt dreizehn Songs arbeitete Vile mit verschiedenen Produzenten wie Rob Schnapf (Elliott Smith, Beck, The Vines), Shawn Everett, Peter Katis und Rob Laakso zusammen. Auf die Inspiration und Einflüsse des neuen Albums angesprochen, offenbart der Musiker die auch mal düsteren Ursprünge – so z. B. für den Song Hysteria: “For a while I was terrified of flying, so I would be listening to whatever country songs I was obsessed with. I’d have George Jones blasting in my ears. Or, I would be reading something about country music. Or, I would start writing songs in that flash of being afraid, being swallowed by life. I’m up there on a plane drinking wine because like everybody else I’m afraid to die. And I wrote ‘Hysteria’ up there.“

Mit einer Laufzeit von fast zehn Minuten findet das nahezu epische Stück Bassackwards sein Platz als pulsierendes Herzstück auf dem Album. Wohltuend erklingt hier das Fingerpicking während geloopte Reverse-Effekte durch die Lüfte umherschwängen und Vile den Blick auf die Welt aus seiner Sicht verbildlicht: “I was on the beach but I was thinking about the bay / Got to the bay but by then I was far away / I was on the ground but looking straight into the sun / But the sun went down and I couldn’t find another one”

Verstärkung auf der Platte bekommt Vile zudem von einer Handvoll befreundeter Musiker wie Lucius (Backing Vocals bei Come Again), Kim Gordon von Sonic Youth (Gitarre bei Mutinies) und Warpaints Stella Mozgawa, die zum Titelstück Bottle It In beiträgt.

Mit seinem neuen Album versucht Vile seine Umgebung und die darin lebenden Mitmenschen bewusster wahrzunehmen und wertzuschätzen. In ihrer Gesamtheit errichten die Songs so ein kleines Universum, in dem positive und zeitlose Erkenntnisse des Songwriters die Aufmerksamkeit auf das wirklich Wichtige richten – Freunde und Familie. “It’s like that moment on the airplane,” sagt Vile “when you’re on your way somewhere and you have that burst of panic. When you’re terrified of dying, that’s when you want people to know you love them.” Mit Bottle It In tütet Vile genau diese wichtige Einsicht als Reminder der Liebe ein und nimmt sie in Albumform für alle weiteren Wege und Situation mit.

Kurt Vile – Bottle it in
VÖ: 12.Oktober 2018, Matador Records/Beggars Group
www.kurtvile.com
https://www.facebook.com/kurtvileofphilly/

Kurt Vile & The Violators auf Tour:

12.10.2018 – Hamburg – Grünspan
18.10.2018 – Berlin – Huxley’s Neue Welt
19.10.2018 – München – Muffathalle
02.11.2018 – Köln – Die Kantine 

 

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