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Veröffentlicht am 12.11.2018 | von Lea Kleisinger

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JOJI – Ballads 1

Joji Ballads 1 Cover

I thought I´d vocalize my troubles, but nobody will listen
I know I´m cryptic and I´m weird, that shit comes off as indifferent

I don´t wanna die so young
Got so much to do
I don´t smile for the camera
Only smile for you

(Joji – ATTENTION)

Sehr geehrte Leser*innen, heute stelle ich Ihnen George Miller, den Erfinder des weltweit bekannten Harlem-Shake-Tanzes vor. Früher bekannt unter dem Pseudonym Filthy Frank, oder Pink Guy im Falle von Musik, und meistens nur mit einem rosafarbenen Ganzkörperanzug bekleidet, warf er liebend gerne mit Fäkalhumor um sich. Aber genug Vergangenes. Sein aktueller Künstlername lautet Joji. Er ist halb Japaner halb Australier und lebt in New York. Neben seiner Begabung in zerstörerischer Selbstkritik ist er noch viel begabter darin, gute Musik zu machen. BALLADS 1 ist sein zweites Album und wickelt sogar Trap-Hop Hasser mit den feingliedrigen Beats und melancholischen Lyrics um den Finger. Auch sein erstes Album In Tongues ist sehr zu empfehlen. Joji veröffentlicht seine Musik unter dem großartigen Label 88Rising, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, asiatische Künstler in der Hip-Hop Szene zu etablieren. 

ATTENTION ist das erste Lied auf BALLADS 1 und es wirkt wie der Name verspricht. Schon hat das Album meine Aufmerksamkeit. Mit dem überzogenen Bass löst der Song ein bestimmtes Gefühl aus. Nämlich die wohlige Zufriedenheit, die man empfindet, wenn man an dem Tag nach einem wunderbaren Konzert die gedrehten Videos nochmal anguckt und vom Bass nur noch ein verzerrtes Zittern übrig geblieben ist. Es folgt eines der Highlights des Albums, die Ballade SLOW DANCING IN THE DARK. Ein wunderschöner Song mit starkem Drop im Refrain. Es geht um Verlust in der Liebe: Give me reasons we should be complete. You should be with him, I can´t compete. Joji verriet in einem Interview, dass er regelmäßig erst die Melodien zusammenbaut bevor er passende Lyrics entwirft. Er will bestimmte Gefühle durch Musik einfangen und übermitteln. Sein Ziel ist es viele feine Klänge, so wie Regenplätschern, zu einem dichten Klanggebilde zusammenzuführen. Dabei erinnert seine Herangehensweise und die fertigen Beats, vor allem bei seinem ersten Album, an die Kompositionen von Shlohmo. Zurecht haben die beiden deshalb auch auf dem neuen Album mit WHY AM I STILL IN LA kollaboriert. Ein anderes Highlight des Albums ist YEAH RIGHT. Es beginnt mit einer einfachen Klaviermelodie, die von brillanten Drum-Einlagen vervollständigt wird. Dazu kommt Jojis unbeeindruckte Stimme, die zwischen Rap und Gesang schwankt. Auch besonders hervorzuheben sind die Lieder TEST DRIVE und COME THRU.

BALLADS 1 ist ein rundum gelungenes Album, das zwischen Genres wie R&B, Hip-Hop, Trap und Electronic schwebt. Jeder einzelne Song ist einzigartig und liebevoll zusammengebastelt. Joji beschäftigt sich mit Themen wie Traurigkeit, Angst und Einsamkeit. Immer mehr Menschen interessieren sich für seine Karriere. Aber je mehr Menschen sich um ihn tummeln, desto klarer wird ihm wohl auch manchmal, wie wenige ihn wirklich sehen. Da wohl viele das Gefühl kennen, trotz Familie und Freunden, ein Gefühl von Einsamkeit zu empfinden, kann man sich durch seine Musik entweder weniger allein fühlen oder sich so richtig darin suhlen.

Joji – Ballads 1
VÖ: 26. Oktober 2018, 88rising Music /Rykodisc (Warner)
https://www.facebook.com/jojikansai

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