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Veröffentlicht am 6.02.2019 | von Julia Rösner

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NO KING. NO CROWN. – Smoke Signals


Foto-© David Ohl

The city turns to stone
Its losing all its tones
Once so beautiful
And treasured
You’ve become
Such a fragile broken thing
Will your walls
Ever stop crumbling down

(No King. No Crown. – Mostly Discoloured)

Die aus einem Akustik-Projekt entstandene Band No King. No Crown. experimentiert auf ihrer neuen Platte Smoke Signals mit elektronischen Beats und synthetischen Klängen. Im Zusammenspiel mit klassischen Geigenklängen und Folk-Instrumentalisierung entsteht ein interessanter und harmonischer Gesamtklang. Die melancholische, leicht wacklige Stimme des Sängers René Ahlig erzeugt eine gewisse Unruhe. Das hört sich aber keineswegs schlecht an, sondern gewollt fragil und interessant.

Die erste Single Smoke Signals beginnt mit einem traurigen Ukulelen Picking, das die besungene Warnung, die Natur nicht in Schutt und Asche zu versetzen, in ihrer Dramatik verstärkt. Im Chorus setzt ein Banjo ein, das einen orientalischen Vibe erzeugt und und von einem elektronisch recht monoton bleibenden Beat begleitet wird. Die Mischung wirkt gemütlich und bedrückend zugleich. Gepaart mit der inhaltlich gezeichneten düsteren Zukunftsvision, wird das Gefangensein in einer grauen Stadt und die Sehnsucht nach der Schönheit der unberührten Natur sehr nachempfindbar.

Diese besungene Farblosigkeit wird auch im akustischer produzierten Mostly Discoloured musikalisch sehr gut transportiert. Mit sehr reduzierten, weniger elektronischen Drums und einem extrem gelungenen Zusammenspielt von Geige und Gitarren im Chorus, wirkt der Song rund. Die Melodie bleibt im Ohr und berührt. Inhaltlich wird ein utopischer Ort gezeichnet, der frei von Hass und Neid und so friedvoll ist, dass man dort bleiben möchte. Inspiriert wurde der Song womöglich durch eine der vielen Reisen von René Ahlig, die seine Verbundenheit zur Natur und das Bewusstsein ihrer Schutzbedürftigkeit geweckt haben.

Fröhlichere Seiten werden in Gold and Silver mittels beschwingtem Banjo Picking und einer Leichtigkeit versprühenden Trompete angeschlagen. Sehr folkig und erhebend besingt der Songwriter den Versuch, trotz nur negativer Schlagzeilen in den Medien eine Optimist zu bleiben. Beneath our Feet klingt nach einem Abend mit ein paar Gläschen Wein und dem Schwelgen in meditativer Nachdenklichkeit, das die großen Sinnfragen anstößt: Wieso bin ich auf dieser Welt, was will ich sein, soll ich alles ändern oder gar nichts? Eine gewisse positive Rastlosigkeit und ein auf der Suche sein schwappen auf den Hörer über.

Sphärische Sounds und minimalistische Beats erzeugen im Stück Start Searching einen mystischen Klang. Das Interlude kann man sich gut auf die Playlist für die nächsten Wanderung packen, denn es entspannt und hilft beim Abschalten. Die Vocals bewegen sich – wie auch in anderen Songs der Platte – in einer sehr begrenzten Range. In diesem Song stört das aber weniger, da die stimmliche Präsenz, die man sich bei anderen Tracks wünschen würde, nicht im Vordergrund steht. We Do Anyway hat eine sehr eingängige Melodie und der gleichförmige Gesang stimmt nachdenklich. Der andächtige Chorgesang bestärkt die Überzeugung, dass das Leben gelebt werden darf. Im Kontrast zur zunächst fröhlichen Stimmung des Songs What’s The Point, wirken die Vocals nicht wirklich euphorisch. Im Refrain erwartet man eine Explosion, die durch einen starken Spannungsaufbau in den Strophen durch den Einsatz eines belebenden Shakers und eines agilen E-Gitarren-Strummings kreiert wird. Leider verliert der Song im Refrain an Schwung und bremst sich selbst aus. Ein bisschen so als würde man sich selbst im Weg stehen und deshalb an Leichtigkeit verlieren. Denn eigentlich geht es im Song um die positive Message niemals aufzugeben.

Unwritten Letter erzählt von Unsicherheit, Einsamkeit und dem Wunsch, ein besserer Mensch zu sein. In einem Brief von einer besseren Version seiner selbst schreibt der Songwriter, sich selbst als Feind zu sehen. Im Mix fehlt etwas der Kontrast, vor allem gegen Ende verschwimmt alles ineinander, was aber die schwarzseherische Stimmung des Songs verstärkt.

No King. No Crown. wählen auf der neuen Platte sehr ernste Themen und melancholische Töne. Es ist Musik zum Wegdriften und sich selbst finden. Man kann sich der Bedeutung der Natur und den eigenen Möglichkeiten stellen. Die Wirkung ist ruhig, aber auf keinen Fall beruhigend. Etwas mehr stimmliche Abwechslung wäre wünschenswert, gelungene Chöre peppen die Songs hier und da aber auf.

No King. No Crown. – Smoke Signals
VÖ: 1. Februar 2019, Kick The Flame
www.nokingnocrown.de
www.facebook.com/nokingnocrown

No King. No Crown. Tour:
15.02. Scheune, Dresden
16.02. Emil, Zittau
17.02. Privatclub, Berlin
18.02. Inspire, Chemnitz
19.02. Wohnzimmermucke, Bayreuth
21.02. Astra Stube, Hamburg
22.02. Wohngemeinschaft, Köln
24.02. Horch, Pforzheim
25.02. Klein Aber Schick, Mainz
26.02. Viertelbar, Wuppertal
27.02. Teilchen & Beschleuniger, Münster
28.02. Noch Besser Leben, Leipzig


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