Kritik

Veröffentlicht am 29.03.2019 | von Julius Tamm

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ASSASSINATION NATION – Filmkritik

Feminismus muss krachen! Am besten sollten so richtig die Fetzen fliegen und das Patriachat vor Angst erzittern – denn nur so kapieren es die, die Frauen geringschätzen, ihnen weniger Lohn zahlen, sie misshandeln und über ihren Körper bestimmen wollen. Erst wenn ihnen ihr Verhalten knallhart vorgehalten wird, kann sich vielleicht etwas daran ändern. Regisseur Sam Levison schafft mit Assassination Nation genau solch einen Weckruf – laut, schrill und direkt. Zum Heimkino-Release haben wir uns den Film noch einmal angesehen.

Der kleine Ort Salem scheint eine ganz normale amerikanische Kleinstadt zu sein. Die Menschen kenne sich untereinander und das Leben ist doch recht beschaulich. Hier leben Lily (Odessa Young) und ihre Freundinnen Em (Abra), Sarah (Suki Waterhouse) und Bex (Hari Nef). Gemeinsam gehen sie auf die Highschool und führen ein sehr freies, lockeres Dasein. Eines Tages werden jedoch alle Daten des Bürgermeisters von Salem geleakt und aufgrund des öffentlichen Drucks – unter den Daten befanden sich Bilder, wie sich der Bürgermeister als Frau anzieht – erschießt er sich auf offener Bühne. Der Leak war jedoch nur der Anfang und immer mehr private Daten werden veröffentlicht.

Wie in einer Folge von Black Mirror baut sich ein Horrorszenario auf, in dem niemand mehr dem oder der anderen traut und eine unfassbare Stimmung von Gewalt baut sich auf. Betrogene Partner/innen gehen auf die Affären los, Eltern verstoßen ihre Kinder und Menschen werden wegen ihren sexuellen Neigungen gefoltert und misshandelt. Als dann ein Hobby-Informatiker aus der Highschool vor laufender Kamera behauptet, Lily stecke hinter den Leaks, eskaliert die Lage und Salem wird von einer puren Mordlust auf die vier Mädchen ergriffen.

Assassination Nation ist ein feministischer Faustschlag in die Fresse der Gesellschaft. Der Film bringt auf die Spitze, was alles im Moment und seit langer Zeit schon falsch läuft – Gewalt gegen Frauen, Homosexuelle und Transsexuelle, Vergewaltigungen, Frauen als Objekt männlicher Begierde, Slutshaming und vieles mehr. Doch nicht nur die Thematik des Films haut rein, sondern auch seine Machart. Wie ein Musikvideo auf MTV, unterlegt von einer Club-Playlist von Spotify unterstreicht der Film auf kitschig ironische Weise seine Botschaft. Die Schauspielerinnen und Schauspieler schaffen es unglaublich gut, Emotionen wie Angst, Trauer und Zorn darzustellen und helfen dadurch, den Film so echt wirken zu lassen. Auch Schnitt und Licht können mit starken Kontrasten, entblößenden Einstellungen und unzensierter Härte überzeugen. Dass ein ganzer Ort durch die Leaks von privaten Daten komplett durchdreht und anfängt, junge Mädchen zu morden, wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen – doch bei der aktuellen Stimmung von reinem Reaktionismus und der angestauten Wut in unserer Gesellschaft, ist es nicht unvorstellbar. Nach dem Schauen liegt Assassination Nation erstmal schwer im Magen, aber das ist auch gut so. Wem der Film aufgrund seiner Thematik nicht gefällt, ist vielleicht Teil des Problems.

Assassination Nation (USA 2018)
Regie: Sam Levinson
Darsteller: Suki Waterhouse, Abra, Hari Nef, Odessa Young, Bill Skarsgard, Bella Thorne
Heimkino-VÖ: 29. März 2019, Universum Film GmbH


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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und im Moment für die Frankfurter Rundschau.



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