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Veröffentlicht am 26.04.2019 | von Dominik

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SULTANS COURT – Haunted


Foto-© Kelvin Buegler

Bandgründungen laufen nie nach einem gewissen Schema ab und häufig schlägt der Zufall zu. So auch bei den Berliner Newcomern von Sultans Court. Auf dem Weg zum Dockville Festival 2014 lernten sich Julius Klaus und Konstantin Hennecke in einem vom Opa gestellten klapprigen Renault kennen, bemerkten später, dass sie vor Ort mehr zusammen auf Konzerten waren, als mit ihren Freunden und verschanzten sich nach der Rückkehr nach Berlin gemeinsam im Studio. Beides Produzenten arbeiteten sie ihre jeweiligen Einflüsse von Mount Kimbie, über Flume, Glass Animals und Chet Faker bis zu alt-J ab – der eine an der Gitarre, der andere im Mikro.

„Klar hatten wir musikalische Ideen und Vorbilder im Kopf. Zeitgleich hatten wir aber alle Freiheit uns so auszuprobieren, wie wir wollten.“, so Konstantin. Es wurde gesampelt und vertrackt, türkische Instrumente bedient und einzelne Fragmente genutzt. „Als wir nach über einem Jahr mit unserer EP zufrieden waren stellte sich relativ schnell die Frage, wie wir das Live aufführen wollen. Im Studio konnten wir zusammenbauen, wie es uns passte, live sah das ein wenig anders aus.“, erzählt Julius grinsend. „Wir hatten ja noch nicht mal irgendwas veröffentlicht, da konnten wir schon als Support von Ant Antic in der Kantine im Berghain spielen.“ Der Moment, als aus dem Produzentenduo eine (Live-)Band wurde, mit Leander Kohn an den Drums und Markus Hartung an den Keys, war der Schritt in die finale Entscheidung, dass Sultans Court ein ernstzunehmendes Projekt ist. Das jetzt bei Filter Records neu im Boot ist und heute bei uns die Premiere zu ihrer Debüt-Single Haunted feiert!

Darin setzten sie sich mit dem Thema Toxic Masculinity auseinander: „Schon als kleiner Junge wird dir von allen Seiten eingeredet, dass männlich sein bedeutet, dass Mann seine Gefühle nicht zeigen darf.Und gewisse Filme auf großen Leinwänden reden uns ein, dass ein Nein auch Ja bedeuten kann. Dass Menschen jedes Geschlechts respektvoll miteinander umgehen und ihre jeweiligen Grenzen akzeptieren, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Offensichtlich ist dem leider nicht so.“, so Sänger Julius Klaus. „Nachdem in meinem engen Freundeskreis immer mehr Geschichten von sexueller Belästigung an die Oberfläche traten, wurde ich direkt mit dem Thema konfrontiert.Das ist Alltag für die meisten Frauen, nur bekommst du sowas als weißer Mann nicht mit – bis du fragst.“

Haunted handelt davon, einer Situation ausgeliefert zu sein. „Druck, Isolation oder Belästigungen jeglicher Art können ein Beispiel für eine solche Situation sein“, ergänzt Gitarrist Konstantin Hennecke. Was im Video so dargestellt wird, da ein männlicher, als Frau gekleidet Cat Calling und Belästigungen ausgesetzt ist. In seiner Verzweiflung sucht er Zuflucht in einer Kirche, nicht ahnend, dass er in einen Kreis von Männern eintritt, die ihre Männlichkeit zelebrieren und Toxic Masculinity versinnbildlichen. Es beginnt ein perfides exorzistisches Spiel, dem sich der Protagonist nicht entziehen kann.

„Die Idee für das Video kam auf, als Laurean, der später der Hauptdarsteller des Musikvideos sein würde, mir von seinen Anfeindungen erzählte, die ihm als Drag erfahren sind.” erzählt Julius. „Wir hatten außerdem schon länger das Gefühl, dass wir der laufenden Debatte etwas hinzufügen können.“, so Konstantin.


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