Interviews

Veröffentlicht am 1.05.2019 | von Dominik

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PROVINZ – am Haken

Foto-© Valentin Ammon

Die Musikindustrie wird – wie man so schön auf neudeutsch sagt – immer mehr domestic. Charts, Touren, das Streaming wird beherrscht von einheimischen Künstlern, weshalb auch die Labels immer mehr nach deutschen Newcomer-Acts fischen und dafür auch mal abseits der großen Metropolen ihr Netz auswerfen. Somit haben wir die perfekte Überleitung zu dem Act gefunden, um den es hier gehen soll: Provinz! Die vier Jungs aus Ravensburg veröffentlichen am kommenden Freitag ihre Debüt-EP Reicht dir das bei Warner und sind uns seit ihrer Single Neonlicht nicht nur ein Begriff, sondern eine der nationalen Bands, der wir als nächstes den verdienten Durchbruch zutrauen! Grund genug mal zur Vorstellung der Band einige Fragen per Mail zu schicken – unser Interview mit Provinz!

Künstlerinfos:

– Name: Provinz
– Gründungsjahr: 2017
– Standort: Ravensburg
– aktuelle Veröffentlichung: Reicht dir das (EP)

Fragebogen:

Wie kamt ihr zur Musik und was waren eure ersten musikalischen Einflüsse?
Der Ursprung unserer Musik hängt sicher damit zusammen, dass drei von uns vier (Vincent, Robin, Moritz) Cousins sind und in unserer Familie Musik schon immer eine große Rolle gespielt hat. Wir haben immer viel Musik zu jeglichen Anlässen gemacht. Unsere Väter hatten sogar eine gemeinsame Band.
Geprägt wurden wir musikalisch vor allem durch ältere Musik, wie die Beatles und Johnny Cash. Unser Proberaum hängt voll mit Beatles Platten und Beatles Merch, da Moritz Vater ein großer Fan ist. Auch Bands wie die Toten Hosen, Mumford & Sons oder Element of Crime haben uns sicherlich beeinflusst.

Drei von euch sind miteinander verwandt, daher eine etwas komische Frage, aber: Wie seid ihr zusammen gekommen, wann habt ihr zuerst zusammen Musik gemacht und wann habt ihr beschlossen Provinz zu gründen?
Vincent (Gitarre) und Robin (Piano) machen schon sehr lange zusammen Musik und haben früher auch auf englisch geschrieben. Das ist schon gut sieben Jahre her. Damals noch unter dem überaus kreativen Namen Twice. Etwas später kam Moritz (Bass) dazu und seit 2017 ist Leon (Schlagzeug) dabei. Da wir uns über die Zeit sehr entwickelt haben und der Name Twice nun weniger passend war, änderten wir unseren Namen zu Provinz.

Ihr stammt aus der Nähe von Ravensburg und habt euch ja auch passenderweise Provinz genannt, bzw. spielt auch in der ersten Single Neonlicht auf Großstadt-Kleinstadt-Unterschiede an. Wie empfandet ihr eure Umgebung als ihr aufgewachsen seid und welches Bild habt ihr jetzt auf die Großstadt-Flucht, die häufig bei Jugendlichen um sich greift?
Natürlich hat man sowohl Vor- und Nachteile, wenn man in der “Provinz” groß wird. Als Kind hat man viele Freiheiten und hat viel Natur um sich herum als in einer Großstadt und kann z.B. einfach mal so barfuß zum Sportplatz laufen und unbesorgt bis spät in die Nacht draußen rumrennen. Aber in der Pubertät wird der Alltag etwas zu routiniert, man trifft sich jeden Tag mit den gleichen Leuten am gleichen Ort und eine gewisse Langeweile entsteht. Und dann schaut man manchmal etwas neidisch auf die Großstadt und wünscht sich ein bisschen Teil davon zu sein. Daher können wir uns auf jeden Fall vorstellen in eine Stadt, wie zum Beispiel Hamburg zu ziehen.

Am 3. Mai erscheint eure Debüt-EP – könnt ihr uns ein bisschen von der Produktion erzählen, wie und wo die EP entstand, wer daran beteiligt war und was der beste und der schlimmste Moment während der Entstehung war?
Unsere EP haben wir zusammen mit Tim Tautorat in den Hansa Studios in Berlin aufgenommen. Es war für uns sehr hilfreich, dass Tim ein paar Monate vorher zu uns in den Proberaum kam und wir dann jeden einzelnen Song durchgesprochen haben und perfektionieren konnten. Dadurch hatten wir die Möglichkeit nach zwei Monaten proben im Studio die Songs komplett live einzuspielen. Im Großen und Ganzen lief dann alles sehr glatt und problemlos bei den Recordings. Der beste Moment war dann wohl der Moment, in dem wir am letzten Tag alle Songs final angehört haben. Der schlimmste aber auch lustigste Moment war womöglich der, indem Vincent und Leon aus Langeweile dem schlafenden Robin einen Hosenspanner geben wollten, der das gar nicht lustig fand und daraufhin die Situation ein bisschen eskalierte aber wir haben uns dann sehr schnell auch wieder vertragen.

Welche Einflüsse hattet ihr bei der EP? Gab es einen Plan, wie ihr wolltet, dass sich eure Songs anhören?
Uns war wichtig, dass sich das Ganze nicht zu produziert anhört und wir uns die Roughness und Emotionalität bewahren. Wir spielen ja auch alle klassische Instrumente und benutzen keine Synthies oder ähnliches. Deshalb haben wir uns auch dafür entschieden alles live einzuspielen.

Könnt ihr uns ein kleines Track by Track zur EP schreiben? Also zu jedem Song kurz erklären, worum es darin geht, wie er erstanden ist und ob es eine Story dazu gibt?
Neonlicht hat Vincent geschrieben, als wir zu Besuch in einer Großstadt waren. Im Song geht es darum, wie überfordert man sich fühlen kann und dass eine Stadt eben doch nicht immer nur positiv gesehen spannend und abwechslungsreich ist, wie man es sich manchmal vorstellt.

Reicht dir das handelt von einer gescheiterten Beziehung und dem Dilemma, in dem man steckt, wenn man keine Gefühle mehr für den Partner hat und sich dann fragt, ob man die Beziehung daraufhin weiterführen sollte oder ehrlicherweise die Beziehung zu beenden und den anderen damit zu verletzen.

Zu jung hat Vincent geschrieben, als er 15 war. Dabei beschreibt er die Erkenntnis, dass man manchmal einfach zu jung ist, um die Umstände der ersten Verliebtheit zu begreifen.

Was uns high macht beschreibt das Lieblingsthema der Jugendlichen: das Feiern.

Im Moment stehen wöchentlich zumeist nur deutschsprachige Domestic-Acts in den Charts oben – war für euch von Anfang an klar, dass eure Texte auf Deutsch sein werden oder warum habt ihr euch dazu entschlossen?
Wir haben lange Zeit auf englisch geschrieben, aber umso älter Vincent wurde, desto besser und tiefer wurden seine Texte auf deutsch und natürlich kann man sich in seiner Muttersprache einfach besser ausdrücken.

Wie kamt ihr aus der Provinz von einer Jugendband zu einem Platten-Deal mit einem Majorlabel?
Wir haben uns für den Bandpool in Mannheim beworben, ein Förderprojekt, das junge Musiker unterstützt und weiterentwickelt. Die letzte Stufe der Bewerbung war ein Live-Vorspiel, wobei die Jury aus Leuten aus der Musikbranche zusammengesetzt wurde. Unter anderem waren dabei auch die drei Major-Plattenfirmen vertreten. Und so kamen wir das erste Mal so richtig mit der Branche in Kontakt.

Was macht ihr wenn ihr nicht gerade Musik macht?
Nach jeder Probe gibt es bei uns ein obligatorisches FIFA, das wird nie langweilig und macht Spaß. Sonst gehen wir auch noch ab und zu Fußball spielen. Wir haben zu Schulzeiten sogar teilweise in der gleichen Mannschaft im Verein gespielt. Abseits davon wahrscheinlich die gleichen Sachen, wie die meisten 20 Jährigen: Serien schauen, schlafen, essen und feiern.

Was steht als nächstes bei euch an?
Natürlich freuen wir uns mega unsere EP Anfang Mai endlich zu releasen. Sonst schreiben wir zurzeit viel für unser erstes Album und im Sommer haben wir auch schon einige Live-Gigs und Festivals für die wir fleißig proben.

Wie würde eure Bedroomdisco aussehen?
Richtig gemütlich mit nem Kasten Bier und guter Musik!

Provinz Tour:
10.05. Unter einem Dach Festival, Erlangen
25.05. Heimat Festival, Scheeßel
01.06. Bedroomdisco, Darmstadt
19.06. Fluxbau, Berlin
19.07. Wein am Stein, Würzburg
09.08. Bergfunk Open Air, Königs Wusterhausen
16.08. Horn tob e Wild Festival, Bremen


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