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Veröffentlicht am 27.06.2019 | von Lea Kleisinger

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IGGY POP – Zombie Birdhouse

Lovely games of yesterday
Have left me with my soul today
Felicity flies out the door
When people lose their warmth
That’s a very ordinary bummer
I’ll hold out for summer days
Stand and laugh and run
In a quiet movie of mine
I saw a girl with eyes like fire
I had to look away

(Iggy Pop – Ordinary Bummer)

Iggy Pop hat viele Gesichter und wahrscheinlich noch mehr Alben. Den meisten werden sich bei dem Gedanken an seine Solokarriere die Lieder The Passenger oder Lust For Life ins Gedächtnis rufen. Andere, die ihn unter dem Namen King of Punk abgespeichert haben, werden wohl eher an die fantastischen Alben der Band The Stooges denken. Ohne Frage ist Funhouse eines der besten Punkrock-Alben die je geschrieben wurde. Nachdem nach und nach jedoch alle Mitglieder in Drogen- und Alkoholmissbrauch versanken und wahrscheinlich ein Großteil der Fans ihnen folgten, löste sich die Band 1974 auf. Erst 1977 schaffte es Iggy Pop wieder in die Charts. Mithilfe von David Bowie nahm er in Westberlin die Alben The Idiot und Lust For Life auf. Nachdem sein späterer Vertrag mit Arista endete bekam er die Möglichkeit mit Chris Stein, dem Gitarristen und Mitbegründer von Blondie zusammenzuarbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand Zombie Birdhouse. Seit dem ursprünglichen Release 1982 ist das Album jetzt erstmals wieder als Vinyl und CD erhältlich.

Das Album ist eine wilde Mischung aus dröhnenden Synthesizern, frechen Punkspuren, purem Pop, experimenteller Lyrik und Scheinpoesie. So beginnt es zum Beispiel mit The Villagers und Angry Hill, die beide ohne Probleme unter Einfluss von David Bowie hätten entstehen können. Live of Work überzeugt mit schallerndem Synthesizer und erinnert stark an Electroclash. Kein Wunder also, dass Pop später mal mit Peaches zusammenarbeiten wird. Ganz anders zeigt er sich dann mit Ordinary Bummer: Der eingängige Beat und die zarten Pianoklänge werden von tiefgehenden Vocals vervollständigt und es entsteht das Gefühl man befindet sich im Auge des Zombie Birdhouse Sturmes. Eat or Be Eaten zeigt Pop im Gegensatz dazu wieder in seiner punkigen Urform. In experimentellen Liedern wie Bulldozer und The Horse Song bricht selbst er am Ende in Gelächter aus und fragt sich, was er da gerade improvisiert hat. Solche Spielerein verdanken wir der Zusammenarbeit zweier Musiklegenden, die sich gegenseitig fast zu viel Freiheit beim künstlerischen Schaffen gelassen haben.

Das Album endet mit einer bislang unveröffentlichten Version von Pain and Suffering, die ursprünglich für den Animationsfilm Rock & Rule aufgenommen wurde und Background Vocals von Debbie Harry enthält. Alles in allem ist Zombie Birdhouse eines der Highlights von Iggy Pops Schaffen als Solokünstler. Die manchmal zu schief geratenen Vocals und rasanten Genrewechsel sind natürlich gewöhnungsbedürftig, aber es ist ein Hörversuch wert. Von der Vergangenheit in die Gegenwart guckend kann man sagen, dass Iggy Pop in den letzten Jahren wieder einen kreativen Höhepunkt erlebt. Sei es das geniale Album Post Pop Depression mit Josh Homme, seine Zusammenarbeit mit Oneohtrix Point Never oder dass er in einem Kunstfilm von Boris Mitic, dem Nichts seine Stimme geliehen hat. Iggy Pop hat nach wie vor ein Auge für das Besondere, Abnormale und Wilde und es bleibt spannend, was seine zukünftigen Projekte bringen werden.

Iggy Pop – Zombie Birdhouse
VÖ: 28. Juni 2019, Caroline
www.iggypop.com
www.facebook.com/iggypop


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