Musiknews

Veröffentlicht am 1.08.2019 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – August

Einfach mal Urlaub machen – das wäre doch mal was…für alle, die es diesen Sommer auch verpasst haben, den zeitigen, wie örtlichen Absprung zu wagen, bietet der August zumindest musikalisch einige gedankliche Ausflüchte. Dabei gibt es einige Hochkaräter, aber auch die Newcomer-Sparte lässt sich nicht lumpen! Bon Voyage!

1. Bon Iver – i,i (VÖ: 30.08.2019)

Es war die News im Juli für Musikfans: Bon Iver veröffentlichen ihr viertes Album Ende August und schließen damit den Jahreszeitenzyklus: auf den Winter beim Debüt For Emma, Forever Ago folgte der frenetische Frühling von Bon Iver, danach der verstörte Sommer auf 22, A Million. Und nun kommt mit i,i der Herbst zu uns. „It feels very much like the most adult record, the most complete”, sagt Bon Ivers Justin Vernon. „It feels like when you get through all this life, when the sun starts to set, and what happens is you start gaining perspective. And then you can put that perspective into more honest, generous work.” Vier Songs gibt es auch schon daraus, wodurch man schon in etwa die Richtung des Albums erahnen kann – gleichzeitig ließt sich auch die Liste der Beteiligten wie das Who Is Who der anspruchsvollen Indie-Szene: neben den Bandmitglieder sind Rob Moose und Jenn Wasner, James Blake, Brad und Phil Cook, Aaron und Bryce Dessner, Bruce Hornsby, Channy Leaneagh, Naeem, Velvet Negroni, Marta Salogni, Francis Starlite, Moses Sumney, TU Dance und vielen mehr dabei…kurzum: Wir haben so richtig Bock auf die Platte!

2. Whitney – Forever Turned Around (VÖ: 30.08.2019)

Whitney aus Chicago standen schon mit ihrem Debütalbum Light Upon The Lake aus dem Jahr 2016 für sommerlich entspannte Vintage-Musik und zumindest atmosphärisch wie musikalisch ist nicht viel passiert bei der Band um Sänger und Schlagzeuger Julien Ehrlich und Gitarrist Max Kakacek. Inhaltlich ist Forever Turned Around dabei aber ein Album über Beziehungen und Partnerschaft im romantischen, familiären und gemeinschaftlichen Sinne geworden. Aber vor allem ist es ein Album über die Liebe in der Freundschaft. Die innige Verbindung zweier bester Freunde und kreativer Partner und all der Freude und aber auch des Stresses, die diese mit sich bringt. Perfekt also für einen lauen Sommerabend mit den besten Freunden oder aber für die Fahrt zum See. Hach…

3. Shura – forevher (VÖ: 16.08.2019)

So ein bisschen war die Londoner Newcomerin Shura bis zu ihrem Debütalbum die neue Pop-Hoffnung und das große Hype-Thema…dann kam das Debüt 2016 und irgendwie ist die bekennende Single-Frau daraufhin in der Versenkung verschwunden. Ergo: die Vorschusslorbeeren konnten wohl nicht erfüllt werden vom Debüt. Es folgte ein Reset – neues Label, neuer Wohnort und neue Energie. Inklusive einer wirbelsturmartigen Romanze über Dating-Apps und Videonachrichten. Und all das merkt man bei ihrem neuen Pop-Entwurf, der nun viel gesetzter und vielschichtiger, aber vor allem mit größeren Songs daherkommt! „Für mich“, sagt Shura, „ist das Blau von forevher eine durchaus leidenschaftliche Farbe. Es ist nicht kalt oder das Blau von Depressionen.“

4. The Slow Show – Lust And Learn (VÖ: 30.08.2019)

The Slow Show aus Manchester standen schon seid Beginn ihres musikalisches Schaffen für ein gefühlsmäßig aufgeladenes, wie melancholisches Songgut, getragen von der dunklen Stimme des Frontmanns Rob Goodwin. Nachdem es mit den ersten beiden Alben (2015 & 2016) eher flott ging, verbrachten Sänger Rob Goodwin und Keyboarder Frederik’t Kindt 18 Monate damit, jede einzelne Lust and Learn Note zu schleifen. Kindt hat in Manchester in den letzten Jahren das Blueprint Studio etabliert und kennt die besten Bläser und Streicher der Stadt, die The Slow Show schon seit den Anfangstagen begleiten. Zusätzlich bildet der Hallé Youth Choir die perfekte Ergänzung zu Goodwins sonorem Organ. Herausgekommen ist ein Album aus einem Guss, das die Hörer auf eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt mitnimmt, einhüllt und so schnell nicht mehr loslässt.

5. The Teskey Brothers – Run Home Slow (VÖ: 02.08.2019)

Reiner Zufall soll es gewesen sein, dass die Teskey Brothers im letzten Jahr plötzlich weltweit als neue Bluesrock-Hoffnung gefeiert wurde. Die Australier wollten einfach nur ein bisschen rummucken und ein bisschen im heimatlichen Down Under für Ausgleich sorgen neben den ehrlichen Jobs, denen sie nachgingen. Kurze Zeit später folgt schon der Nachfolger Run Home Slow, bei dem Produzent Paul Butler (Michael Kiwanuka, St. Paul & The Broken Bones) mitgewirkt hat. Und tatsächlich beschert der Produzent der Band eine gewisse Qualität zwischen dem staubtrockenen Blues-Rock. Saftiger ist er geworden, der Sound der Teskeys. Mehr Pop, mehr Pomp, mehr Gelegenheit zum Popowackeln finden sich auf der neuen Platte. Damit übersetzen die Teskey Brothers ihre Musik aus der Vintage-Ecke in eine sehr smoothe Gegenwart aus elegantem Pop, erdigem Blues und treibendem Rock

Newcomer:

1. Clairo – Immunity (VÖ: 02.08.2019)

Wir hatten es schon zuletzt vermutet, dass das Debütalbum der US-Amerikerin Clairo noch dieses Jahr für großes Aufsehen sorgen könnte. Über 350 Millionen Streams sammelte die Debüt-EP alleine, was ihr u.a. Spots beim Primavera Sound Festival in Barcelona, beim Coachella oder auch im Vorprogramm der ausverkauften Tour von Khalid einbrachte. Die letzte Single Bags war schon mal ein kleiner Ohrwurm-Hit, der schon seit Wochen bei uns hoch und runter läuft und auch das gesamte Debüt sortiert sich als angenehm entspannter Bedroom-Pop direkt in unsere Heavy-Rotation ein. Damit ist Clairo nicht nur eine der interessantesten Wohnheim-Produzenten, irgendwo zwischen Lorde und den Moldy Peaches, sondern auch unsere Newcomerin des Monats August!

2. G Flip – About Us (VÖ: 30.08.2019)

Georgia Flipo, wie die Sängerin, Produzentin und Multi-Instrumentalistin aus Melbourne im echten Leben heißt, verbrachte den Großteil von 2017 zurückgezogen in ihrer WG, gab Musikunterricht um über die Runden zu kommen – aber brachte sich auch selbst das Produzieren ihrer Songs bei; einen Weg, mit dem sie aus den Melodien, die sie in ihr iPhone gesummt hat, ihren eigenen Sound schaffen konnte. Anfang 2018, noch bevor ihre Debütsingle About You offiziell veröffentlicht wurde, kürte Pitchfork G Flips ersten Song bereits zum Best New Track, und überschüttete ihre „Kontrolle über jedes Instrument und jede Note“ mit massig Lob. Der Song explodierte im Netz und hatte 200.000 Youtube-Views noch bevor er offiziell auf allen Streaming-Plattformen verfügbar war. Nun erscheint endlich das Debütalbum der mitunter als Naturgewalt hinter ihrem Drumkit wirkenden Australierin.

3. Ilgen-Nur – Power Nap (VÖ: 30.08.2019)

Vor gerade einmal zwei Jahren stand Ilgen-Nur das erste Mal auf der Bühne. 21 Jahre alt war sie da. Kurz danach erschien No Emotions, ihre erstes – von Max Rieger (Die Nerven) produziertes und aufgenommenes Tape. 2 Jahre später ist die deutsche Slacker-Queen um einige Bühnenerfahrung reicher, hat auf unzähligen Festivals gespielt, genauso wie im Vorprogramm von AnnenMayKantereit oder Tocotronic und gab eigene ausverkaufte Konzert in Hamburg und Berlin. Musikalisch erinnert nun ihr Debüt an Snail Mail, Nilüfer Yanya oder Courtney Barnett, aber auch an Pavement oder Built to Spill, während die Wahl-Hamburgerin uns extrem cool in ihre Gefühlswelt führt als wäre es ein Instagram-Stream.

4. Sparkling – I Want To See Everything (VÖ: 23.08.2019)

Das Kölner Indie-Trio Sparkling wabert schon seit 2016 als ihre EP This Is Not The Paradise They Told Us We Would Live In durch die hiesigen Clubs und Indie-Köpfe. Nun erscheint endlich das Debüt, das in London und Düsseldorf entstand und von Andy Ramsay (Stereolab) co-produziert wurde. I Want To See Everything… wie entwaffnend unironisch dieser Slogan und das gleichnamige Eingangsstück sind. Sparkling interessieren sich nicht für die coole Pose, sie wollen mit diesem energetischen Pop einfach raus in die Welt. Das Album macht es ihnen dabei leicht, denn es spricht eine Universale-Sprache in Pop, die weit über das angebotene Deutsch, Englisch, Französisch der Lyrics hinausgeht.

5. The Murder Capital – When I Have Fears (VÖ: 16.08.2019)

Punk ist in den letzten Monaten dank Bands wie Shame, Idles, Fontaines D.C. und Co wieder im Kommen – auch die Dubliner Post-Punk Band The Murder Capital sorgen für neues Blut im altgedienten Genre. Dabei waren sie 2018 schon eine der meist gehyptesten Bands, ohne auch nur einen Song veröffentlicht zu haben. Damit ist demnächst aber Schluss, erscheint dann doch mit When I Have Fears das Debütalbum, das mit mit Flood (PJ Harvey, Nick Cave & The Bad Seeds, New Order etc.) im Frühjahr 2019 aufgenommen wurde. Und damit beweisen die fünf Musiker, dass sie trotz ihrer relativ kurzen Bandgeschichte über enorme Intensität in ihrem Songwriting verfügen und schaffen ein Werk zwischen Licht und Dunkelheit. Das Album existiert in zwei entgegengesetzten Welten, die aber doch nicht ohne einander auskommen, denn letztendlich ist es ein Album über das Akzeptieren der eigenen Ängste und lieben zu lernen, was man hasst.

Wiederkehrer: Siskiyou – Not Somewhere (VÖ: 24.05.2019)

Siskiyou waren schon immer eine Band, die sich eher den düsteren Momenten des Lebens verschrieben hat. Als Nebenprojekt der Great Lake Swimmers lieferte Colin Huebert zwei Alben voller melancholischer Songs, die ihre Schönheit und Spannung auch aus dem Anschein des Unfertigen zogen. Nachdem das letzte Album Nervous aufgrund der massiven Gehörproblemen von Huebert während der Aufnahmen schon an ein kleines Wunder grenzte und für den Polaris-Preis nominiert wurde, kehrte er nun mit einem neuen Album zurück, das ihn zumindest beim Schreiben wirklich im Solo-Modus zeigt und nur so vor Intimität, wie direkter Selbstreflexion strotzt. Herausgekommen ist ein großes kleines Album, das man im geschäftigen Mai vielleicht verpasst haben könnte…

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