Kritik

Veröffentlicht am 2.08.2019 | von Sara Lingstädt

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DESTROYER – Filmkritik

Wissen Sie, was erfolgreiche Leute tun, Detective Bell? Sie kommen über die Dinge hinweg.

(DiFranco – Destroyer)

So hat man Nicole Kidman noch nie gesehen, ist einer der ersten Gedanken, die man hat bei den Eröffnungsszenen zu Destroyer hat. Kidman spielt in dem Thriller Erin Bell, eine Detektivin vom Los Angeles Police Department, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Gleich zu Beginn des Films sieht man sie zum Tatort torkeln, ihr Gesicht sieht verfallen aus, ihr Gang ist klapprig und ihre ganze Gestalt sieht sehr dünn und ausgezehrt aus. Ihre Kollegen sehen sie mit unverhohlener Verachtung an und raten ihr sich hinzulegen. „Du siehst schrecklich aus“, sagt ein Kollege zu ihr als Erstes. Der aufgefundene Tote mit einem Nacken-Tattoo führt Erin zurück in die Zeit vor 17 Jahren, als sie zusammen mit ihrem Partner Chris (Sebastian Stan) als verdeckte Ermittlerin arbeitete. In der kalifornischen Wüste unterwanderten sie die Verbrecherbande um den charismatischen Anführer Silas (Toby Kebbell). Bell begibt sich auf die obsessive Suche nach den überlebenden Gangmitgliedern, um Frieden mit ihrer Vergangenheit zu schließen.

In Rückblenden wird gezeigt, wie sich Erin und Chris kennenlernten und es ihnen gelang Teil der Verbrecherbande zu werden. Die jüngere Erin Bell ist kaum wiederzuerkennen: sie hat glatte Haut, lange dunkle Haare und wache Augen. Als Erin und Chris in einer Bar einstudieren, dass sie glaubhaft ein Liebespaar darstellen können, fordert Chris als Test einen Kuss ein und es ist gleichzeitig der Beginn einer tragischen Liebesbeziehung. Regisseurin Karyn Kusama hat bereits mit ihrem Debütfilm, dem Boxdrama Girlfight auf eine starke weibliche Hauptrolle gesetzt und wurde dafür von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt. Nun hat sie mit dem Autorenteam um Phil Hay und Matt Manfredi eine vielschichtige weibliche Cop-Figur geschaffen, die Noir-Themen wie das Brutale und Ausweglose der Protagonistin aufzeigt. Doch die Geschichte von Leid und Vergeltung scheint auch vertraut und häufig vorhersehbar. Die Rachepläne von Elin Bell werden eher behauptet als wahrhaftig empfunden, da viele Hintergründe im Vorborgenen und die Erzählstruktur, die wohl das Besondere des Films ausmachen soll, durch die Rückblenden eher holprig wirkt.

Das Spannende an Destroyer ist jedoch die Tatsache, dass der Bad Cop hier eine Frau ist, die genauso viel trinkt und heruntergekommen aussieht wie viele ihrer männlichen Kollegen. Doch sie macht sich permanent selbst für das Scheitern verantwortlich und sagt Sätze wie „Es ist meine Schuld, dass er gestorben ist.“ Zu ihrer jugendlichen Tochter Shelby (Jade Pettyjohn) hat Erin kaum Kontakt und die Tochter zeigt ihr immer wieder wie abstoßend und verachtenswert sie ihre Mutter findet und hält sich an keine Regeln, die ihr gesetzt werden. Eine interessante Szene ist daher als Mutter und Tocher in einem Diner sitzen und die wütende Shelby fragt, ob sich Erin erinnern kann, sie einmal auf einen chaotischen Campingausflug mitgenommen zu haben. Es ist eine Erinnerung, die Kusama für Erin in eine Art erniedrigende Offenbarung verwandelt.

Destroyer (USA 2018)
Regie: Karyn Kusama
Darsteller: Nicole Kidman, Sebastian Stan, Toby Kebbell, Tatiana Maslany, Bradley Whitford, Natalia Cordova-Buckley
Heimkino-VÖ: 18. Juli 2019, Concorde Video

 

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