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Veröffentlicht am 29.08.2019 | von Lea Kleisinger

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VELVET NEGRONI – Neon Brown


Foto-© Timothy Saccenti

I, I, I simply need no lifelines
Nine lives, I think I died on the way home
Please sir, don’t fight your body on the payphone
La-la, I burn in flames like it’s Waco
I modify my, my mind and chorus
I hide in forests
Ja, ja, ja
I ride a Taurus, my eye a Horrus
Can’t buy divorce
La-la-la-la

(Velvet Negroni – WINE GREEN)

Etwas ganz Persönliches hat Jeremy Nutzman alias Velvet Negroni da geschaffen. Seine Musik lässt die Grenzen zwischen R´n´B, Rap, Psychedelic und Gothic verschwimmen. Dabei erinnert seine hohe, klare Stimme an große Reggae Sänger. Seit 2016 produziert der gequälte Künstler mithilfe seines Alter Egos Velvet Negroni Musik. Sein neuestes Album Neon Brown wird nun bei dem Independent-Label 4AD erscheinen. Es war ein langer und steiniger Weg bis zu diesem Album, in dem er mit uns all seine Erfahrungen teilt und so eine fremde kleinen Dimension öffnet, in die wir gerne einen Blick werfen.

In einem Vorort von Minneapolis begann alles. Dort wuchs Jeremy nämlich als schwarzes, adoptiertes Kind in einer weißen und streng christlichen Familie auf. Kein Wunder, dass er sich früher oder später auf die Suche nach sich selbst gemacht hat und dabei immer mal wieder in dunkle Gassen abgebogen ist. In Hits wie First Time geht er sehr offen mit seinem Verhältnis zu Drogen um. Sein ungesunder Umgang mit Kunst fand erst allmählich ein Ende, als er mithilfe seiner Freunde, dem Produzenten Psymun (Future, Young Thug) und Tickle Torture täglich im Studio zusammen an seinen neuen Songs arbeitete.

Das Album startet mit ONE ONE. Experimentelle Klänge mischen sich harmonisch mit seiner Stimme und quietschende Gitarrenseiten klingen wie eine tickende Uhr. Kurze Zeit später verzerrt seine Stimme und es herrscht eine fast unheimliche Stimmung, die aber schnell wieder vom ursprünglichen Beat vertrieben wird. Es folgt WINE GREEN, eindeutig eines der Highlights des Albums. Eine Art psychedelischer Reggae ertönt und die spielerische Vocals geben dem Song das gewisse Etwas. Die oft etwas grobmotorischen Beats mit blechernen Marimbas und klackernden Synthesizern sind ein ganz eigener Stil. Leichtigkeit bringt das Album gewiss nicht mit sich, dafür aber verführerisch hallende Vocals, schnelle Rap-Einlagen und Velvet Negronis experimentellen Schluck-Auf-Rap-Style. In CONFETTI packt er seine schönste Singstimme aus, die mit rauen und sehr hohen Elementen überzeugt. Schöne Saxophoneinlagen und ein minimalistischer Beat begleiten ihn. Der schwerfällige Beat von U.DUNNO zeigt, dass er gerne mit Tempowechsel spielt. Wieder düster wird es mit SCRATCHERS. Melancholisch schwebende Klänge erzeugen die Sehnsucht nach einer nächtlichen Autofahrt durch blinkende Großstädte. Mit FEEL LET und leichten Bachata-Klängen neigt sich das Album langsam dem Ende zu.

Die Velvet Negroni Dimension ist so fremd, dass sie an manchen Ecken unheimlich wirkt, aber sie zieht den Zuhörer in einen Bann, dem er nicht mehr so leicht entkommt. Wabernde Musikströme mit spürbarer Schwere gleiten durch die Atmosphäre und aus der Ferne erklingt die Stimme des Künstlers mit Wiedererkennungswert. Hört es euch am besten selbst an.

Velvet Negroni – Neon Brown
VÖ: 30. August 2019, 4AD
www.velvet-negroni.com
www.facebook.com/VelvetNegroni

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