Kritik

Veröffentlicht am 3.10.2019 | von Julius Tamm

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VAN GOGH – An der Schwelle zur Ewigkeit – Filmkritik

Existence can´t be without reason

(Vincent Van Gogh – Van Gogh)

Er gilt als Vater der Moderne und ist einer der berühmtesten Maler überhaupt – Vincent Van Gogh. Seine Arbeiten werden im Post-Impressionismus eingeordnet und waren wichtige Einflussfaktoren auf frühe Expressionistinnen und Expressionisten. Doch Van Goghs Leben war vor allem gegen Ende hin geplagt von finanzieller Not und schweren psychischen Leiden. Julian Schnabels Film Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit nimmt sich den letzten Lebensjahren des holländischen Künstlers an und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf den inneren Prozess des Malers. Zum Heimkino-Release haben wir uns den Film noch einmal angesehen.

Vincent Van Gogh (Willem Dafoe) hält es in der stickigen und tristen Großstadt Paris nicht mehr aus und möchte endlich wieder in der Sonne malen können. Nach einer wenig erfolgreichen Ausstellung in einem Café und einem Gespräch mit dem Künstlerkollegen Paul Gauguin (Oscar Isaac) beschließt Van Gogh in das kleine Dorf Arles in Südfrankreich zu ziehen. Dort verbringt er seine Zeit hauptsächlich unter freiem Himmel und malt in nur 16 Monaten 187 Gemälde – unteranderem seine berühmten Sonnenblumenbilder. Mit der Zeit verschlechtert sich jedoch die Gesundheit des Malers und er leidet zunehmend an Panikattacken, Depression und Wahnvorstellungen. Der Umzug von Paul Gauguin nach Arles hebt die Stimmung Van Goghs für kurze Zeit, doch schnell zerstreiten sich die beiden temperamentvollen Charaktere und nach nur zwei Monaten geht Gauguin zurück nach Paris. Dabei kommt es auch zu dem bis heute ungeklärten Verlust von einem Großteil Van Goghs linkem Ohr.

Julian Schnabels Versuch, den holländischen Maler Vincent Van Gogh zu portraitieren, ist ihm auf grandiose und erfrischende Weise gelungen. Anstelle sich am ganzen Leben des Künstlers und seiner Werke abzuarbeiten, blickt Schnabel gezielt in die Psyche Van Goghs und macht seinen geistigen Prozess sowie seine Krankheit greifbar. Den ZuschauerInnen wird schnell klar, dass die Kunst Van Goghs und sein Leiden Hand in Hand gehen. Zusätzlich schafft es Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit mit höchstem Feingefühl die Themen Depression und psychische Krankheit aufzubereiten und mit viel Empathie zu vermitteln. Hauptdarsteller Willem Dafoe verleiht der Person Vincent Van Gogh einen träumerischen und zugleich melancholischen Charakter.

Besonders beeindruckend ist Dafoes Transformation je nach Lebenslage von Van Gogh – geht es ihm schlecht, wirkt der Darsteller um viele Jahre gealtert, während er in anderen Sequenz fast jugendlich auftritt. Trotz einer teilweise anstrengenden Kameraführung ist Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit ein wunderbarer Film, den es zu schauen lohnt.

Van Gogh (USA / FRA 2018)
Regie: Julian Schnabel
Darsteller: William Dafoe, Oscar Isaac, Rupert Friend, Frank Molinaro, Alan Aubert, Mads Mikkelsen
Heimkino-VÖ: 4. Oktober 2019, Universum Film GmbH

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und produziert Podcasts.



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