Kritik

Veröffentlicht am 11.11.2019 | von Malte Triesch

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BOOKSMART – Filmkritik

What took them four years, we’re doing in one day.

(Molly – Booksmart)

Die besten Freundinnen Amy (Kaitlyn Dever) und Molly (Beanie Feldstein) sind Streberinnen wie sie im Buche stehen und stolz darauf. Anstatt Feiern zu gehen und das Leben zu genießen ist ihr ganzer Fokus der Highschool gewidmet. Schließlich ist ein guter Highschool Abschluss der Wegbereiter zu einer guten Uni und diese der Wegbereiter zu einem guten Job und so weiter. Kurz vor Ende ihrer Highschoolzeit wird ihre Welt komplett auf den Kopf gestellt, als sie bemerken, dass auch die schlimmsten Verlierer und Partytiere unter ihren Mitschülern ihre Karriere an renommierten Universitäten oder im Direkteinstieg bei Google und Co. fortsetzen. Dass ihre Mitschüler anscheinend sowohl die Highschool als auch Leben erfolgreich meistern, während die beiden Overachiever nur an der Highschool brillieren, wollen sie nicht auf sich sitzen lassen. Mit nur einem letzten Abend vor ihrem Abschluss haben sie somit einiges an Feierei und Leben aufzuarbeiten.

Unglaublich, dass Booksmart tatsächlich Olivia Wildes Regiedebüt ist. In ihren Rollen als Quorra (Tron: Legacy) oder Thirteen (Dr. House) hat sie zwar durchaus charmant witzige Momente, ist aber hauptsächlich wunderschön und unnahbar. Ganz abgesehen natürlich davon, dass sie außer ein paar Kurzfilmen bisher eben keine Regiearbeit abgeliefert hat. Und dann kommt Booksmart und feuert in fast jeder einzelnen Szene mehr Gags ab, als so manch andere Komödie über den ganzen Film verteilt. Dabei ist Booksmart aber keinesfalls nur einfacher Teenie- Klamauk, sondern besticht dazu auch noch mit Herz und einer sehr ehrlichen Geschichte um zwei Außenseiterinnen, die mit voller Absicht, aber am Ende doch auch Tragik, die meiste Zeit ihres bisherigen Lebens an eben diesem vorbeigelebt haben. Denn, dass es noch mehr als nur Lernen gibt spüren die beiden von Anfang an, dass man dies jedoch ebenso konstant an verfolgen und auch daran arbeiten muss, lernen sie im Laufe des Films. Mit spielerischer Leichtigkeit nimmt der Film sich nebenher noch Themen wie Gleichberechtigung, Bodyshaming und Homosexualität an. Dabei aber nie mit erhobenem Zeigefinger einer schwarzweißen Betrachtung oder einfachen bzw. unrealistischen Lösungen. Und bietet somit sowohl niveaulose Highschool- Gags im Stakkato als auch den nötigen Tiefgang. Dass Olivia Wilde den Klassiker Breakfast Club als Inspiration zitiert, ist dabei nicht zu hoch gegriffen. Genau wie dieser in den 80ern greift Booksmart gekonnt die Themen auf die Teenager unserer Zeit beschäftigen. Getragen wird der Film dabei natürlich von den beiden extrem charmanten Hauptdarstellerinnen Dever und Feldstein, denen man die tiefe Freundschaft in jeder Szene abkauft. Eine echte Überraschung ist dazu Nebendarstellerin Billie Lourd als Partyflittchen Gigi. Durfte die Tochter von Carrie Fischer in den jüngsten Star Wars- Filmen hauptsächlich dekorativ in der Kommandozentrale des Widerstands rumstehen, überrascht es wenig, dass für sie hier aufgrund der guten Performance zusätzliche Szenen geschrieben wurden. 

Natürlich wird die letzte große Partynacht der beiden Protagonistinnen am Ende etwas epischer als es in der Realität der Fall wäre und es gibt dabei Rückschläge und überraschende Wendungen zuhauf. Diese kommen dabei jedoch weder aus dem Nichts, noch werden sie wie in vielen anderen Komödien von weitem mit Leuchtreklame angekündigt. Vielmehr verteilt Wilde in den ersten beiden Dritteln gekonnt und subtil die Saat für Gags, welche teilweise erst in den letzten Minuten und schon völlig vergessen plötzlich zünden. Und trotz der Gagdichte fiebert man bis zum und besonders am Ende zu 100% mit den beiden liebenswerten Streberinnen mit. Also, seit wie Amy und Molly, lebt euer Leben, geht raus und schaut Booksmart!

Booksmart (US 2019)
Regie: Olivia Wilde
Cast: Kaitlyn Dever, Beanie Feldstein, Jessica Williams, Jason Sudeiki, Lisa Kudrow, Billie Lourd
Kinostart: 14. November

YouTube video

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlandsauf. Seine frühesten Film Erinnerungen sind auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier dochrecht begrenzt oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter. Da man diese erst ab 18 betreten durfte wurde die Arme Frau regelmäßig mit einer, der Wichtigkeit nach gerankten Filmliste voller Namen die ihr nichts sagtenwie „Tanz der Teufel“ oder „Die Brut der Nacht“ dorthin geschickt um die 3 höchst gerankten/ verfügbaren Filme für den nächsten Videoabend auszuleihen. Nebenher bemerkte er irgendwann, dass all die Videospiele und Zeichentrickfilme die ihm besonderes gute gefielenaus Japan kamen. Also wurde der Entschluss gefasst Japanologie zu studieren... zusammen mit BWL... damit man dann hinterher auch was arbeiten kann oder so. Wenn er auch ein sehr schlechtes Gewissen für Geburtstage und Namen hat, kann man sich in seinem Freundeskreis sicher sein pünktlich zu Halloween, May the 4th,St. Patricksday oder einem anderen obskuren „Freiertag“ gratuliert und zu einer entsprechenden Party eingeladen zu werde



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