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Veröffentlicht am 4.11.2019 | von Susan

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FABER – I fucking love my life


Foto-© Peter Kaaden

Wenn ich trage was der Teufel trägt,
wird das dann auch in der Hölle genäht?

(Faber – Top)

Scheinwerferlicht blendet die von der gestrigen Nacht noch müde Augen. Man hört den Jubel, kann dennoch keine Menschenseele erkennen. Zwischen taumelnden Nebelschwaden schwebt Liebe durch die Luft. So, oder so ähnlich muss es dem Schweizer Singer-Songwriter Julian Pollina, besser bekannt als Faber, seit der Veröffentlichung seines Debüts Sei ein Faber im Wind vor zwei Jahren ergangen sein.

Drei ausverkaufte Tourneen, Auftritte auf erlesenen Festivals, ein zusätzlicher Aufwind durch die EP Alles Gute und Ende 2019 folgt die nun schon ausverkaufte Releasetour zur neuen Platte, um nur ein paar Stationen des ehemaligen Newcomers zu nennen. Von Kritikern und Fans wurde er dabei gleichermaßen gefeiert und hat die eingeschworene Deutschpop-Gemeinschaft ordentlich aufgerüttelt. Seine Antwort auf so viel Lob folgt nun mit seiner zweiten LP I fucking love my life. Und auch dieses Mal schwingt, zwischen seinen pointierten Texten, sehr viel Ironie mit. Seine Stimme wirkt dabei so verrucht, wie nach einem wilden Partymarathon oder nach einer sehr lang anhaltenden Grippe. Auf jeden Fall möchte man ihm zuhören. Und das sollte man auch.

Denn mit viel Zynismus wird man schon mit dem Song Highlight direkt in die Welt von Faber abgeholt. Der hinterfragt sich, aber vor allem immer auch die anderen. Dabei tritt er in einen Dialog mit sich und spricht gleichermaßen jeden damit auch direkt an. So leidenschaftlich wie er dann seiner Hörerschaft Jung und dumm um die Ohren haut, möchte man ihn, während er zwischen Pauken und Trompeten vom Kotzen singt, doch ganz gerne umarmen…oder einfach mitkotzen. Das schafft nicht jeder. Mit Top, aber auch Sag mir wie du heisst – Pt.1 kommen dann, wie man es auch schon von der vorherigen Platte kennt, seine animalischen Züge zum Vorschein. Er verführt, stößt weg, fast schon wie bei einer multiplen Persönlichkeitsstörung, fühlt man sich von Faber angezogen. Man will mehr. Man bekommt mehr, muss sich allerdings, vor allem die Julians und Lisas dieser Welt, in Ihr habt meinen Segen, wieder ein Stück Sozialkritik gefallen lassen.

Mit Intermezzo kommt die buchstäbliche Zwischenaktsunterhaltungen, um den Übergang zu Das Boot ist voll zu schaffen. Das polarisierende Stück, gegen den Rückfall in düstere Zeiten, war kurz nach Veröffentlichung schon in der Kritik und der Musiker entschied sich kurzerhand den Refrain nochmal zu ändern und dieser hat nun nur noch wenig mit Vergewaltigungsfantasien zu tun. Düster schlüpft er auch in Nie wieder in die Rolle eines Märtyrers, der sich seinen Taten bewusst wird und seine schlechten Angewohnheiten fern bleiben willen. Mit Heiligabig ich bin bsoffe verabschiedet er sich mit seinem ersten Song auf Schweizerdeutsch. Dieser ist eine realistische Darstellung, von einem eher traurigen Weihnachtsfest und wird damit zwar Mariah Carey nicht vom Thron stoßen, aber zeigt eine weitere, der vielen Facetten des Schweizers. Unterstützt wurde er, wie auch schon bei seinen vorherigen Projekten, von der Goran Koč y Vocalist Orkestar Band, die mit Percussions und Saxophon, für die nötige Finesse des Albums sorgen.

Die 16 Songs lassen damit viel von dem Musiker Faber durchschimmern. Lassen Spielraum für Interpretationen, verleiten aber auch dazu, zu Glauben, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt wurde. Das mag auch daran liegen, dass Faber mit Klischees spielt. Im Anzug, nicht mehr ganz nüchtern, wirkt aber auch er wie eine Kunstfigur und spiegelt die junge Gesellschaft in den großen Städten wieder. Verändern will er die Welt, aber geliebt werden eben auch. Fast schon eine wundervoll tragische Geschichte.

Faber – I fucking love my life
VÖ: 1. November 2019, Universal
www.fabermusik.de
www.facebook.com/fabermusik

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