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Veröffentlicht am 11.11.2019 | von Christian Weining

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HALF MOON RUN – A Blemish In The Great Light

Half Moon Run - Cover
Foto-Credit @Yanni Clarke

You said a lot of things
I don’t understand
You get a piece of me
But I get an empty hand
All of the pieces fit
But that big picture’s wrong
And it’s something

Only I’ll ever know

(Then Again – Half Moon Run)

Einige Folk Fans werden sich noch gut an den Moment erinnern können, als im Vorprogramm der Mumford & Sons Tour 2012 plötzlich diese energetische Musik mit allerlei Trommeln und Akustikgitarren begann und man sofort verliebt war in die vier Jungs aus Kanada namens Half Moon Run.Auf den damaligen Indie-Folk Sound der Platte Dark Eyes folgte Sun Leads Me On, das schon wesentlich rockiger und ausgereifter daher kam. Nach beiden Alben stand fest: Half Moon Run gehören zu Kanadas Besten. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, erscheint nun bei Glassnote Records das langersehnte Drittwerk A Blemish in the Great Light.

Schon beim Hören des Openers Then Again ist man sich sicher, hier spielt Half Moon Run. Akustikgitarren, gesanglich relativ herausfordernd, eine markante Stimme, Mehrstimmigkeit, sowie temporeiche Drums. Das geht gleich schon richtig gut ins Ohr, ebenso wie die Gitarrenmelodie von Favourite Boy im Anschluss. Das gesamte Songwriting ist auch sieben Jahre nach dem Debüt gewohnt komplex und vielschichtig. Aus dem Vollen schöpfend sind da orchestrale Arrangements mit Streichern, Piano, Chören, Synthies und allem was sich der Hörsinn vorstellen kann. Harmonische und rhythmische Wechsel zeugen von der teilweise klassischen Musikerausbildung, die einige der Bandmitglieder genossen.

Durchweg kommt eine gewisse Alt-Folk „Country“ Attitüde durch, besonders deutlich u.a. in Yani’s Song. Das könnte mit passendem Text auch in einem Tarantino Western halb ernst, halb augenzwinkernd eine wilde Saloon Szene begleiten. Doch obwohl das sicherlich ein heute ungewöhnliches Stück Musik ist, oder Razorblade in einigen Momenten fast Hard Rock mäßig reinhaut, kommt nicht das Gefühl auf, dass Half Moon Run seine Identität verloren hat. Vielmehr werden auf der zehn Stücke langen Platte Experimente aneinandergereiht, die sich zu einem runden Gesamtwerk zusammenfügen und das Können der Band diesmal in einem Americana-Folk-Country Gewand unter Beweis stellen.

Der Kern ihres Erfolgs ist vielleicht genau dies: Mutig und mit Expertise Musik komponieren, die über das Alltägliche hinausgeht und trotzdem eine gewisse Poptauglichkeit beinhaltet. Das hat wenigstens in diesem Sinne teilweise Vergleichspunkte in Richtung Queen, Radiohead oder Muse. Was anderseits auch beinhaltet, dass man tendenziell auch mal überfordert sein kann von der Vielschichtigkeit und den Klangwuchten. Aber stopp hier,  kritisieren auf so hohem Niveau muss nun auch wieder nicht sein.

A Blemish in the Great Light dürfte die hohen Erwartungen für Viele erfüllen. Wem der neue Americana Einschlag nicht gefällt, dem kann man dies nicht verübeln. Nicht zu bestreiten ist die große Kunst, die Half Moon Run wieder einmal an Instrumenten und Stimmen verrichten.

Half Moon Run – A Blemish In The Great Light
VÖ: 01. November 2019, Glassnote/ Rough Trade
https://www.halfmoonrun.com
https://www.facebook.com/halfmoonrun

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