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Veröffentlicht am 6.11.2019 | von Andreas Peters

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MICHAEL KIWANUKA – Kiwanuka


Foto-© Sebastian Madej

Love makes you blind
I hope to find
Who I believe in
Get back in line
I can’t deny myself
Show me the feeling
Oh, you got me wrong
If you don’t belong
Live in the trouble

(Michael Kiwanuka – You Ain’t The Problem)

Seit seinem 2012 erschienenen Debütalbum Home Again ist der Soul-Musiker und Songwriter Michael Kiwanuka längst von einem aufstrebenden Newcomer (Gewinner des BBC Sound of 2012) zu einer festen musikalischen Größe avanciert. Nicht zuletzt der bahnbrechende Erfolg seines klanglich opulenten Zweitwerks Love & Hate von 2016 sicherte dem 32-jährigen britischen Künstler einen hohen Bekanntheitsgrad weit über die britischen Landesgrenzen hinaus. Das neue, selbstbetitelte Werk Kiwanuka setzt neue Maßstäbe: Auf vierzehn Titeln werden hier Klangwelten zwischen Retro-Soul, Gospel-inspirierten Stücken und psychedelischem Funk kreiert, die nicht nur für eine neue musikalische Weiterentwicklung des Soul-Sängers stehen, sondern zudem inhaltlich Authentizität, Selbstreflexion und persönlichen Fortschritt in den Fokus rücken.

Dass auf dem Cover des Albums der Sänger Kiwanuka selbst, in der Robe eines fürstlichen Herrschers gekleidet, uns selbstbewusst und aufrecht anblickt, ist im Rahmen des Werks nicht lediglich als Verweis des Briten auf seine ugandischen Wurzeln zu deuten, sondern darf mit Recht auch als ästhetisches Statement verstanden werden. Hier lässt sich ein Künstler in Szene setzen, der sich mit seiner Identität auseinandersetzt und sein biografisches Material nicht nur als Randnotiz begreift, sondern als das, was ihn und sein künstlerisches Schaffen im Wesentlichen ausmacht. Auf diesem Album singt jemand, der diesen steinigen Weg der Introspektion und Selbstbefragung auf sich genommen hat.

Wie vielseitig und klanglich gereift der gebürtige Londoner sich in 2019 schließlich offenbart, davon zeugt Kiwanuka. Ohne völlig den Sound der Vorgängerwerke zu verbannen, präsentiert sich das neue Werk doch enorm opulent und changiert zwischen elektrisierenden und rhythmischen Stücken wie You Ain’t The Problem, Rolling, Living In Denial oder Hero, vom Gospel beflügelte Balladen wie I’ve Been Dazed bis hin zu souligen Einschlägen in Liedern wie Hard To Say Goodbye oder Final Days. Gemein ist allen Songs die sehr warme und harmonische Gesangsstimme Kiwanukas, die, getragen von dem klanglichen Fundament der einzelnen Stücke, eine behagliche und vertraute Atmosphäre erzeugt.

Die lyrischen Botschaften bilden hier indes keineswegs nur einen Begleittext zur musikalischen Wucht des Werks: „I’ve been dazed / My pride is gone / My mistake / Guess I’ll move on“ hallt es exemplarisch aus I’ve Been Dazed heraus. Das Verhältnis des Künstlers zu seiner Lebenswelt ist ein zwiegespaltenes, daraus leitet sich jedoch keinesfalls Mutlosigkeit oder Hilflosigkeit ab – ganz im Gegenteil. Diese lebensbejahende Botschaft zieht sich wie ein bestimmendes Thema durch das gesamte Album und mündet auf Hero in Kiwanukas politischer Solidarisierung mit dem Civil Rights Movement. Er erinnert uns daran, dass der Kampf gegen Rassismus, Diskriminierung und feindliche Gesinnungen noch lange nicht gewonnen ist.

Dass der Soulsänger damit auch heute noch einen Kern gesellschaftlicher Probleme trifft, ist eine sehr traurige Botschaft. Doch zugleich ist die Art und Weise, wie sich Kiwanuka auf seinem bisher stärksten Werk mit Identitätskrisen, Selbstzweifeln und kultureller Ausgrenzung auseinandersetzt zeigt, dass Musik insbesondere in Zeiten des Aufruhrs Bedeutung und Orientierung herstellen kann.

Michael Kiwanuka – Kiwanuka
VÖ: 1. November 2019, Polydor
www.michaelkiwanuka.com
www.facebook.com/MichaelKiwanuka

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