Kritik

Veröffentlicht am 23.01.2020 | von Helena Barth

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Kinotipp der Woche: JOJO RABBIT

© 2019 Twentieth Century Fox

Life is a gift. We must celebrate it. We have to dance, to show god we are grateful to be alive.

(Rosie Betzler – JoJo Rabbit)

Der kleine Johannes Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) ist zehn Jahre alt, recht eigenbrötlerisch und sein bis dato größtes Problem ist das Schuhe binden. Doch seine Zukunft sieht rosig aus, denn einer seiner größten Träume geht nun in Erfüllung: er kann endlich seinem Lieblingsverein beitreten, der Hitlerjugend. Seine ihn über alles liebende Mutter Rosie (Scarlett Johansson) sieht das zwar überhaupt nicht gern, aber sie ist jederzeit für ihren kleinen Jungen da und versucht ihn so gut es geht zu unterstützen. Doch dann wird das Leben von Jojo abrupt auf den Kopf gestellt, als er zufällig herausfindet, dass seine geliebte Mutter ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) in ihrem Haus versteckt. Als Mann im Haus versucht Jojo das Problem selbst zu lösen, sucht aber ab und an Rat bei seinem imaginären Freund Adolf Hitler (Taika Waititi).

Taika Waititis Filme zeichnen sich durch seinen ganz speziellen Humor aus, von schräg und trocken wie in der Liebeskomödie Eagle vs Shark bis hin zu popkulturell referenziert und slapstickartig wie in Thor: Ragnarok. Nicht jedem Kinogänger liegt dieser eigentümliche Waititi- Humor, vor allem wenn sich der Regisseur öfters zwei unterschiedlichen Genres annimmt. Einige Kritiker hatten bereits bei Waititis letzten Filmen bemängelt, dass ihm der tonale Übergang zwischen ernsten und komischen Szenen nicht unbedingt reibungslos gelinge und er sich zu sehr und zu oft auf seine Gags verlassen würde. Und wahrscheinlich werden sich auch bei Jojo Rabbit nicht alle Cineasten mit Waititis Mischung von Kriegsdrama und Komödie anfreunden können. Denn seine Inszenierung der Geschichte eines kleinen hurrapatriotischen Jungen, dessen bester Freund, ein tumber und anfänglich doch sympathisch wirkender Adolf Hitler-Verschnitt ist, ist äußerst gewagt. Doch gerade diese Risikobereitschaft, die der Regisseur eingeht, zahlt sich aus. Denn hier glückt ihm die Kombination zwischen Komödie und Melodrama.

Die im Film dargestellten Nazis und ihre Handlungen sind zwar stark überzeichnet und in ihrer Darstellung teilweise stilisiert, doch wird dies von allen Figuren als vollkommen normal aufgenommen, sodass sie sich und in ihrem nationalsozialistisches Gedankengut so oft kontradiktieren, dass sie sich und ihre Ideologie in der Absurdität des Ganzem selbst dekonstruieren. Auch dem imaginären Adolf Hitler, der Jojo zu Beginn motiviert und mit Rat zur Seite steht, bleibt diese eigen erzeugte Dekonstruktion nicht verwehrt, erhält er sogar durch seine Einführung als Sympathieträger eine ganz eigene und spezielle Fallhöhe. Der Humor rangiert hier von trockenem Wortwitz bis hin zu Slapstick, ist zu keiner Szene fehl am Platz und lässt dabei genug Raum für beklemmende und realistisch gehaltene Szenen, die im Kontrast umso intensiver nachhallen.

Denn im Kern erzählt Jojo Rabbit die Geschichte eines kleinen schrulligen Jungen, der als Außenseiter zu einer extrem grausamen Zeit aufwachsen muss. Taika Waititi schafft es mit Gefühl und Einfühlungsvermögen die Welt zu Zeiten des Krieges aus der Perspektive eines Kindes zu zeigen. Hierbei sind auch die Jungschauspieler hervorzuheben, die allesamt eine überzeugende Leistung erbringen. Besonders das Zusammenspiel von Jojo und Elsa, dem jüdischen Mädchen, das Unterschlupf im Haus Betzler findet, ist so authentisch und herzlich und zeigt in kleinen Schritten wie es ist, in den Schuhen eines anderen zu stecken. Und hier brilliert Waititi durch seine Bildsprache, die mitunter einige signifikante Szenen bestimmt. Schuhe und die Bewegung an sich, vor allem im Kontrast zum Stillstand, werden zu regelrechten, visuellen Motiven und sehr charmant und unaufdringlich in den Verlauf der Geschichte verwoben.

Die zentrale Figur des Vorwärtskommens und der moralische Gegenpol zu Jojos imaginärem Freund ist seine Mutter Rosie, die gleichzeitig Stärke und Empfindsamkeit repräsentiert und es dabei schafft neben dieser Stärke auch Hoffnung gerade in ihrer Empfindsamkeit zu finden. Scarlett Johansson liefert hier nach Marriage Story wieder eine großartige Performance in der Rolle einer liebevollen Mutter ab und hält dabei ein bewegendes Plädoyer auf alleinerziehende Mütter.          

Jojo Rabbit ist eine lustige, süße und kühne Coming of Age-Geschichte in Form einer Tragik-Komödie, die nicht vergessen lassen möchte, dass es in Mitten der Wirren und Grausamkeiten des Krieges auch Toleranz, Freundschaft und vor allem Liebe geben kann, solange man sich diesen nicht verschließt.

Wer dem skurrilen Humor von Taika Waititi nicht abgeneigt ist und sich auf einen wunderlichen Mix aus Moonrise Kingdom und Inglourious Basterds einlassen kann, der sollte seine Schuhe fest schnüren und sich auf einen abenteuerlichen, emotionalen und lebensbejahenden Tanz, voller Gelächter und Tränen, mit Jojo und seinen Freunden einlassen.

JoJo Rabbit (USA 2019)
Regie: Taika Waititi
Darsteller: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Taika Waititi
Kinostart: 23. Januar 2020, Twentieth Century Fox

In Kooperation mit Twentieth Century Fox verlosen wir zum heutigen Kinostart von JoJo Rabbit zwei Fanpakete, bestehend aus dem Kinoposter und jeweils 1×2 Freikarten für den Film! Ihr wollt gewinnen? Dann schickt uns bis zum 30. Januar eine Mail mit dem Betreff „JoJo Rabbit“ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr schon bald Post von uns in eurem Briefkasten!

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