Kritik

Veröffentlicht am 11.02.2020 | von Dominik

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GEMINI MAN – Filmkritik

Foto-© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Erlebt man auch nicht alle Tage, dass einer an einem Tag auf zwei Kontinenten zusammen geschlagen wird!

(Baron – Gemini Man)

Es ist ja so eine Sache mit den Auftragskillern der Regierung. Solange sie im Dienst brav ihre Aufträge – ergo menschliche Ziele – erledigen, ist alles gut. Wenn sie aber ihre Tätigkeit hinterfragen oder Ermittlungen gegen den Auftraggeber aufnehmen, gilt es schnell einen neuen Hitman zu finden und den alten zu beseitigen. Nur blöd, wenn es ein schier unmögliches Unterfangen ist den wohl besten Schützen ums Eck zu bringen. Der taiwanische Filmemacher Ang Lee setzt diese Thematik in seinem neuen Action-Kracher Gemini Man um – mit Will Smith als Hitman, in jung und alt!

Henry Borgen (Will Smith) ist ein Auftragskiller der ersten Güte und steht wie kaum ein anderer dafür schwierige Ziele erledigen zu können. Doch als er nach der letzten Mission erfährt, dass sein Ziel wohl nicht der Bösewicht war, als den Borgens Auftraggeber ihn hingestellt haben, fängt der in die Jahre gekommene Killer an zu recherchieren – und wird selbst zur Zielscheibe! Und da er selbst der beste seines Schlages ist, gibt es nicht viele, die es mit ihm aufnehmen können…außer vielleicht einem jüngeren Klon seiner selbst, was die ganze Situation nicht unbedingt einfacher macht! Denn wieso erschafft man einen Klon eines Elite-Killers und warum soll Borgen nun von der Bildfläche verschwinden?!

Ang Lee ist dafür bekannt spielerisch zwischen den unterschiedlichsten Filmgenres ohne Qualitätsverlust wechseln zu können: hier eine Jane Austin-Verfilmung (Sinn und Sinnlichkeit), dort ein Material Arts-Film (Tiger and Dragon), dann mal eben ein schwules Cowboy-Drama (Brokeback Mountain) oder eben ein außergewöhnlicher Abenteuerfilm (Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger) – wobei er für die letzten beiden auch jeweils mit dem Oscar in der Kategorie Beste Regie ausgezeichnet wurde. Klar, dass der Regisseur sein Handwerk versteht und man ihm auch einen starbesetzten Actionkracher zutrauen kann – umso mehr wenn mit Jerry Bruckheimer ein absoluter Action-Spezialist als Produzent und mit Will Smith ein absoluter Sympathieträger mit an Board sind. Dennoch hakt es bei Gemini Man an allen Ecken und Kanten, was hauptsächlich mit dem ambitionierten Script zu tun hat, das zu viele Themen nur oberflächlich anschneidet, bei den Charakteren letztlich zumeist auf Stereotypen setzt und Bruckheimer-typisch letztlich alles zum Beiwerk eines Effekt-Feierwerks verkommt. So wirken irgendwann die beiden Will Smith Charaktere vielmehr wie Figuren mit Superkräften in einem überdrehten Konsolenspiel als wahrhaftige Menschen aus Fleisch und Blut, weshalb man letztlich auch die Bindung zu diesen verliert. So ist Gemini Man letztlich ein Film mit viel Ambitionen, jedoch wenig Inhalt, kaschiert mit viel oberflächlichen Tamtam – aber vielleicht will er eben auch genau das sein, für eine Zielgruppe, die einen Actioner sucht, zwischen zwei Fast And Furious-Teilen…

Gemini Man (USA 2019)
Regie: Ang Lee
Darsteller: Will Smith, Mary Elizabeth Winstead, Clive Owen, Benedict Wong, Ralph Brown, Linda Emond
Heimkino-VÖ: 13. Februar 2020, Paramount Pictures

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