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Veröffentlicht am 18.03.2020 | von Susan

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LÅPSLEY – Through Water


Foto-© Alexandra Waespi

I will say it again
‘Cause there’s beauty in repetition
And there’s a beautiful end
But my mind makes that decision

And there’s a girl in the mirror and a womxn on my shoulder
Back in a minute and she’s five years older
I wonder what to say to her
I question where I wanna be
I stop judging her
I tell her who I wanna be

I look, I breathe, I feel… like a womxn

(Låpsley – Womxn)

Erstmal ganz oben angekommen, fällt es schwer die (Karriere-)Leiter freiwillig wieder hinabzusteigen. Meist wird man dort oben, wo die Luft dann auch schon etwas dünner ist, schnell von einem neuen Stern am Musikhimmel hinunter befördert. Anders bei Holly „Låpsley“ Fletcher, die 2016 mit ihrem Debüt Long Way Home, wie eine Rakete durch das Rampenlicht des Pop-Universums sauste und damals schon in einem Atemzug mit James Blake, FKA twigs, Banks oder Jessie Ware genannt wurde. Es folgten ausverkaufte Shows, Millionen von Streams und Chartplatzierungen. Tief mit der Musik verwurzelt, genau das was man sich als 19jährige normalerweise nur erträumen kann. Doch wie alles, hatte auch diese Entwicklung zwei Seiten und die Musikerin merkte, wie sie an ihre Grenzen geriet. Statt sich selbst zu vernachlässigen, um anderen zu gefallen, entschied sie sich für einen anderen Weg und zog sich langsam wieder aus der Öffentlichkeit zurück.

So begann sie mit Teenagern aus schwierigen Verhältnissen zu arbeiten und belegte einen Kurs zur Geburtshelferin, immer von Musik begleitet, inspiriert von der Realität, die Geschichten widerspiegeln, die das Leben schreibt. Die Britin sammelte aber nicht nur ihre Ideen, sondern auch die Kraft, ihre im letzten Jahr erschienene EP These Elements und nun ihr zweites Studioalbum Through Water zu veröffentlichen. Schon zu Beginn der Platte lässt der Titeltrack einiges erahnen: In einer elektrisierenden Atmosphäre zeigt sie, dass ihr die letzten Jahre alles andere als geschadet haben und sie um einiges reifer aus dieser Zeit hinaus schreitet.

My Love Was Like The Rain spielt mit wiederkehrenden Riffs und eingängigen Grooves. Alles wirkt entzerrter und kreiert eine angenehme Stimmung, wie auch in Our Love Is A Garden. Vielschichtige Elektro-Soul-Klangwelten wie in Leeds Liverpool Canal und Sadness Is A Shade Of Blue sorgen für die nötige Vielfalt des Albums und tanzbar wird es mit Womxn.

Dabei wird alles vom Thema Wasser getragen, ein Element mit dem man sowohl glückliche, als auch schrecklich Erfahrungen verbinden kann. Es geht ihr in den 10 Songs dabei um das Schwimmen, das Tauchen und die Höhen und Tiefen, wie sie nur eine Welle mitzuteilen vermag. Man kann aber auch im Wasser ertrinken. Alles scheint möglich. Die aus Liverpool stammende Songwriterin hat allerdings den Sprung ins kalte Nass gewagt und kam dabei nicht ins straucheln. Im Gegenteil: Wenn man nicht mehr ganz oben auf dem Treppchen steht, hat man nicht sehr viel zu verlieren. Man kann nur gewinnen. So verzückt Låpsley mit souligen Modern-Dance-R’n’B, der nichts weiter bedeutet, als das sie auf dem Boden geblieben ist und doch auch von den Wellen getragen wird.

Låpsley – Through Water
VÖ: 20. März 2020, XL Recordings
www.musiclapsley.com
www.facebook.com/lapsleyyyy

YouTube video

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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